Treten, Grätschen, Abräumen - und das Hauptberuflich – Maik Franz, 27, Kapitän und Abwehrschef in Karlsruhe. Nach 172 Verletzungstagen meldete sich einer der härtesten Spieler der Bundesliga letzte Woche zurück.Maik Franz:Es war genial. Ich kriege immer noch Gänsehaut. Das war was ganz besonderes. Ich saß auf der Bank, und dann kam der Co-Trainer, Mike komm und ich bin rüber gesprintet und dann ging es auch schon los. Das Stadion ist aufgestanden und hat applaudiert, die Fans haben Stimmung gemacht – ahh das war schon ein richtig schönes Gefühl. Da sieht man was einem fehlt, wenn man nicht dabei sein kann und verletzt ist.
Keine sieben Minuten im Spiel macht Maik seinem Ruf alle Ehre. Maik das Raubein, der Haudegen. "Iron Maik" nennen ihn seine Fans liebevoll. Er verteidigt mit vollem Einsatz, schießt jedoch gelegentlich über das Ziel hinaus.
DW-TV:Ich möchte dich mal zitieren: "Mein Job ist es, dass da hinten kein Tor fällt. Und den Job mache ich mit allen verfügbaren Mitteln." Was sind deine verfügbaren Mittel?
Maik Franz:Aggressivität, Emotionen, Leidenschaft und einfach versuchen, mit einer gewissen Zweikampfhärte auf den Gegner einzugehen und sich dann Respekt zu holen. Das ist wichtig. Weil, wenn ein Stürmer oder jeder Gegenspieler sagt ‚Ah das ist ein ganz Netter und gegen den spiele ich gerne‘, dann hat man was verkehrt gemacht, als Verteidiger.
Du hast als erstes Aggressivität genannt, das heisst wo andere mit Technik überzeugen, zeigst du Einsatz?
Ich bin kein Maradona, ich bin kein Pele – ich bin nicht der super Techniker, aber ich kann Fußball spielen. Sonst hätte ich nicht 130 Bundesligaspiele und wäre nicht 9 Jahre in der ersten Liga. Es ist auch nicht verkehrt aggressiv und zweikampfstark zu sein. Im Gegenteil, es ist auch eine Eigenschaft und dazu stehe ich auch.
Sein Ruf ist legendär. Seine Statistik dagegen harmlos: Nur eine Rote Karte in drei Jahren, alle 66 Minuten ein Foul. Dafür wird kein Innenverteidiger so oft getreten wie Maik.
Wärst du denn sauer, wenn du gegen dich spielen müsstest?
Das ist ne coole Frage – die hat mir so noch keiner gestellt. Weiß ich nicht – glaub dass wär ein schönes Duell: Franz gegen Franz. Da ich aber weiß wo meine Grenzen sind, würde sich das beruhigen und das wäre dann schon okay.
Ich frag das, weil ich darauf hinaus will, ob du selbst denkst, dass du in eine Ecke gestellt wirst, in die du gar nicht reingehörst?
Wenn man in eine Schublade gesteckt wird, da einmal drin steckt, dann ist es extrem schwer, da wieder rauszukommen. Eigentlich fast unmöglich. Jetzt ist es so, dass ich in Karlsruhe in dieser Schublade stecke – es heißt dann auch immer, ja der Franz, dass ist der der durchdreht, der dazwischenhaut, der ein bisschen verrückt ist. Ich weiß, dass es nicht so extrem ist. Und wenn der Trainer sagt, das ist absolut im grünen Bereich, das ist in Ordnung, im Gegenteil, wir wollen, dass du so spielst und so auftrittst, dann kann das nicht so verkehrt sein. Ich sag es mal so, die Leute, die hier verlieren, hier Punkte lassen, dass die sauer und enttäuscht sind, dass ist mir relativ egal – weil so lange wir gewinnen und punkten können die sagen was sie wollen.
Gut dann bleiben wir dabei: in der Liga wirst du gefürchtet und von deinen Fans geliebt.
Hier bei uns in Karlsruhe ist es so, wir sind ein sehr familiärer Club. Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans ist sehr eng. Wir sind Tabellen 18., sind ganz hinten und die Fans stehen immer wie ein 12. Mann hinter uns und das ist, glaube ich fast einmalig in so einer Situation.
Die Triumpfe aus dem Vorjahr sind schon fast vergessen. Im zweiten Jahr nach dem Aufstieg hat der KSC erst fünf mal gewonnen. Seit Wochen im Tabellenkeller - Ratlosigkeit und Verzweiflung bei Mannschaft, Manager Dohmen und Trainer Becker.
Der Ede Becker, dein Trainer, hat gesagt, dass Karlsruhe als Verein viel zu ruhig ist.
Ist schwierig könnte man in diesem Jahr vielleicht denken. Abstiegskampf, sagt ja schon das Wort, ist ein Kampf und alle anderen Mannschaften wie Bielefeld oder Cottbus die haben das Image, das es eklige Mannschaften sind und das ist jetzt nicht mal negativ gemeint. Das ist halt so. Jeder spielt ungern gegen die. Bei uns ist es so, dass wir vielleicht ein bisschen zu ruhig sind und vielleicht ekliger werden müssen, auch wenn sich das blöd anhört.
Blöd – nein. Ein bisschen blöd war Maiks Zeit beim VfL Wolfsburg – von 2001 bis 2006 spielte er unter fünf Trainern - bei jedem musste er sich erneut von der Reservebank in die erste Elf hochkämpfen. Blöd auch, dass er den Besten Trainer verpasst hat…
Du und Magath - würde das passen?
Weiß nicht. Vielleicht sogar ganz gut. Er wollte mich ja mal komischerweise nach Stuttgart holen. Ja, Herr Magath ist ja dafür bekannt, dass er hart trainiert, aber trotzdem immer fair ist und Spielern auch immer eine Chance gibt. Ja, vielleicht hätte es geklappt. Ich habe da größten Respekt vor dem was er in Wolfsburg macht. Ich habe da ja selbst fünf Jahre gespielt und was er da jetzt aufgebaut hat, dass ist schon aller Ehre wert, dass ist schon großes Tennis.
Aber beim KSC fühlst du dich wohl und wenn es in die zweite Liga geht, gehst du mit?
Nee, das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, ich fühle mich sehr wohl und jeder weiß das. Ich habe aber auch gesagt, jeder Spieler möchte in der ersten Liga spielen. Es sind nicht so viele Zuschauer in der zweiten Liga und das ist ja auch was jeder Fußballer gern hat. Ist doch klar. Ich meine, das was wir hier gerade machen, das macht doch Spaß und auch im vollen Stadion zu spielen, das macht Spaß. Aber man weiß ja nie – man soll ja nie nie sagen. Wie gesagt, ich habe viel bekommen und möchte was zurück geben, aber 1. Liga bleibt 1. Liga.
- 06.07.09
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