Deine Watchliste wurde geleert.
Studiogast: Timm Tiller, Gründer International Institute for Family Enterprises
Läuft geradeNeue FolgeUniversität Witten/Herdecke – anlässlich des German- Arab Family Business Summit 2009 in Bahrain (30.10. – 01.11.2009)DW-TV: Bei uns ist Timm Tiller, er ist Mitbegründer des International Institutes for Family Enterprises der Universität Witten/Herdecke, das sich vor allem mit arabischen Familienunternehmen beschäftigt. 2007 haben Sie das Institut zusammen mit einem Kommilitonen gegründet. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen? Timm Tiller: Schaut man sich an, welche ökonomische und gesellschaftspolitische Bedeutung und Rolle arabische Familienunternehmen in der Region haben und sieht dann, dass es nirgendwo auf der Welt eine Institution oder eine Professur gibt, die sich mit arabischen Familienunternehmen beschäftigt, dann drängt es sich geradezu auf, sich des Themas anzunehmen und es voranzutreiben. DW-TV: Letztes Jahr haben Sie in diesem Zusammenhang auch das erste mal den deutsch-arabischen Familienunternehmer-Kongress durchgeführt. Dieses Jahr findet er zum zweiten Mal am 30. Oktober in Bahrain statt. Welche Erfahrungen haben Sie denn in der Zusammenarbeit gemacht? Timm Tiller: Ganz spannende Erfahrungen, die wir so auch noch nicht erlebt haben. Wir haben erstmalig deutsche und arabische Familienunternehmer auf Eigentümerebene zusammengeführt. Und wir haben gesehen, dass sie sich unglaublich füreinander interessieren. Nicht nur auf menschlicher Ebene, sondern auch was die business opportunities angeht. Wir verfolgen das bis zum jetzigen Kongress und sehen, dass es ein großes Potential, ein sehr großes Interesse gibt, sich auch nachhaltig und persönlich auszutauschen. DW-TV: Gibt es das große Potential bei den Gemeinsamkeiten oder eher bei den Unterschieden? Die Strukturen sind doch sehr unterschiedlich in beiden Ländern. Timm Tiller: Wir können festhalten, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. Die Potentiale, die Herausforderung aber auch die Probleme - all das sind Gemeinsamkeiten. Es gibt auch Unterschiede, aber die sind dann kultureller, religiöser oder z.B. politischer Natur. Darin unterscheiden sich deutsche und arabische Familienunternehmen natürlich. DW-TV: Behindert das bei der Zusammenarbeit? Wenn man davon ausgeht, dass beide ja auch irgendwie voneinander lernen sollen? Timm Tiller: Überhaupt nicht. Ich denke, dass es eher inspirierend ist. Denn gerade die Unterschiede führen dazu, dass man voneinander lernen kann. DW-TV: Geht man auch mit der Weltwirtschaftskrise unterschiedlich um? Die betrifft ja beide Länder auch differenziert? Timm Tiller: Natürlich betrifft die Krise auch die arabische Welt. Man darf nichts verallgemeinern. Es gibt Länder oder Regionen in der arabischen Welt, die natürlich stärker betroffen sind. Zum Beispiel weil sie sich viel mehr der globalen Weltwirtschaft geöffnet haben, wie die UAE oder andere Länder. Und welche, die weniger betroffen sind. Es hängt von der Industrie ab, aber auch sicherlich von dem Land. DW-TV: Haben denn Familienunternehmen im arabischen Raum eine genauso große Bedeutung wie in Deutschland? Wenn man davon ausgeht, dass in Deutschland 95 Prozent der Unternehmen Familienunternehmen sind? Timm Tiller: Es gibt keine valide Zahl, die das jetzt bestätigen würde, was wir für Deutschland wissen. Wir wissen aber um die große Bedeutung, und ich denke, dass es einen ähnlichen Stellenwert arabischer Familienunternehmen in der Volkswirtschaft dort gibt. DW-TV: Vielen Dank, Timm Tiller, vom International Institutes for Family Enterprises! (Interview: Anja Heyde)
Mr. Biotech - mit winzigen Bakterien Umsatz in Millionenhöhe
Läuft geradeNeue FolgeSeine Leidenschaft für die Biologie hat er zum Geschäft gemacht. 1996 verließ Holger Zinke die Universität und gründete BRAIN, sein eigenes Biotech-Unternehmen im hessischen Zwingenberg. Zinke macht mit seiner Firma Millionen Euro Umsatz. Die Chemieindustrie braucht sie, etwa für Waschmittel oder Kosmetik, Kunden wie BASF oder Henkel.Doch Zinke ist damit nicht nur Vorreiter seiner Branche. Er bekam auch den Deutschen Umweltpreis. Weil seine Bakterien helfen, die Prozesse der Chemieindustrie energiesparender durchzuführen. Doch ausruhen will sich Zinke darauf nicht. Er ist ein Macher, lässt die Firma ausbauen. Er will die hauseigenen Forschungsergebnisse selbst industriell nutzen. Und er will seine Begeisterung weitergeben - an den Nachwuchs in der Firma und an jeden, der nichts von Biotech versteht: gerade macht er einen Bildband. Grit Hofmann
Läuft geradeNeue FolgeSchon zu DDR-Zeiten war Rostock ein bedeutender Werftenstandort. Im alten Schiffbaukombinat arbeiteten 55.000 Menschen. Nach der Wende ¬- der Kahlschlag. Heute sind es nur noch einige Tausend. Und es überlebt nur, wer sich spezialisiert. So wie die traditionsreiche Neptun-Werft: dort bauen sie heute Fluss-Kreuzfahrtschiffe. Und dieser Markt boomt.Aber auch im ehemaligen Dieselmotorenwerk Rostock haben sich die Zeiten geändert. Früher ein Zulieferer vor allem für den Schiffbau, werden heute unter anderem Teile für Windkraftanlagen produziert. Denn längst hat sich in der windreichen Region an der Küste ein bedeutender Standort für diesen aussichtsreichen Industriezweig entwickelt. MIG-Reporter Christian Jaburg begleitet Mitarbeiter, die den Umbruch in der Region hautnah miterlebt haben.
Weltweit gefragt: Berufsfeuerwehr aus Deutschland
Läuft geradeNeue FolgeIn Deutschland arbeiten rund 1 Million Feuerwehrmänner und 60.000 Feuerwehrfrauen. Von ihnen müssen immer komplexere Brandszenarien gemeistert werden, wie in Industrieanlagen oder Recyclingbetrieben. Im kommunalen Bereich werden die Feuerwehren mit immer neuen Brennmaterialien konfrontiert.Die richtige Taktik und Vorgehensweise beim Löschen kann erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden abwenden. Die Berufsfeuerwehr aus Bonn schickt ihre Auszubildenden einmal im Jahr in die Niederlande zu der Firma Falck Risc. Hier werden auf einem Trainingsgelände verschiedene Feuerarten gelöscht. MiG-Reporter Karl Harenbrock war für uns dabei.
