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Unser Studiogast in dieser Woche: Gerhard Bosch
Läuft geradeNeue FolgeBosch ist Arbeitsmarktexperte. Mit ihm wagen wir einen Ausblick auf den Arbeitsmarkt 2010.DW-TV: 4,7 Prozent Arbeitslosenquote, davon träumt die ganze Republik, aber wir liegen derzeit bei 7,8. Und wie sich diese entwickelt, dass fragen wir Gerhard Bosch, unseren Arbeitsmarktexperten von der Universität Duisburg/Essen. Herzlich Willkommen. Herr Bosch, 7,8 Prozent aktuell. Was glauben Sie, wo sind wir Ende des Jahres? Gerhard Bosch: Die Prognosen lagen für 2009 alle falsch. Es wurde jetzt schon vorausgesagt, dass wir 4 Millionen Arbeitslose im Dezember haben. Stattdessen liegen wir 700.000 darunter. Deshalb glaube ich auch, dass es nicht zu einer riesigen Entlassungswelle kommt. In 2010 werden wir vielleicht bei 3,5 Millionen Arbeitslosen liegen. Viel hängt aber auch von der Politik ab, nämlich ob es eine Anschlussregelung der Kurzarbeit gibt. Mit der konnten die Unternehmen bisher Entlassungen vermeiden. DW-TV: Wie gut das Modell Kurzarbeit funktioniert, dass können wir uns auch mal in einer Grafik anschauen. Die Arbeitslosenzahlen von Juni 2008 bis Dezember 2009 haben wir anschaulich dargestellt: Damals waren es knapp 3,2 Millionen, dazwischen im März 2009 waren es 3,6 Millionen, jetzt liegen wir bei einem Wert von knapp 3,3 Millionen. Das erstaunlichste ist wohl die Tatsache, dass wir in Deutschland es mitten in der Krise geschafft haben, diese Arbeitsmarktzahlen stabil zu halten. Wie ist das passiert? Gerhard Bosch: Man kann schon von einem kleinen Arbeitsmarktwunder in Deutschland sprechen. Die ausländischen Experten rätseln auch, was eigentlich bei uns passiert ist. In Spanien, in Großbritannien, in den USA haben sich seit der Finanzkrise die Arbeitslosenzahlen verdoppelt. In Deutschland hat sich wenig getan. Das liegt zum Einen an der staatlichen Intervention, also finanzsubventionierter Kurzarbeit. Dann gibt es die Arbeitszeitverkürzung innerhalb der Unternehmen, die nicht subventioniert werden, z.B. Abbau von Überstunden, Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Und dann ist die Produktivität auch zurückgegangen, d.h., die Unternehmen akzeptieren, dass ihre Beschäftigten weniger produktiv sind, weil sie nicht so ausgelastet sind. Und sie wollen ihre Fachkräfte halten, sie brauchen diese Fachkräfte. DW-TV: Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Im November läuft die Kurzarbeit aus. Was dann? Gerhard Bosch: Das ist die große Frage. Die Kurzarbeit wird für manche Unternehmen auch zu teuer. Manche denken jetzt schon über eine Entlassung von Beschäftigten nach. Die Sozialpartner, also die Gewerkschaften, die Arbeitgeber, verhandeln über eine Nachfolgeregelung. Das wäre eine Verkürzung der Arbeitszeit, teilweise ohne Lohnausgleich. Sie hoffen, dass der Staat einen Teil des Lohnausgleiches übernimmt, also eine Art neue Kurzarbeiterregelung. DW-TV: Also, wieder Geld vom Staat. Glauben Sie, dass es anders nicht funktioniert? Gerhard Bosch: Nein, anders wird es in großem Maßstab nicht funktionieren. Diese Unterstützung braucht man. Und es ist für den Staat billiger als Arbeitslosengeld zu zahlen. DW-TV: Vielen Dank, Gerhard Bosch, unser Arbeitsmarktexperte von der Universität Duisburg/Essen. (Interview: A. Heyde)
Läuft geradeNeue FolgeWie erreichen wir die Besten der Besten? Diese Frage zwingt Unternehmen zu außergewöhnlichen Konzepten. Neuester Clou: Eine Jobmesse im Schnee. Studenten von 20 Hochschulen wurden zur „Studenten on Snow – Connect 2009“ ins österreichische Pitztal auf die Skipiste gelockt. Dort umwerben Unternehmen ihre Fachkräfte von morgen.Susanne Schweidtmann, die Personalchefin des international tätigen IT-Dienstleisters Syskoplan AG, hat es nicht leicht. Sie muss aktuell 50 offene Stellen besetzen – doch große Unternehmen wie Daimler oder Siemens ziehen allein durch ihren Namen die besten Hochschulabsolventen magisch an. Nun sucht die Personalchefin mögliche Kandidaten auf der Skipiste. Auch andere Unternehmen sind vor Ort, zum Beispiel der Ingenieurdienstleister Ferchau, aber auch die Bundesagentur für Arbeit und Baden-Württemberg International. Carmen Meyer.
