Verein der Völkermordgegner e.V. Frankfurt / Main Soykırım Karşıtları Derneği (SKD); Kontakt : Ali Ertem Tel.: 0049/69/5970813; E-Mail:
skd@gmx.net Die Spuren Hrants sind immer hell, Fälle wie am 19. Januar bleiben im Dunkeln
Es ist ein Jahr her, dass Hrant aus unseren Reihen herausgerissen wurde!
Die Ermordung von Hrant war kein gewöhnliches politisches Attentat. Es ist eine Folge des jahrhundertealten Völkermord Verbrechens, worauf versucht wurde ekelhafte, brutale, feindliche Existenz aufzubauen.
Dieser Mord, als Folge einer hundert Jahre alten Ideologie und Politik, der vor den Augen aller, an einem helllichten Tag, im Rampenlicht geschah, dessen Täter, Hintermänner und Schützer bekannt sind, ist seit geraumer Zeit auch vor „Gericht".
Wie generell in der Türkei vorkommt, schreitet auch dieses Gericht auf dem Wege der Verdunkelung der Beweise, der systematischen Schließung der einzelnen Akten mit hoher Geschwindigkeit fort.
Dass es so geschieht, gehört in der Türkei zum Alltag. Welcher Mord wurde aufgeklärt, der zwischen den Jahren 1990 und 2000 an kurdische Intellektuelle und Patrioten sowie an demokratiebewusste und linksorientierte Intellektuelle, als Teil einer Kampagne in Tausenden serienmäßig verübt wurden? Man weiß bis heute nicht, unter welchen Umständen sie ermordet wurden und wo sie begraben sind.
Wegen tausender Griechisch Zypriotischer Gefangenen, die während der Invasion im Jahre 1974 von der türkischen Armee auf Zypern gefangen genommen wurden und über ihre Schicksäle bis heute nichts bekannt ist, wurde in der Türkei nicht einmal ein einziger Prozess gemacht. Nach Jahren entschied der Europäische Gerichtshof, dass für das Verschwinden dieser Griechisch Zyprioten die Türkei verantwortlich gemacht wird.
Selbst auf dem Hauptplatz einer Provinzhauptstadt verübten Massenmorde werden in diesem Land unter den Teppich gekehrt. Wie in Maras und Corum geschehen... So wie manche Mörder Preise bekommen, so laufen andere Mörder unbekümmert in diesem Lande herum. Im Madimak Hotel in Sivas wurden 33 Allevitischen Dichter, Intellektuelle, Künstler und 2 Hotelbedienstete unter Beifall tausender Unmenschen vor Augen der Polizei und Soldaten verbrannt. Wer wurde bestraft? Wer wurde von Schulden freigesprochen? Wer sind die Hintermänner, die die eigentlichen Mörder sind? Wo sind diese? Weiß es jemand? Wer weiß noch nicht, dass der Staatsanwalt mit sofortiger Wirkung entlassen wurde, der versucht hatte, die Mitglieder der Mörderbande vor Gericht in Rechenschaft zu ziehen, die in Semdinli auf frischer Tat ertappt wurden?
Die Mörder des in Trabzon in Kugelhagel geratenen Priesters, der christlichen Missionare und Verleger, denen die Kehlen durchgeschnitten wurden, werden solche Scheinprozesse bekommen wie die Mörder von Hrant Dink. Es gibt manche in der Türkei, die diese Prozesse als Anstrengungen im Sinne der Gerechtigkeit werten, anstatt zu akzeptieren, dass diese Prozesse nur zur Deckung der eigentlichen Mörder dienen und grünes Licht für weitere politische Morde geben sollen. Es ist keine Übertreibung, über solche Menschen zu sagen, dass diese keine Ahnung über das politische System in der Türkei haben. Die Urteile funktionieren in der Art und Weise, dass die politischen Ziele der Mörder transparent werden sowie die Drohungen, deren Tiefe und Kontinuität von der Bevölkerung stärker gespürt werden. Hrant Dink Prozess wird so fortgeführt und wird auch als Prototyp für solche
Prozesse beendet, bei denen das Verschleiern des Völkermordes, aus dem Opfer Täter machen und Mörder zum Helden ausrufen als einziges im Mittelpunkt stehen.