Bankensystem - zu groß für die Pleite?
Läuft geradeNeue FolgeHypo Real Estate: Systemrelevant! Commerzbank: Systemrelevant! Ebenso wie die Citybank, der Versicherer AIG und etliche andere. „To Big to Fail“ - die immer größer und unübersichtlicher werdenden Finanzinstitute haben den Boden für die Krise bereitet, hieß es im Herbst 2008. Doch: Mit der Krise kamen weitere Fusionen, der Trend ist ungebrochen. Ist das der Freibrief, weiter zu machen wie bisheSchließlich kann jede große Bank damit rechnen, im Notfall mit Staatsgeldern gerettet zu werden. Nicht wenige Branchenexperten fordern eine "Entflechtung" des Bankensystems. Risikofaktor Großbank – wie bewerten Banker, Professoren und Bundesbank die Lage? Marion Hütter hat sich in Frankfurt umgehört.
Studiogast: Jörg Rocholl, Finanzmarktexperte ESMT
Läuft geradeNeue FolgeMADE IN GERMANY spricht mit Jörg Rocholl von der European School of Management and Technology über das Problem der Großbanken und die Diskussion um Bonuszahlungen.DW-TV: In Pittsburgh auf dem G20-Gipfel sollen die Spielregeln geändert werden, muss man da nicht einmal ganz, ganz dringend über die Gefahr von solchen Megabanken sprechen? Jörg Rocholl: Ja, das wird sicherlich ein ganz wichtiger Punkt der Beratung sein, denn diese Megabanken unter dem Stichwort "Too big to fail" können tatsächlich eine Bedrohung für das gesamte Finanzsystem darstellen. Weil sie immer davon ausgehen können, dass die Staaten sie hinterher retten, wenn sie tatsächlich in Gefahr geraten. Und das zeigt sich auch dadurch, das zum Beispiel die Finanzierungskosten für diese Banken geringer sind, als für andere Banken, weil Anleger wissen, das sie weniger Risiko eingehen, wenn sie dort investieren. DW-TV: Wäre das Kartellrecht ein Hebel an dem man ansetzen könnte, denn das große Fusionieren geht ja gerade weiter, die Banken werden immer größer? Jörg Rocholl: Das wäre sicherlich ein wichtiger Hebel. Allerdings wäre der natürlich vor allem für Einzelfälle wichtig und nicht für eine generelle Betrachtung von Großbanken. Dort gibt es dann andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel ein generell höheres Eigenkapital oder ein höhere Anforderung an Eigenkapital für größere Banken, oder aber auch die Anforderung ein "Testament" für diese Banken zu schreiben, in dem Augenblick zu definieren, was passiert wenn die Banken Konkurs gehen oder vor dem Konkurs stehen. DW-TV: "Testament" heißt das in ihren Augen auch, man muss über das Risikomanagement sprechen, also wie reagiert man, wenn die Bank pleite geht? Jörg Rocholl: Genau, das ist wirklich ein ganz zentraler Teil des Risikomanagements, weil man damit verhindern kann, dass das Risiko, das von dieser Bank ausgeht sich zu stark auf die Realwirtschaft niederschlägt. Und daneben sind natürlich noch andere Dinge zu betrachten, wie zum Beispiel eine Frage danach, wie es sein konnte, das Wahrscheinlichkeiten die ausgerechnet wurden, so stark neben der Realität lagen. DW-TV: Und wer kontrolliert das denn am Ende? Jörg Rocholl: Das ist im Idealfall die Bankenaufsicht. Aber auch dort ist es wichtig eine qualitativ und quantitativ gutausgestattete Bankenaufsicht zu haben. DW-TV: Die Qualität der Kontrolle, ist die denn ausreichend? Jörg Rocholl: Sie ist im Moment sicherlich nicht ausreichend, wie wir das allein daran sehen, das es so viele Fälle von Konkursen oder Beinahe-Konkursen gab. Es muss einfach weiterhin dort investiert werden. DW-TV: Bonuszahlungen haben mittlerweile Ausmaße angenommen, die Otto-Normalverdiener gar nicht mehr nachvollziehen können. 1985 haben Banker allein an der Wall Street - und die gibt ja den Takt an für alle anderen in diesem Bereich- noch 1,9 Milliarden Dollar verdient. 2007 waren es dann 34 Milliarden - nur an der Wall Street! 2008 mit der Krise waren es immer noch über 18 Milliarden. Wenn man sich das einmal anschaut, ganz ehrlich muss das sein, dass ein Manager, wie vor zwei Jahren der Chef von Goldman Sachs zum Beispiel 67,9 Millionen US-Dollar an Boni zusätzlich zu seinem Gehalt bekommt? Jörg Rocholl: Das sind tatsächlich unvorstellbar große Zahlungen, die dort vorgenommen wurden. Und das ist, glaube ich, auch unstrittig jetzt und das wird auch von den Banken inzwischen zugestanden, das ein großer Teil der Krise von den Bonuszahlungen mit beeinträchtigt wurde oder zumindest noch weiter befeuert wurde. Allerdings sollte man jetzt auch sehr vorsichtig sein, die richtigen Schlussfolgerungen daraus zuziehen, also die Frage: wie man jetzt die Regulierung ansetzen kann. Es gibt gute Argumente wie zum Beispiel eine längere Haltedauer für Boni und auch die Frage, wie man Verluste gegen rechnen kann. Es gibt aber auch genauso gut Vorschläge, die sehr schwierig werden durchzusetzen. Die eventuell sogar ins Gegenteil verkehren können, wie zum Beispiel absolute Obergrenzen für bestimmte Gehaltsbestandteile, weil man zum Beispiel in den USA gesehen hat, dass das genau dazu führen kann, das andere Gehaltsbestandteile dann umso stärker steigen werden. DW-TV: Was wäre denn dann in Ihren Augen eine Möglichkeit dieses Anreizsystem so zu regulieren, das es nicht wieder aus dem Ruder läuft? Jörg Rocholl: Zwei zentrale Punkte sind zu nennen, wir zahlen die Boni erst nach vier oder fünf Jahren aus, wenn man gesehen hat, dass das Risiko, was eingegangen wurde sich nicht tatsächlich auch niedergeschlagen hat. Und ein anderer Teil ist auch zu sagen, das man das an absolute Performance-Maßstäbe, also Benchmarks vergleicht. Das heißt, um zusehen, ob es tatsächlich ein Unternehmen ist, das besser abgeschnitten hat, als andere Unternehmenswettbewerber. DW-TV: Am Ende liegt es immer noch in der Verantwortung der Beteiligten. Interview: Anja Heyde
Bonuszahlungen - Ein Investmentbanker packt aus
Läuft geradeNeue FolgeMillionen-Provisionen für Investmentbanker sind Gift für die Wirtschaft und haben die Wirtschaftskrise mit verursacht, meint der 36-jährige Geraint Anderson. Er war zwölf Jahre lang Investmentbanker in London und arbeitete sowohl für die Commerzbank als auch für die Dresdner Kleinwort.Kurz vor der Finanzkrise kündigte er seinen Job und schrieb ein Buch über seine Erfahrungen. Für ihn und seine Kollegen waren Bonuszahlungen, die weit höher lagen als das Fixgehalt, die Regel. Je riskanter die abgeschlossenen Geschäfte, desto höher der Bonus. Wie wollen die Banken in Zukunft mit den kritisierten Manager-Boni umgehen? Wird eine Regelung, auf die sich die Staats- und Regierungschefs in Pittsburgh einigen könnten, etwas am System ändern? Christian Pricelius und Sascha Quaiser berichten.