Firma Kago – der Traum vom Kaminofen
Läuft geradeNeue FolgeDer eigene Kaminofen liegt voll im Trend. 500.000 Kamine und Öfen werden allein in Deutschland jährlich verkauft. Die Firma Kago ist der zweitgrößte Hersteller und einer der wenigen, der ausschließlich in Deutschland produziert. Pierre Kago hat vor zwei Jahren die Leitung des Familienunternehmens bei Nürnberg übernommen.Der Kaminproduzent setzt auf direkten Kundenvertrieb und individuell gefertigte Öfen. Die preiswertesten Modelle kosten 750 Euro, doch die meisten Kunden geben 4000 Euro und mehr aus. Sie wollen eigens für sie produzierte Öfen mit angepassten Abmessungen. Diese werden manuell bei Kago hergestellt. Der Trend zum Kaminofen hat gute Gründe: Er sorgt für behagliche Wärme und bildet das Zentrum für das gemütliche Zusammensein. Er steht aber auch für Unabhängigkeit und hilft, in Zeiten steigender Energiepreise Kosten zu sparen. Christian Pricelius.
Hohenlohe – Heimat der Weltmarktführer
Läuft geradeNeue FolgeDer Landkreis Hohenlohe in Baden-Württemberg ist die wirtschaftlich erfolgreichste Region Deutschlands. Zwar geht die Wirtschaftskrise auch an den Firmen aus Hohenlohe nicht vorbei, dennoch gilt: nirgendwo sonst gibt es so viele Weltmarktführer.Wichtige Gründe für den Erfolg sind die Treue und das Engagement der Mitarbeiter. Sie arbeiten oft ihr ganzes Leben für die gleiche Firma, so bleibt das Know- How erhalten. Ein Beispiel für einen Weltmarktführer aus der Region Hohenlohe ist die Firma Scheuerle. Sie hat sich auf Schwerlast-Transporter spezialisiert – Fahrzeuge, die Lasten von mehreren tausend Tonnen Gewicht transportieren. Oder die Firma Gemü. Sie ist, wie viele Unternehmen der Region, mit einem Nischenprodukt zum Weltmeister geworden: mit Spezial-Ventilen für die Arzneimittelproduktion. Unser Reporter Philip Bilsky hat sich im Landkreis der Weltmarktführer umgesehen.
Möbel und mehr – das Familienunternehmen Flötotto
Läuft geradeNeue FolgeErfolgreicher Neustart für ein Familienunternehmen. Wie das geht, zeigt Frederik Flötotto. Seit über 100 Jahren fertigt seine Familie Möbel. Doch vor wenigen Jahren ging das Traditionsunternehmen gleich zweimal pleite. Nun versucht die vierte Generation mit Frederik Flötotto den Neuanfang.Der studierte Betriebswirt konzentriert sich auf die Klassiker der Marke Flötotto, das sind vor allem Designer-Regale. Im Gegensatz zu seinen Vorfahren setzt er aber nicht nur auf ein Standbein. Flötotto vertreibt mehrere Marken, alle werden gestaltet von Topdesignern. Ein weltweiter Verkaufsschlager ist der sogenannte „Lumibär“, eine Tischlampe in Form eines Gummibären. Frederik Flötotto kann sich auf einem hart umkämpften Markt gut behaupten, indem er Tradition erfolgreich wieder belebt. Miltiades Arsenopoulos.