Wie die liebe Rakel Dink ausdrückte, es ist nicht denkbar, dass „ohne die Strukturen der Gesellschaft zu hinterfragen, die aus den Babys Mörder entwickeln", diese Gesellschaft gesunde Strukturen bekommen kann. Die Mentalität erneuert sich tagtäglich, welche beabsichtigt, den anderen Völkern, Kulturen, Religionen, Glaubensrichtungen, Ideen kein Existenzrecht zuzubilligen, diese zu unterdrücken, sie als anders abzustempeln und zu vernichten. Dieses System, das sich mit seinem Bildungssystem, seiner Presse und seiner Politik sich inszeniert, ist keineswegs bereit mit seiner Geschichte und mit dem Völkermord aus seiner nahen Geschichte konfrontiert zu werden. Das System ist nicht bereit, das Existenzrecht der Völker zu respektieren, mit denen es zusammenlebt.
Ein solches System kann niemals ehrlich sein und Veränderungen vollziehen, selbst wenn es aufgrund der internationalen Zwänge an den Begriffen Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenrechte festzuhalten scheint.
Trotz allem haben wir nicht das Recht, hoffnungslos zu sein. Wenn es auch spät ist, finden die Geschreie der Völker, deren Mitglieder dem Völkermord zum Opfer gefallen sind, die Suche nach Recht und Gerechtigkeit deren Kinder heute Resonanz in den Herzen der Menschen, die ein demokratisches Gewissen haben. Wenn die schuldlosen Geister der Opfer in Istanbul aus dem Munde Hunderttausender, mit dem Slogan „wir sind alle Armenier", zu einer Aufruhr umwandeln, heißt das, dass wir berechtigt sind, Hoffnung zu haben.
Hrant Dink war ein armenischer Intellektueller, der seine Wahrheiten in einem unruhigen Umfeld ohne Ermüdung, ohne Resignation auszudrücken versucht hat. Wenn er einerseits dadurch zur Zielscheibe bestimmter Gruppierungen geworden ist, andererseits aber wenn das die Demokraten und Intellektuelle dahingehend beeinflusst hat, dass diese ihre Gewissen, ihre Geschichte, ihre Unschuld hinterfragen, dann können wir hoffnungsvoll sein.
Gerade im letzten Monat wurde ein wertvoller, junger assyrischer Wissenschaftler Fuat Deniz bestialisch ermordet. Auch er war ein Intellektueller, der intensiv versucht hatte, die Wunde des Völkermordes an sein Volk, historische Ungerechtigkeiten der Weltöffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Mörder des Systems suchen sich in der Hektik des Schuldbewusstseins nicht nur neue Ziele, neue Opfer sondern beabsichtigen gleichzeitig die Hoffnung der Menschheit zu untergraben, miteinander respektvoll in Frieden zusammenzuleben.
Die Attentate, die Hrant und Fuat galten, erinnern uns daran, dass wir noch mehr Mut und Vertrauen in uns brauchen, um die tief verwurzelten, großen politischen und gesellschaftlichen Probleme anzugehen.
Hrant Dink Fuat Deniz
Ihre Herzen waren voller Menschenliebe. Außer Ihre Schreibfeder kannten Sie keine anderen Waffen. Sie kämpften bis zum letzten Atemzug für Recht und Gerechtigkeit, dafür, die verletzte Menschenwürde wiederherzustellen und Frieden und Freundschaft zwischen unseren Völkern zu stiften. Doch Sie bezahlten mit Ihrem Leben für die Bestimmung Ihrer Herzen.
Frankfurt, den 19.Januar 2008
Kommentare (1)