Die Weltmeister - Mülltonnen von ESE für Bagdad
Läuft geradeNeue FolgeMassenware in Deutschland produzieren? Dass sich das durchaus lohnen kann, beweist die Firma Ese Industrie in Neuruppin. Der Mittelständler ist Weltmarktführer für Mülltonnen auf Rädern und beliefert nicht nur die europäischen Nachbarn sondern auch Kunden in Lateinamerika und Asien mit jährlich über zwei Millionen Müllbehältern. Zur Zeit wird ein Großauftrag aus Bagdad abgearbeitet.Das Erfolgsrezept der Neuruppiner ist eine Mischung aus drei Komponenten: Ein Produkt, das einiges aushält, die Fähigkeit, flexibel auf Kundenwünsche einzugehen und Kapazitäten, um in kurzer Zeit vollautomatisch hohe Stückzahlen herzustellen. Sonja Schock stellt den Weltmarktführer vor.
Nach der Wahl – Wie ist die Stimmung?
Läuft geradeNeue Folge„Anständige Löhne“, „Mehr Netto vom Brutto“, „Reichtum besteuern“, „Jobs, Jobs, Jobs“ – die Parteien zielten in diesem Wahlkampf auf die ökonomische Situation des Bürgers. Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden, die Folgekosten unabsehbar. Was bringt die neue Bundesregierung?Gibt es Steuererhöhungen? Mehr Investitionen in die Bildung? Wird die Kurzarbeit aufgehoben? Unsere Reporterin Mabel Gundlach hat eine Familie nach der Wahl getroffen und nach ihren Erwartungen gefragt.
Regionen im Wandel - Im Osten viel Neues: 1. Teil: Ludwigsfelde
Läuft geradeNeue FolgeDer Übergang von der Plan- zur Markwirtschaft kostete viele Ostdeutsche ihren Job und Milliarden an Fördergeldern. ”Wirtschaftswüste Ostdeutschland” – das war der Tenor und ist noch immer ein weit verbreitetes Vorurteil. Nun haben sich zwischen Erzgebirge und Ostsee 20 Jahre nach dem Mauerfall durchaus einige ”blühende Landschaften” entwickelt.MADE IN GERMANY porträtiert die Regionen im Wandel. Unsere erste Reportage führt uns ins brandenburgische Ludwigsfelde. Zu DDR-Zeiten war die Stadt eine Hochburg für Automobil- und Luftfahrttechnik. Viel hat sich verändert, doch der Standort hat überlebt. Grit Hofmann taucht ein in das technikbegeisterte Ludwigsfelde. Sie trifft "Tüfftler und Schrauber" im Verein "Freunde der Industriegeschichte" und besucht die "neuen" Schwergewichte Mercedes Benz und MTU.
Studiogast Joachim Ragnitz, IFO Dresden
Läuft geradeNeue FolgeMADE IN GERMANY spricht mit Joachim Ragnitz über die Stimmung in der Wirtschaft nach der Wahl und die Entwicklung in den neuen Bundesländern.DW-TV: Die FDP sagt: keine staatlichen Eingriffe, aber die Kanzlerin sagt: durchaus, wenn es wichtig ist, machen wir noch ein Konjunkturpaket. Wird die FDP sich dann sperren? Joachim Ragnitz: Ich denke, sie wird sich nicht sperren können. Also ich meine, einmal sind die Mehrheitsverhältnisse in dieser Koalition natürlich klar. Die CDU ist eben die stärkere Fraktion. Man muss auch sehen, wie es überhaupt weitergeht. Wir haben zwar derzeit einen Aufschwung, aber wir wissen nicht ganz genau, wie der weiter geht, was im nächsten Jahr dort passiert. DW-TV: Glauben sie denn, dass es ein Konjunkturpaket 3 geben könnte? Joachim Ragnitz: Also nach dem derzeitigen Stand rechne ich eigentlich nicht damit. Wir erwarten eigentlich im nächsten Jahr irgendwo ein Wachstum von ein einhalb Prozent. Das ist nicht viel, aber es ist eben nicht dieser massive Absturz, den wir in diesem Jahr gehabt haben. Darüber hinaus hat sich auch gezeigt, dass diese Konjunkturpakete, wie wir sie in der Vergangenheit gemacht haben, nicht so schrecklich viel bringen. Und angesichts dieser Staatsverschuldung, die man ja gleichzeitig auch irgendwie in den Griff kriegen will, wird man, glaube ich, nichts weiter machen. DW-TV: Gut, also: kein neues Konjunkturpaket. Aber – trotz der Staatsverschuldung: 1,6 Billionen Euro, so hoch wie noch nie in Deutschland – haben beide Parteien versprochen, es soll Steuersenkungen geben. Wie funktioniert das? Joachim Ragnitz: Es würde funktionieren, wenn man eben sagt, wir reduzieren die Ausgaben ganz massiv. Aber ich meine, ich will nicht wissen, was das dann hier in Deutschland los ist. Also da sehe ich, ehrlich gesagt, keine großen Spielräume. Das bedeutet aber im Umkehrschluss: für Steuersenkungen ist derzeit und wahrscheinlich auch in den nächsten zwei, drei Jahren noch kein Raum. DW-TV: Dann funktioniert ja beides nicht? Joachim Ragnitz: Wir sind da in einem Dilemma, ist völlig klar. Aber wir haben uns da ja selber mit hineinmanövriert mit diesen Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getroffen haben. Es läuft aber eigentlich darauf hinaus, dass man eine Politik macht, die mehr oder minder weit weg ist von dem, was man im Wahlkampf jetzt versprochen hat. DW-TV: Oder - wie Hans-Werner Sinn, der Präsident des ifo Instituts, gesagt hat – wir leben halt weiter auf Pump. Joachim Ragnitz: Eine Zeit lang wird das sicher so sein. Also ich meine, man kann sich nicht vorstellen, dass diese 100 Mrd. Defizit, die wir derzeit haben, von heute auf morgen eben reduziert werden, also das ist so oder so ausgeschlossen. Man kann auch sagen, in bestimmten Bereichen ist es ja sinnvoll, dass man sich