Windräder statt Schiffe – Hoffnung in Emden?
Läuft geradeNeue FolgeDie Emder Nordseewerke stehen an einem Wendepunkt. ThyssenKrupp hat die Werke verkauft. Die Folge: Hier in Emden werden künftig keine Schiffe mehr vom Stapel laufen. Stattdessen sollen Teile von Off- Shore- Windrädern produziert werden. Das macht Hoffnung: Viele der Werftmitarbeiter werden bleiben können – doch wahrscheinlich nicht alle. 2010 wird entscheidend für die Stadt an der Nordseeküste.Die Frisia Cottbus, ein 228 Meter langes Containerschiff, läuft vom Stapel. Sie ist das letzte Handelsschiff aus Emden. Denn Emden soll künftig ein High-Tech-Standort werden: Türme für Windkraftanlagen und Unterwasserfundamente sollen ab 2010 in den Werfthallen gebaut werden. Unser Reporter Wolfgang Bernert war vor Ort. Er trifft Werftarbeiter, die vor einer unsicheren Zukunft stehen. Auch viele Zuliefererbetriebe wird das Ende des Schiffsbaus treffen, zum Beispiel den Navigationsspezialisten Navicom. Eine Windanlage braucht keine Navigation. Wie wird es weitergehen? Können die Werftmitarbeiter einfach auf ein neues Produkt umgeschult werden?
Unser Studiogast: Norbert Walter
Läuft geradeNeue FolgeDer Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, ist ein Freund klarer Worte. Mit ihm blicken wir auf die Konjunkturerwartungen für 2010.DW-TV: Norbert Walter ist Chefvolkswirt der Deutschen Bank und das seit beinahe zwanzig Jahren. Herzlich Willkommen hier im Studio. Herr Walter, gibt es sie nun – die Kreditklemme – oder nicht? Norbert Walter: Es gibt sie noch nicht. Es könnte aber sein, dass, wenn noch ein paar Kredite ausfallen – was vermutlich im Jahre 2010 passieren wird – die Sorge der Banken wächst. Das kann zur Folge haben, dass sie auch in Fällen, wo die geschäftliche Grundlage gut ist, möglicherweise zögerlich sein werden, Kredite herauszugeben. Im Moment ist es eher nachfragebedingt, dass die Kreditzunahme nicht mehr da ist. DW-TV: Nun ist der Leitzins historisch niedrig, der Zins, zu dem sich die Banken bei der EZB Geld leihen können. Er liegt bei einem Prozent. Wie könnte man die Banken dazu bewegen, diese günstigen Konditionen auch an die Kunden weiterzugeben? Norbert Walter: Sie geben überall dort Hypotheken und Zinsen weiter – die übrigens derzeit bei vier Prozent liegen, das gab es noch nie! -, wo die Sicherheiten groß genug sind. Die niedrigen Zinsen sind eine günstige Finanzierung für Immobilien, aber dort gibt es eben Sicherheiten, dort ist Kreditvergabe möglich. Bei Krediten an Unternehmern, deren Geschäftsmodell unklar ist, gibt es einen Risikoaufschlag. Man muss mehr zahlen. Wenn das die Banken nicht tun würden, gingen sie leichtfertig mit Einlagen um. DW-TV: Also rechnet man mit einer Kreditklemme und das zu Recht? Norbert Walter: In Zukunft ja. DW-TV: Ein Freund der klaren Worte sind sie, als solchen kennen wir sie: Sie waren einer der ersten, die vor einem Jahr den drastischen Einbruch der deutschen Wirtschaft vorhergesagt haben. Ein Einbruch, der dann auch tatsächlich kam – 2009 ist das Bruttoinlandsprodukt nach zehn Jahren, in denen es kontinuierlich aufwärts ging, deutlich zurückgegangen. Nun die entscheidende Frage: Wie wird 2010? Norbert Walter: Ich gehe konform mit vielen anderen und sage: Es wird im nächsten Jahr keinen weiteren Rückgang des Sozialprodukts geben, sondern ein kleines Wachstum. Ein bis zwei Prozent ist meine Schätzung für Deutschland und wohl auch für Europa. DW-TV: Und wie stabil ist dieser kleine Aufschwung? Norbert Walter: Er ist wackelig, denn er ist nach wie vor unter Drogen zustande gebracht: durch niedrige Zinsen und durch eine kräftige finanzpolitische Stimulierung, die auch 2010 noch wirkt. 2011 gibt es das nicht mehr und dann müssen wir mal sehen, ob der Aufschwung trägt. DW-TV: Was ist die größte Gefahr für die Zukunft? Norbert Walter: Mutlosigkeit. Der Mangel an Bereitschaft, sich auf neue Situationen einzustellen, Chancen auch weiterhin am Horizont zu identifizieren und für Deutsche, den internationalen Markt zu entdecken. Das wäre, was uns retten könnte. DW-TV: Es gibt also einiges zu tun, beherzt ins Jahr 2010 zu gehen. Auch für Sie, Norbert Walter: Fast zwanzig Jahre waren sie Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank. Das geht nun zum Jahreswechsel zu Ende: Was war das bemerkenswerteste Erlebnis, das Sie hatten in dieser Zeit? Norbert Walter: Das war die deutsche Einigung. Das hat mich und meine Kollegen am meisten aufgeregt und am meisten bewegt. Es war das schönste Erlebnis: die Gestaltungsmöglichkeiten im Zuge der deutschen Einigung. DW-TV: Was werden Sie vermissen? Norbert Walter: Ich werde vermissen, dass ich mit achtzig Kollegen arbeiten und dadurch einen richtig großen Hebel bedienen konnte. Ich arbeite jetzt an einem kleinen Hebel mit meinen beiden Töchtern, das wird zwar spannend aber nicht gleich wirkungsvoll. DW-TV: Dann wünschen wir Ihnen viel Glück, viel Erfolg dabei und alles Gute. Vielen Dank, dass Sie da waren. Erstmal vielen Dank, Norbert Walter. , bis hierher, wir sprechen uns gleich noch einmal.
„Flockenkönig“ und DIHK-Präsident: Hans Heinrich D
Läuft geradeNeue FolgeAls größter Produzent von Frühstückszutaten in Deutschland ist Lobbyarbeit für Driftmann nichts Neues. Hans Heinrich Driftmann ist Chef des Müsli-Herstellers Kölln und seit März 2009 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Damit blieb der Verband seiner Tradition treu, einen Familienunternehmer an die Spitze zu wählen.Seit Jahren engagiert er sich in Unternehmensverbänden in Norddeutschland. Viele sagen, er besitze die Fähigkeit, diplomatisch zu sein. Das wird ihm sicherlich bei schwierigen Verhandlungen helfen. Denn der DIHK ist die Interessensvertretung der gesamten gewerblichen deutschen Wirtschaft. Und eines liegt Driftmann besonders am Herzen: das Thema Bildung. Unsere Reporterinnen Ute Schneider und Carmen Meyer haben ihn in Berlin begleitet.
Das Geschäft mit Baum und Borke: Holz als nachwach
Läuft geradeNeue FolgeSeit Öl als Rohstoff knapper wird, ist das Interesse an Holz neu entfacht – vor allem als Brennstoff, aber auch als Baumaterial. Davon profitiert die deutsche Forstwirtschaft: Holz ist ihr nachwachsendes Kapital. Deutschland ist das holzreichste Land Europas – und will es bleiben.Trotz des enormen Rohstoffhungers der Industrienation wurden die deutschen Wälder bereits in den vergangenen Jahrhunderten nicht einfach abgeholzt, sondern sorgsam gepflegt. Das Prinzip der nachhaltigen Nutzung wurde erstmals 1560 in der Kursächsischen Forstordnung schriftlich festgehalten. Die deutsche Forstwirtschaft gilt als die Wiege aller ökonomischen Nachhaltigkeitskonzepte. Unsere Reporterin Sonja Schock macht sich auf den Weg in den Wald. Sie will wissen, was sich Forstwirte und Unternehmer einfallen lassen, um dem Ansturm auf das begehrte Holz begegnen.