verschuldet, beispielsweise bei längerfristigen Investitionen. So gesehen glaube ich schon, dass wir noch eine Weile mit hohen, also auch noch mit steigenden, Staatsschulden werden leben müssen. DW-TV: Am neunten November soll sich die neue Regierung unter Angela Merkel konstituieren. Wird dann alles anders im Osten? Joachim Ragnitz: Nun, da wir sich auch erst einmal nicht so viel ändern. Der Osten ist in beiden Teilen doch sehr rückständig gegenüber Westdeutschland. Das lässt sich eben nicht erzwingen, dass man da ganz schnell versucht, stärker zu forcieren, dass dieser Aufbau vorankommt. DW-TV: Herr Ragnitz, warum ist das so: da sind schon 1,9 Billionen an Sozial- und Aufbauleistungen hineingeflossen. Und trotzdem ist der Osten noch so rückständig. Joachim Ragnitz: Nun, es ist sehr viel Geld reingeflossen, das stimmt schon. Für die reinen Investitionen, für die reinen Aufbauleistungen sind es natürlich nicht diese große Summe, die sie da nennen, sondern deutlich weniger. Man muss quasi die ganze Wirtschaft neu aufbauen. Und das dauert dann sehr lange, bis dann auch tatsächlich eine hinreichende Dynamik in Gang kommt, auch das Bruttoinlandsprodukt der Einwohner sich dann eben an westdeutsche Werte annähern kann. Leider Gottes ist es allerdings so, dass da in Teilbereichen auch quasi falsche Weichenstellungen getroffen worden sind. Man hat sehr viele sogenannte verlängerte Werkbänke in Ostdeutschland, so dass die Forschung häufig fehlt. Man hat teilweise dort Infrastrukturen gebaut, die man eigentlich nicht mehr braucht, wenn die Bevölkerung so stark zurückgeht. So gesehen muss man das sicherlich noch schauen, wie man da neu justieren kann. DW-TV: Also erstmal mit der Gießkanne rangegangen, statt gezielt zu gucken. Was wäre denn eine Möglichkeit gewesen, den Osten – auch in den letzten zwanzig Jahren – ganz anders zu etablieren? Joachim Ragnitz: Nun, jetzt über Fehler der Vergangenheit zu reden, bringt ja nichts mehr, wir müssen ja in die Zukunft schauen. Das ist da, glaube ich, schon wichtig. Das ist wohl so, dass man jetzt schauen muss: wie können wir Forschung und Entwicklung in Ostdeutschland stärken, man muss schauen: wie können wir die Bildungssysteme in Ostdeutschland stärken, um auf diese Art und Wese zu erreichen, dass hinreichend viele qualifizierte Menschen da sind und man muss dafür sorgen, dass eben weitere Ansiedlungen nach Ostdeutschland kommen. Das ist auch ein wichtiger Punkt, der leicht vernachlässigt wird. Das wird alles nicht einfach, aber wir hoffen halt alle, dass es zumindest in den meisten Regionen gelingt, bis 2019 dann deutlich stärker an westdeutsche Verhältnisse ranzukommen. DW-TV: Umgekehrt: Was hat man denn eigentlich alles richtig gemacht in den letzten Jahren? Denn Brandenburg zum Beispiel, Ludwigsfelde, ist eine Region, die funktioniert, die prosperiert. Was hat man da richtig gemacht und an anderen Stellen nicht? Joachim Ragnitz: Sie können das nicht unbedingt auf die Politik schieben, weil Ludwigsfelde liegt ja in der Nähe von Berlin und die Ausstrahlkraft von Berlin, die hat dazu beigetragen, dass es in Ludwigsfelde – wie im gesamten Speckgürtel um Berlin – vergleichsweise gut geht. So ähnlich ist das auch in den großen Ballungszentren in Sachsen. Das Umland von Dresden, Leipzig und Chemnitz steht vergleichsweise gut da, aber sobald sie da in die Peripherie kommen, ist es da auch vergleichsweise schwach. Also es bedeutet: wichtig sind die Standortbedingungen ,die man da hat und dazu gehört eben vor allem auch das Vorhandensein von größeren Agglomerationen. Nur die können sie nicht nach Ostdeutschland pflanzen. So gesehen muss man damit rechnen, dass man in den ländlich geprägten Regionen auch auf lange Sicht zumindest deutlich hinter westdeutschen Durchschnittswerten zurückliegt. Aber das ist im Emsland oder in der Südpfalz ja auch nicht anders. Interview: Anja Heyde
Profilerin - Führungskräfte im Feinsieb
Läuft geradeNeue Folge35 Prozent aller Besetzungen von DAX-Vorstandsposten scheitern in den ersten 18 Monaten. Laut Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung wechseln die Vorstände in Europa heute doppelt so schnell wie in den USA - und in Deutschland zweimal so schnell wie im Rest Europas. Das ist die Lücke, in die ein wachsendes Gewerbe stößt. Die Profiler.Sie haben in Deutschland viel zu tun. Denn sie sollen verhindern, dass die Kosten für die Unternehmen weiterhin in die Milliarden gehen, wenn wichtige Managerposten fehlbesetzt werden. Anders als Headhunter sorgen die Profiler für die Passgenauigkeit – sie schauen hinter die "polierten Fassaden" von Referenzschreiben, Zeugnissen. Mehrere "heiße" Kandidaten werden mit psycho- und graphologischen Methoden durchleuchtet – soweit es die Datenrechtslage zulässt. Sozialkompetenz, Motivationsfähigkeit der Mitarbeiter, Verhältnis zwischen Schein und Sein – solche Fragen sind zu klären. In Schweden nutzen bereits 70 Prozent der großen Unternehmen ihre Dienste, in den USA 80 Prozent. Holger Trzeczak zeigt das Verfahren am Beispiel eines deutschen Großhandelsriesen.