Deutschland in der Kreditklemme
Läuft geradeNeue FolgeFirmen und Verbraucher haben es immer schwerer, an Geld zu kommen. Der neue Fernseher auf Kredit, die Vorfinanzierung eines großen Auftrages oder die Gründung einer Firma - all das gleicht inzwischen einem Spießrutenlauf. Denn die Banken wollen Geld nur noch gegen hohe Sicherheiten verleihen, anscheinend keinerlei Risiko mehr eingehen.Das bringt Unternehmen, Gründer und Verbraucher immer öfter in Schwierigkeiten und bremst die Konjunktur. Unser Reporter Dan Hirschfeld ist der sogenannten Kreditklemme auf der Spur. Er ist unterwegs im Einzelhandel, in einem großen Kaufhaus. Von den Kunden will er wissen, ob Warenkredite heute noch genau so leicht zu bekommen sind, wie noch vor Jahresfrist. Nächster Besuch: eine Unternehmensgründerin. Sie will investieren, bekommt aber kein Geld von der Bank - trotz vorhandener Sicherheiten. Die Banken sind vorsichtig. Würgt das den gerade beginnenden Aufschwung wieder ab? Experten des Unternehmens Creditreform erklären, welche Auswirkungen diese Situation im neuen Jahr auf die gerade wieder anziehende Konjunktur haben könnte.
Läuft geradeNeue FolgeDie Unternehmensberaterin hat sich auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spezialisiert. DW-TV: Sonja Matthiesen ist im Studio, sie ist Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Familie und Beruf. Herzlich Willkommen, Frau Matthiesen. Sie haben ja erzählt, sie haben selber zwei Töchter, was bringen Ihnen die denn außer besonders viel Stress, möglicherweise Einbußen beim Gehalt, weil sie so viel organisieren müssen? Sonja Matthiesen: Ich habe sehr viel Freude an meinen Kindern, auch wenn es manchmal komplex und kompliziert sein mag, den Alltag mit ihnen zu bewältigen. Es ist weit mehr, als nur ein Hindernis auf dem Weg zu einer großen Karriere, sondern Kinder gehören für mich ganz zwingend mit zu meinem Leben. Ich freue mich sehr darüber, sie zu haben. DW-TV: In Unternehmen wird das aber vielerorts nicht so gesehen, da gelten Kinder immer noch als Problem. Sonja Matthiesen: Ja, das mag in manchen Unternehmen so sein, es ist da aber ein Wandel in Sicht. Ich denke, viele Arbeitgeber und Unternehmer besinnen sich auch auf das Potenzial der Frauen am Arbeitsmarkt und machen mehr Anstrengungen, diese Frauen auch mit Familie an das Unternehmen zu binden. DW-TV: Es sind ja nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer, die Probleme haben, wenn es darum geht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Warum ist das so wichtig? Sonja Matthiesen: Das ist richtig. Die Männer sind allerdings ein eher neues Thema in diesem Reigen und beginnen gerade, ihre Bedürfnisse in den Unternehmen zu formulieren. Das stößt natürlich zunächst einmal auf viel Skepsis und Männer müssen genauso auch gemeinsam mit den Frauen und den Führungskräften Wege finden, wie sie das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie lösen können. DW-TV: Wir müssen uns nur mal die Zahlen anschauen: Es gab eine Studie zur Familienfreundlichkeit in Unternehmen, da wurden tausend Unternehmen befragt und dann verglichen. Diejenigen, die sich des Privatlebens der Mitarbeiter besonders annehmen haben schon allein beim Image einen ganz klaren Vorteil. Außerdem haben familienfreundliche Unternehmen fast ein Drittel mehr Bewerber, wenn sie wichtige Stellen besetzen müssen. Die Motivation der Mitarbeiter ist um 17 Prozent höher, die Kundenbindung ist besser, die Mitarbeiter melden sich seltener krank - um 11 Prozent sinkt der Krankenstand. Wenn man diese Zahlen sieht, fragt man sich ganz ernsthaft, warum Familienförderung immer noch so ein Problem ist. Sonja Matthiesen: Es gibt manche Branchen, denen steht sozusagen das Wasser bis zum Hals: Die suchen bereits sehr spezialisierte Fachkräfte – Ingenieure, IT- Fachkräfte zum Beispiel und auch Pflegepersonal wird knapp - und stellen sich sehr stark auf Mitarbeiter ein, die familiäre Hintergründe haben. Bei anderen mag das eventuell noch ein bisschen länger dauern, aber wir werden auch angesichts der demographischen Entwicklung zu einer Situation kommen, wo jeder Arbeitgeber sich diesem Thema widmen muss. DW-TV: Also Frauen müssen arbeiten? Sonja Matthiesen: Ja, definitiv. DW-TV: Vielen Dank Sonja Matthiesen – sie ist Unternehmensberaterin für den Bereich Beruf und Familie. (Interview: Anja Heyde)
Die Familienagentin: Gisela Erler verkauft Dienstl
Läuft geradeNeue Folge„Work-Life-Balance“, ein ausgeglichenes Leben zwischen Arbeit und Privatem, Beruf und Familie. Das verspricht das Unternehmen „Familienservice“ von Gisela Erler. Mit fast 1000 Mitarbeitern schafft sie für über 600 Firmenkunden Angebote zur Kinderbetreuung. Erler ist einer der größten Anbieter im deutschsprachigen Raum.Das Unternehmen zu gründen war Folge eigener leidvoller Erfahrungen. Gisela Erler war berufstätige Mutter. Sie hatte immer wieder Probleme, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Nach einem Mütterkongress veröffentlichte die Sozialwissenschaftlerin 1987 schließlich die Streitschrift „Mütter-Manifest“. Gemeinsam mit anderen Frauen forderte sie die ideelle Aufwertung der Familie und eine gesicherte Betreuung der Kinder. Unternehmen wurden aufmerksam. Der Autobauer BMW beauftragte Erler, die Kinderbetreuung im eigenen Hause zu organisieren. Mittlerweile betreibt die 63-Jährige Kitas in zahlreichen Unternehmen, vermittelt Tagesmütter oder Aupairs an Firmenangehörige. Und ihre Erfahrungen gibt sie weiter: als Beraterin für Kommunen, Stiftungen oder auf internationalen Konferenzen. Ute Schneider hat die Familienagentin kennengelernt.