Läuft geradeNeue FolgeUngarn befindet sich in der Krise. Überall im Land entlassen die großen Konzerne Menschen. Wird die Industrie ihre Produktion vielleicht ganz aus Ungarn abziehen, dorthin wo es noch billiger ist? Das, was im Städtchen Kecskemét vor sich geht, scheint diese Sorge zu widerlegen. Hier herrscht Aufbruchstimmung, denn vor den Toren der Stadt entsteht das erste Daimler-Werk in Osteuropa.800 Millionen Euro investiert der deutsche Konzern. Dies ist die größte ausländische Investition in Ungarn seit der Wende. Ab 2012 sollen in Kecskemét jedes Jahr 100.000 Autos der neuen A- und B-Klasse produziert werden. Und schon jetzt weckt die Zukunft große Hoffnungen, bei einigen aber auch Skepsis und Ängste. Made in Germany hat sich in Kecskemét umgesehen, ein Jahr nach der Entscheidung von Daimler für den Ort, der auch als Tor zur Puszta bekannt ist. Michael Wetzel.
FDP an der Macht – was sagt die Wirtschaft?
Läuft geradeNeue FolgeDeutschland hat gewählt und die neue Regierung wird, das scheint sicher, eine Koalition aus CDU/CSU und FDP. Viele Unternehmer freut´s.Die Liberalen haben Programmpunkte, die bei den Arbeitgebern ankommen: den Mittelstand stärken, die Neuverschuldung eingrenzen und dennoch Steuern senken. Wie marktradikal kann die FDP in der Koalition agieren? Miltiades Arsenopoulos hat sich bei Brachenvertretern in der Wirtschaft umgehört.
Konsum: Kinder im Fokus der Werbung
Läuft geradeNeue FolgeAuch Kinder sind Konsumenten. Heutzutage werden schon Dreijährige von der Werbung als Zielgruppe ausgemacht. Experten schätzen die jährlichen Gesamtausgaben der 6- bis 19 jährigen auf über 20 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 10 Prozent weniger, ein bisschen spüren auch sie die Krise. Vieles von ihrem Taschengeld fließt in den Konsum von Süßigkeiten, Comics, Kleidung.Das Münchner Marktforschungsinstitut "iconKids&youth" hat sich darauf spezialisiert, den Markt der Jugendlichen im Auftrag der Industrie zu analysieren. Regelmäßig werden neue Produkte und Verpackungen an Jugendlichen getestet. Unser Reporter Henry Hasberg ist bei einem dieser Tests dabei, spürt den Wünschen der Jugendlichen aber auch in Einkaufszonen nach: In Berlin begleitet er drei Teenager, die mal wieder in Konsumlaune sind.
Bitterfeld - grün, lebenswert, erfolgreich
Läuft geradeNeue FolgeBitterfeld war bis zur Wiedervereinigung der giftigste Ort Deutschlands. Die Chemieindustrie verätzte und verdreckte die Stadt. Die DDR-Bürger reimten damals: "Bitterfeld, Bitterfeld, wo der Dreck vom Himmel fällt." 20 Jahre später ist der Dreck weg, die Luft sauber und viele neue Arbeitsplätze wurden geschaffen.Auch im komplett entgifteten Chemiepark arbeiten wieder über 11.000 Menschen, 360 Firmen haben sich hier angesiedelt. MIG-Reporter Joachim Eggers begleitet den Geschäftsführer des Chemieparks, Matthias Gabriel. Der zeigt ihm das neue Bitterfeld, kennt aber auch die Stadt zu DDR-Zeiten. Gabriel kann sich noch gut daran erinnern, wie er sich vor der Wende mal auf eine Bank gesetzt hat. Danach, sagt er, hätte er seine Hose wegwerfen können, weil ihm die niedergeregneten chemischen Schadstoffe Löcher in den Stoff gefressen hatten.
Luxus trotzt Krise - Poggenpohl-Chef Elmar Duffner im Porträt
Läuft geradeNeue FolgeKaum ein Tag ohne Kochshow! Im Fernsehen läuft ein wahrer Wettbewerb um die Besten der Branche. Kochbücher überschwemmen seit Jahren den Markt. Keine Frage: Kochen liegt im Trend. Davon profitieren Hersteller von Luxusküchen wie das ostwestfälische Unternehmen Poggenpohl.Poggenpohl wächst trotz Krise, der Chef investiert in den weltweiten Vertrieb. Poggenpohl verkauft drei Viertel seiner Küchen ins Ausland, produziert aber nur in Deutschland. Damit sich das weiterhin lohnt, muss das Werk in Herford ständig produktiver werden. Seit zwei Jahren optimiert Duffner die Herstellung der Luxusküchen nach dem japanischen Kaizen-Prinzip - dafür braucht er die Unterstützung der Mitarbeiter. Wir begleiten Poggenpohl-Chef Duffner durch die Welt der Küchen, sind dabei, wenn er für seine Töchter kocht und seinem Fußballverein im Stadion die Daumen drückt. Ein Porträt von Marion Hütter.
Michael Vassiliadis - "Stairway to Heaven"
Läuft geradeNeue FolgeMichael Vassiliadis dürfte der erste Gewerkschaftschef Deutschlands sein, der in einer Rockband Gitarre spielt und Led Zeppelins "Stairway to Heaven" beherrscht. Am 11. Oktober wird ihn die IGBCE, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, zu ihrem neuen Vorsitzenden wählen. Als Gewerkschaftschef muss er die Interessen von 700.000 Arbeitnehmern vertreten.Eigentlich ist der 42-jährige Chemielaborant. Als Gewerkschafts-Mann ist er bereits jetzt Aufsichtsratsmitglied bei den Chemiekonzernen BASF und Henkel sowie beim Bergbauunternehmen K+S. Welche Töne wird der Rockmusiker in der Industrie und Politik anstimmen? Welche Rolle spielt er bei der Überwindung der Krise? MIG-Reporter Carsten Tripolsky begleitet Vassiliadis durch Berlin.
Kommt der Aufschwung? - Auf Spurensuche in Bremen
Läuft geradeNeue FolgeSeit drei Monaten nehmen die deutschen Exporte wieder leicht zu, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Die Belebung auf den Weltmärkten, insbesondere in Asien, stimmt die Logistikbranche vorsichtig optimistisch. Bremen ist ein traditionell wichtiger Handelsstandort. Mehr als 60.000 Menschen sind hier in der Logistikbranche tätig.Auf der Suche nach dem Aufschwung hat sich unser Reporter Joachim Eggers in der Hansestadt umgeschaut. Zum Beispiel bei der Firma Lexzau, die Chemieprodukte transportiert, also in einer Branche arbeitet, in der die Ausfuhren ansteigen. Oder beim Mittelständler Röhlig, der neue Handelsbüros in Asien eröffnet und dort seit Kurzem unter der Marke "Blue Tiger" auftritt. Das Unternehmen ist über 150 Jahre alt und hat schon mehrere Wirtschaftskrisen überstanden. Zur Zeit steht es besser da als viele Konkurrenten in Deutschland, die für das Gesamtjahr mit einem Minus von rund 20 Prozent rechnen müssen.