Familienunternehmen Piko – Spielzeuglokomotiven au
Läuft geradeNeue FolgeIst erstmal eine Modelleisenbahn im Haus, sind Väter und Söhne schnell abgetaucht. Und die eigene Spielzeugeisenbahn muss nicht viel kosten. Knapp 45 Euro – und schon beginnt die Fahrt durchs Kinderzimmer. Das ist das Geschäftsidee von Piko: Die Traditionsfirma aus Thüringen hat als eine der ersten preiswerte Angebote für junge Einsteiger eingeführt. Denn sie sind die Kunden von morgen.Die Kinder frühzeitig an das Unternehmen binden, diese Strategie hat funktioniert. René Wilfert ist Besitzer und Chef von Piko. Er feiert gerade den 60. Geburtstag des Familienunternehmens. Er freut sich über strahlende Kinderaugen und spendierfreudige Papas. Sie bescheren ihm auch in diesem Jahr in Deutschland einen zweistelligen Umsatzzuwachs. Nur der Export wurde durch die Finanzkrise ausgebremst. Doch Wilfert hofft, dass sich mit dem Aufschwung auch der amerikanische und der osteuropäische Markt wieder erholen. Maria Lesser
Alle unter einem Dach: Ein Haus für Generationen
Läuft geradeNeue FolgeGroßeltern, Eltern, Kinder – alle unter einem Dach. Dieses Lebensmodell wird seltener in Deutschland. Die Zahl der sogenannten Mehrgenerationen-Häuser sinkt seit Jahren. Doch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten scheint sich etwas zu ändern. Bei einigen Fertighausherstellern wächst die Nachfrage nach den Generationenhäusern, in denen eine Großfamilie zusammenleben kann. Eine Trendwende?Zumindest beim Fertighaushersteller Okal. Das Unternehmen macht damit etwa dreißig Prozent seines Umsatzes. Dabei wollte das Unternehmen solche Häuser noch vor einigen Jahren wegen mangelnder Nachfrage aus dem Programm nehmen. Der Chefentwickler bei Okal, Sven Propfen, erklärt unserer Reporterin Mabel Gundlach die Gründe für die nun wieder steigende Nachfrage: zum Beispiel die weggefallene Eigenheimzulage oder die geringeren Sozialleistungen, die etwa bei Arbeitslosigkeit gezahlt werden. Das soziale Netz sei löchriger geworden, die Verantwortung der Familienmitglieder füreinander wieder gewachsen. Wenn Großeltern, Eltern, Kinder unter einem Dach leben, macht das das Bauen und Wohnen billiger – und gleichzeitig die Betreuung der Kinder einfacher.
Unser Studiogast diese Woche ist Karlheinz Ruckrie
Läuft geradeNeue FolgeEr ist Glücksforscher an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg. DW-TV: Wir sprechen mit Karlheinz Ruckriegel, er ist Professor für Volkswirtschaft und Glücksforscher an der Hochschule Nürnberg. Herzlich Willkommen, Herr Ruckriegel. Herr Ruckriegel, kann man sich Glück kaufen? Karlheinz Ruckriegel: Wenn man die Ergebnisse der Glücksforschung anschaut, dann ist es eher so, dass man sich bis zu einem gewissen Grad Glück kaufen kann. Aber danach ist es dann eigentlich nicht mehr möglich. Wenn man sich Untersuchungen über 50 Jahre hinweg anschaut, dann zeigen diese Untersuchungen, dass wir zwar eine enorme Zunahme der materiellen Güterverfügbarkeit hatten, aber nicht der Zufriedenheit. Das heißt, wir passen uns an die Höhe des Einkommens an, wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind. DW-TV: Aber so funktioniert ja Kapitalismus. Wenn alle aufhören zu kaufen, dann funktioniert auch die Wirtschaft nicht mehr. Karlheinz Ruckriegel: Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass wir ein ständiges Wirtschaftswachstum brauchen. DW-TV: Was heißt das dann für uns? Wir müssen uns auf ganz neue Werte besinnen? Karlheinz Ruckriegel: Wenn es darum geht, zufrieden und glücklich zu werden, dann muss man sich überlegen, was macht es eigentlich aus. Was macht Glücklichsein und Zufriedenheit eigentlich aus. Und da ist das Materielle nur ein Aspekt. DW-TV: Sind Sie denn glücklich? Karlheinz Ruckriegel: Ja. DW-TV: Wodurch? Karlheinz Ruckriegel: Durch die Beschäftigung mit der Glücksforschung und dann durch die Umsetzung dessen, was im Rahmen der Glücksforschung als zufriedenheitsteigernd herausgefunden wurde. DW-TV: Und das heißt, wir brauchen ganz dringend einen Glücksindex, damit wir aufhören an die Wirtschaft zu glauben. Karlheinz Ruckriegel: Wir brauchen auf jeden Fall einen Index, der danach fragt, wie zufrieden wir sind. Und wenn wir nicht zufrieden genug sind, dann muss man überlegen was politisch zu tun ist. DW-TV: Herr Ruckriegel, wir sprechen gleich weiter. (Interview: Anja Weyde)
Luxus mit Tradition – die Berliner Uhrenmanufaktur
Läuft geradeNeue FolgeVon Präzisionsgeräten für die Luftfahrtindustrie zur handgefertigten Edel-Uhr: das ist die Entwicklung der 1871 gegründeten Askania-Werke. Schon in den 40er Jahren produzierte das Unternehmen Flieger-Armbanduhren. 2006 kaufte der Uhren-Spezialist Leonhard Müller die Namensrechte. Präzision und Zuverlässigkeit sind für ihn ebenso wichtig, wie der Traditionsname Askania.Denn wer sich auf dem Markt für Edel-Uhren durchsetzen will, verkauft nicht nur ein Produkt, sondern den Traum vom Luxus. Die ersten Zeitmessgeräte produzierte Askania 1875 für Häfen, die Uhrzeit wurde damals noch angezeigt, indem zu bestimmten Uhrzeiten ein Ball heruntergelassen wurde. Ein weiter Weg zu den Edel-Uhren von heute, die preislich zwischen 700 und 5000 Euro liegen. MADE IN GERMANY Reporter Philipp Bilsky war zu Gast in einer der letzten Uhrenmanufakturen Deutschlands.