Unser Studiogast der Woche: Dirk Müller
Läuft geradeNeue FolgeDirk Müller ist Börsenmakler an der Frankfurter Börse. Er hat schon viele turbulente Handelstage erlebt, manche nennen ihn "Mr. Dax", da er als der meist fotografierte Börsenmakler gilt. Er wurde wie kein anderer zum Gesicht der Börse, zeigt seine Gefühle wie Euphorie und Angst. Müller hat auch ein Buch geschrieben. "Crashkurs" heißt es und handelt von der Weltwirtschaftskrise. DWTV: Bei uns im Studio ist jetzt ein Mann, der aktuell einen "Wirtschaftskrimi", möchte man fast sagen, verfasst hat: Dirk Müller ist eigentlich Börsenmakler an der Frankfurter Börse – jetzt Autor. Herzlich Willkommen, Herr Müller. Was ist denn besser: Autor oder Börsenmakler? Dirk Müller: Sowohl, als auch. Beides hat seine Vorteile, aber offen gestanden: Mir macht das mit dem Buch im Moment eine Menge Spaß. Ich habe 16 Jahre lang Zahlen von rechts nach links geschoben und jetzt so ein bisschen Dolmetscher zu machen, zwischen der Finanzwelt - was da hinter den Kulissen passiert – und den Menschen draußen, das ein bisschen zu übersetzen macht schon sehr viel Spaß und das Feedback ist ausgezeichnet. DWTV: Das Buch heißt "Crashkurs", wir können es ja kurz zeigen, was genau steht denn drin, wenn sie sich als Dolmetscher bezeichnen? Dirk Müller: Es ist einerseits tatsächlich der "Crashkurs", auf dem sich unser Finanz- und Wirtschaftssystem zur Zeit befindet, was seit langem absehbar war, das ist im System angelegt. Zum anderen ist es ein "Cashkurs", in dem Menschen mal erklärt, was da alles zusammen hängt: Zwischen dem Geld, wo das her kommt, wo die Probleme sind, was politisch hinten dran passiert, welche Intrigen da gespielt werden, wie wir alle über den Tisch gezogen werden mit den Wirtschaftsdaten wie den Arbeitslosenzahlen oder der Inflationsrate. Und das ganze noch mit Augenzwinkern, mit ein bisschen Humor, so dass jeder Spaß dran hat. Man darf über Geld auch mal lachen und von daher soll es auch ein bisschen unterhaltsam sein. DWTV: Wir haben ja gesagt, Herr Müller, sie sind Börsenmakler an der Frankfurter Börse. Wir wollen den Zuschauern gerne mal zeigen, wo sie arbeiten. Seit 1992 sind sie an der Frankfurter Börse, man nennt sie auch "Mr. Dax" – freiwillig oder nicht – oft, wenn es um die Börsenberichterstattung in der Krise ging, ist dann ihr Gesicht in den Medien aufgetaucht. Sie bestimmen ja auch, was verkauft wird und was nicht, also wenn es um Derivate oder was auch immer geht. So gehören sie schlussendlich auch zu denjenigen, die die Krise mit verursacht haben. Warum sollte sich der Leser jetzt ausgerechnet von ihnen belehren lassen? Dirk Müller: Da muss ich ein ganz großes Veto einlegen: Ich bestimme keineswegs, was gekauft wird. Der Makler an der Börse ist der neutrale Intermediär: Der Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern. Ich treffe keine Entscheidung, ich empfehle nichts, ich bin ganz neutral. Da kommen zwei, der eine möchte kaufen, der andere möchte verkaufen. Die Zwei bringe ich zu möglichst fairem Kurs zusammen. Und das mit ganz traditionellen Aktien. Nicht mit Derivaten, nicht mit Zertifikaten, sondern mit dem ganz traditionellen und ehrenvollen Aktiengeschäft: Es beteiligt sich jemand mit Geld an einer tollen Idee, schafft Arbeitsplätze. Das ist die beste Form der Investition. DWTV: Wenn sie jetzt die hehre Ausnahme sind, wer sind dann die Anderen, die das Ganze verursacht haben da an der Börse? Die Spekulanten? Dirk Müller: Wir sind alle Teil des Systems. Wir sind alle Teil dieses Wirtschaftssystems. Der Verbraucher, der Börsenmakler, der Banker, es sind alle Teil des Systems. Dieses System hat sehr viele Fehler. Es ist ein gutes System an sich aber mit sehr vielen Stellschrauben, die verändert werden müssen, um das System zu optimieren. Und da müssen wir mächtig Gas geben. Da ist in den letzten Jahren so viel Verrücktes, so viel in die falsche Richtung gelaufen. Ich befürchte, dass wir da sehr große Anstrengungen machen müssen, um dieses System wieder zu einem zu machen, was für alle Menschen von Vorteil ist und nicht nur für wenige, die am Ende noch das ganze System in den Abgrund ziehen. DWTV: Das heißt, wir sind noch lange nicht am Ende angekommen, wenn ich sie richtig verstehe? Dirk Müller: Absolut nicht. Die Krise ist noch mitten am Laufen, auch wenn im Moment gerade keine Beben zu verspüren sind. Die Probleme sind alle noch da, der "Giftmüll" ist noch da, die Verschuldung ist noch da und die Systeme sind auch noch nicht umgebaut worden. DWTV: Was machen wir denn mit dem Giftmüll und mit der Verschuldung? Dirk Müller: Gute Frage. Uns wird über Kurz oder Lang nichts anderes übrig bleiben, als diese Schulden irgendwann zu streichen. Über was wir gerne diskutieren können ist der Zeitraum: passiert das in den nächsten 24 Monaten oder in den nächsten 10 Jahren? Aber irgendwann werden wir um diese Streichung der Staatsschulden nicht herum kommen. Darüber sind sich eigentlich hinter en Kulissen die meisten einig. DWTV: Streichung heißt Weltwährung, oder was auch immer in der Art? Dirk Müller: Das würde auch bedeuten, dass unter Umständen ein neues Währungssystem damit einher ginge. Also eine weltweite Währung unter Umständen, vielleicht gegründet auf einem Korb von Rohstoffen, damit eine vernünftige Deckung dieser Währung da ist. Das Geld, womit wir im Moment bezahlen, da steht absolut nichts dahinter, außer pures Gottvertrauen. DWTV: Vielen Dank, Dirk Müller, dass sie bei uns waren.
Unser Studiogast in dieser Woche: Rupali Steinmeyer.
Läuft geradeNeue FolgeSteinmeyer ist Werbestrategin der Brandingagentur MetaDesign Berlin und eine Expertin für die Werbebranche.DWTV: Zu diesem Thema haben wir jetzt eine Expertin im Studio: Rupali Steinmeyer, gebürtige Inderin, aufgewachsen in den USA, herzlich Willkommen. Sie sind Managing Director bei MetaDesign, einer strategischen Marketing- Führungsagentur, Frau Steinmeyer, sie haben selber zwei Kinder – konsumieren die denn auch? Rupali Steinmeyer: Absolut. Die sind auch wach und aufmerksam und lieben alles, was sie denn z. B. im Fernsehen sehen oder auch was sie lesen oder auch aus dem Internet kriegen. DWTV: Was macht man denn da? Kürzt man dann das Budget und sagt: So nicht? Rupali Steinmeyer: Nein, ich denke nicht. Ich glaube, es wäre viel besser, wenn man mit den Informationen aktiver umgeht und aufklärt, ob das überhaupt Sinn macht, so ein Produkt zu kaufen, oder nicht. DWTV: Jetzt haben wir mal geguckt, wohin denn das Geld der 6- 19jährigen eigentlich geht, also wir haben die größten Posten aufgelistet. Bekleidung z.B. liegt ganz weit vorn mit 3,43 Mrd. Euro pro Jahr, gefolgt von den Handy- Telefonaten mit 2,28 Mrd. und Fast Food immerhin noch mit 1,28 Mrd. Euro pro Jahr. Frau Steinmeyer, hat man da manchmal ein schlechtes Gewissen als Werbeagentur? Rupali Steinmeyer: Nein - also wir sind keine Werbeagentur- als klassische Markenagentur versuchen wir immer die richtige Information rüberzubringen und ein Vertrauen zu schaffen in Produkte. Ich bin ja nicht überrascht, dass Handys, Kleidung und Fast Food immer so im Fokus stehen: das sind immer die Themen, die die Kinder auch zu Hause diskutieren. DWTV: Aber warum muss man die denn in dem Alter schon so gezielt bewerben? Rupali Steinmeyer: Damit sie später auch die Produkte kaufen. Also man fängt schon früh an und solche Marken begleiten uns dann durch unser Leben. DWTV: Also gezieltes wirtschaftliches Interesse, ganz klar. Ihre Agentur ist eine klassische Markenagentur, haben sie gesagt. Merken sie denn die Krise auch im Geschäft im Moment? Rupali Steinmeyer: Absolut. Wir haben auch gesehen, die Kommunikationsbudgets sind gesunken – auch bei unseren Kunden. Wir sehen das z.B. extrem im Automobilbereich oder auch im Bankenbereich. Auf der anderen Seite im Vergleich sind die Kommunikationsbudgets im Bereich Versicherung gestiegen. DWTV: Aber die Banken hätten es doch nötig, so schlecht, wie der Ruf ist. Was müssen die denn jetzt machen? Rupali Steinmeyer: Die müssen ganz schnell Vertrauen schaffen und auch direkt mit Konsumenten reden, damit sie erfolgreich sind. DWTV: Was heißt mit den Konsumenten reden? Wo müssten die sich denn positionieren? Rupali Steinmeyer: Ich glaube, die müssen intern und extern viel mehr kommunizieren und auch ganz klar die Geschichte erzählen, warum überhaupt Geschäfte mit Banken nötig sind. DWTV: Vielen Dank, Rupali Steinmeyer von der Agentur MetaDesign. Interview: Anja Heide
Voll im Trend - Wirtschaftsbücher gefragt wie nie
Läuft geradeNeue FolgeFrüher wurden sie nur von angehenden Volkswirten gelesen, heute greifen auch ganz normale Leser zu. Seit der Wirtschaftskrise boomen Wirtschaftsbücher, besonders wenn im Titel Schlagworte wie "Crash" oder "Finanzkrise" vorkommen. Besonders beliebt sind Bücher über die Abläufe und Strategien in der Wirtschaft.Ob verlorenes Vertrauen oder geweckte Neugier – die Motivationen, die den Anstieg der Nachfrage verursachen, sind vielfältig. Davon profitieren die Verlage und der Buchhandel. Unsere Reporterin Marion Hütter hat sich auf die Suche nach den neuesten Trends bei Wirtschaftsbüchern gemacht. Unter anderem besucht sie die norddeutsche Großdruckerei Clausen & Bosse, die für den internationalen Markt produziert. Sie ist auch bei der Verleihung des Deutsches Wirtschaftsbuchpreises dabei, einer Veranstaltung im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse. Die ist mit mehr als 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern die größte Buchmesse der Welt.
Eine Stadt im Wandel - Leipzig hebt ab
Läuft geradeNeue FolgeLeipzig war schon zu DDR-Zeiten ein wichtiger Industrie- und Messestandort. Und: es war die Stadt der Montagsdemonstrationen, die maßgeblich zum Fall der Mauer beitrugen. Heute ist Leipzig ein Drehkreuz für Waren und Kunst aus aller Welt. Der Logistikkonzern DHL hat hier Europas größten Umschlagplatz für Luftfracht aufgebaut.Aber auch Künstler fühlen sich wohl in Leipzig: Unsere Reporterin Dagmar Zindel besucht eine Gruppe von Künstlern, die in einer ehemaligen Baumwollspinnerei arbeiten. Anders als in vielen anderen ostdeutschen Städten ist die wirtschaftliche Situation in Leipzig vergleichsweise gut. Die Bevölkerung der sächsischen Metropole wächst, inzwischen leben hier wieder mehr als eine halbe Million Menschen. Die Arbeitslosigkeit aber ist immer noch hoch. Im September 2009 lag sie bei rund 15 Prozent.
Made in Germany | Grünes Gold – Deutscher Hopfen für Bier weltweit
Läuft geradeNeue FolgeDer Hopfenanbau ist ein globales Geschäft. Die Bauern fahren jetzt ihre Ernte ein, auch in der Hallertau, der deutschen Hopfenhochburg. In der Hallertau wird ein Drittel der Welthopfenernte hergestellt. Auch wenn der Bierkonsum hierzulande weiter sinkt, die deutschen Hopfenbauern trifft das wenig, sie verkaufen vor allem in die USA, nach China und Osteuropa.Die Bierbrauer brauchen Hopfen, weil er dem Bier das Aroma gibt. Die Preise für Hopfen haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt – wegen der starken Nachfrage und schlechter Ernten. Wie es dieses Jahr wird zeigt sich bis Anfang September. Das Wetter in den letzten Tagen vor Beginn der Ernte ist entscheidend für die Qualität und die Menge. Die Hopfenbauern in der Hallertau sind optimistisch. Eine Reportage von Daniela Meyer.
Made in Germany | Exportschlager Kuh: die Rasse bringt Masse
Läuft geradeNeue FolgeSchwarzbunte Kühe sind echte Exportschlager. Mehr als 28.000 Exemplare aus dem Weser-Ems-Gebiet wurden im letzten Jahr ins Ausland verkauft. Das Besondere: Es sind sogenannte „Turbo- Kühe“. Denn sie geben täglich bis zu 30 Liter Milch. Das ist das stärkste Verkaufsargument für diese Rassekühe. Auf speziellen Auktionen werden die Tiere an den Meistbietenden versteigert.Henning Syrbe steigert mit - allerdings für einen Kunden aus Ungarn. Syrbe soll 40 "Schwarzbunte" erwerben. Jede Kuh kann bis zu 3.000 Euro kosten. Ist das Geschäft abgewickelt, transportiert er die Tiere zum neuen Besitzer nach Ungarn: 2000 Kilometer quer durch Europa. Auch Kuh Lilly wird dorthin verkauft. Unser Reporter Karl Harenbrock hat sie begleitet.
Made in Germany | Aus unserer Serie "Familienunternehmen" – Garpa
Läuft geradeNeue FolgeSie stehen sogar in Königshäusern und Botschaften - die Klassiker von Garpa, dem Marktführer bei gehobenen Gartenmöbeln. Das Hamburger Familienunternehmen hat die Tochter vom Vater übernommen. Der hatte aus seiner Gartenleidenschaft eine Geschäftsidee und dann ein Unternehmen gemacht - mit mittlerweile 80 Mitarbeitern in Deutschland und einen Jahresumsatz von rund 35 Millionen Euro.Und jetzt in der Krise? Gartenmöbelhersteller profitieren, denn Heim und Hof steigen im Wert. Wenn schon keine weite Reise, dann zumindest eine schöne Sitzecke im Grünen für die Ferienstimmung zu Hause. Doch Gartenmöbel gibt es schließlich auch im Discounter, für einen Bruchteil des Preises. Und aufs Geld müssen in der Krise (fast) alle schauen. Garpa versucht gegenzuhalten - mit Qualität und aufwendigem Design. Dagmar Zindel hat sich bei dem Familienunternehmen umgeschaut.
Made in Germany | Studiogast Gerhard Bosch, Arbeitsmarktexperte
Läuft geradeNeue FolgeGerhard Bosch ist Professor für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Arbeit und Qualifikation. Mit MADE IN GERMANY spricht er über die wirtschaftliche Situation der Maschinenbaubranche
Made in Germany | Lamborghini-Chef: Der Manager mit dem Luxus-Problem
Läuft geradeNeue FolgeJahrelang schnitt Lamborghini gegenüber Ferrari schlecht ab. Das Unternehmen blieb hinter seinen Möglichkeiten zurück. Dann kam Stephan Winkelmann. Die Bosse von Audi, zu denen Lamborghini gehört, haben ihn zur Firmen-Zentrale nach Italien geschickt. Dort kämpfte der Deutsche anfangs gegen viele Hindernisse, brachte dann aber Lamborghini wieder in Fahrt: auf Erfolgskurs.Nun aber wurde Winkelmann ausgebremst. Denn die Absatzkrise trifft auch seine Nobelautos. In Amerika ging das Geschäft um 30% zurück. Das Einstiegsmodell kostet rund 170.000 Euro, mit 560 PS Leistung. Gerade spritsparend sind die Edelkarossen nicht. Christoph Kober hat Stephan Winkelmann auf einer Spritztour begleitet. Eine Reportage über einen Manager, der Luxuswagen verkaufen muss, wenn Pragmatismus gefragt ist.
Made in Germany | Skype – Ein Frontalangriff auf das Geschäft der großen Mobilfunkkonzerne
Läuft geradeNeue FolgeUmsonst übers Internet telefonieren und das sogar mit Videofunktion: Das geht bislang schon vom PC zuhause und das soll nun auch von Handy zu Handy funktionieren. Die meisten Internet-Telefonierer nutzen schon jetzt die Dienste von "Skype", geschätzte 480 Millionen Menschen weltweit haben die Skype-Software auf ihrem Rechner.Mit Internetzugang könnten Skype-User kostenlos miteinander per Handy telefonieren, wenn die Mobilfunkbetreiber das nicht blockieren würden. Auf einigen Geräten wie dem Iphone und neuen Nokia-Modellen funktioniert das "Skypen" bereits. Vodafone oder T-Mobile reagieren gereizt, sie sorgen sich um ihre ohnehin gesunkenen Gebühren-Einnahmen. Unser Reporter Michael Altenhenne besuchte in der estnischen Hauptstadt, in Tallinn das Entwicklungszentrum von Skype.
Made in Germany | Familienunternehmen Bree: Tradition in Taschenform
Läuft geradeNeue FolgeIn die Fußstapfen des Vaters zu treten, ist nicht immer einfach. Axel und Phillip Bree wollten es deshalb erst gar nicht versuchen. Als ihr Vater, Alles-Könner und Firmengründer, unerwartet starb, entschieden sie, künftig eigene Wege zu gehen. Auch, um zu überleben. Die Marke Bree war bisher bekannt für naturfarbene Ledertaschen. Nun haben die Söhne ordentlich aufgeräumt.Sie haben den Namen „Bree“ befreit vom angestaubten Image und setzten vor allem auf eine Modernisierung der Produktion und des Vertriebs, gegen alle Widerstände. Sie produzieren heute global: in Thüringen, Südeuropa, vor allem aber in Asien. Die neue Stoßrichtung des Hauses: Konzentration aufs Kerngeschäft, Markenpflege, immer neue Kreationen und weltweiter Vertrieb. Die Tasche hat ihre tragende Rolle im Unternehmen behalten. Dagmar Zindel hat die Bree-Erben besucht und ließ sich deren neue Wege näher erklären.
Anzeige
sevenload 2005-2009
Partner: t-online.de | focus.de | playboy.de | mp3.de | chip.de | blog.de | tvspielfilm.de | cinema.de | itravel.de
WebTV, Kanäle und Sendungen, Videos und Clips, Fotos und Bilder, Filmtrailer, kostenlose, lustige Videos und Spots.