Unser Studiogast diese Woche ist Karlheinz Ruckrie
Läuft geradeNeue FolgeEr ist Wirtschaftswissenschaftler und Glücksforscher von der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg. DW-TV: Herr Ruckriegel, jemand der davor steht seinen Arbeitsplatz zu verlieren, bei dem halten sich Glücksgefühle vermutlich in Grenzen. Karlheinz Ruckriegel: Es ist bekannt aus der Glücksforschung, dass es ein Schock ist, wenn man seinen Arbeitsplatz verliert. Aber nichts desto trotz, sollte man sich gerade in dieser Situation überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, trotzdem wieder Glücksgefühle zu gewinnen. DW-TV: Welche Möglichkeiten wären das denn? Wo sehen Sie denn Potential? Karlheinz Ruckriegel: Die Glücksforschung hat ja folgende Faktoren als Glücksfaktoren identifiziert: Soziale Beziehungen, dann Engagement, beispielsweise in Nicht-Erwerbstätigkeiten, Gesundheit, persönliche Freiheit, Spiritualität, Religion und natürlich eine finanzielle Grundabsicherung. DW-TV: Persönliche Freiheit und die finanzielle Grundabsicherung, die Sie gerade angesprochen haben, das sind ja Teile die stark abhängig davon sind, ob ich einen Job habe oder nicht. Karlheinz Ruckriegel: Das ist richtig. Aber man muss sich ja erstmal überlegen, welche Möglichkeiten habe ich zunächst einmal. Wenn ich den Job verliere, dann ändern sich die Rahmenbedingungen. Dann muss ich überlegen, wie ich mit diesen geänderten Rahmenbedingungen zurecht komme, so dass ich trotzdem noch einigermaßen glücklich und zufrieden bin. Die nächste Frage ist die, was man machen muss, um gesamtwirtschaftlich das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen. Aber das würde jetzt im Rahmen dieser Glücksüberlegungen zu weit führen. DW-TV: Wenn das Glück von so vielen Faktoren abhängt, wie Sie es gerade angesprochen haben, wie will man das denn messen? Karlheinz Ruckriegel: Kommen wir doch noch einmal zurück zu den genannten Faktoren. Erstmal gibt es die Möglichkeit, sich diese Faktoren bewusster zu machen. Und dementsprechend dann zu versuchen, diese Glücksfaktoren stärker zu aktivieren. Hier gibt es beispielsweise ein Projekt der EU-Kommission, die genau diese Sache fördern will. Sie will erreichen, dass in der Erwachsenenbildung Module geschaffen werden, damit man als Mensch aus diesen Aktivitäten mehr Zufriedenheit gewinnt. Mit der Messung verhält es sich so, dass gängigerweise in diesen Untersuchungen nach der Zufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn gefragt wird. Dann kann man sich entsprechend einordnen. DW-TV: Die Deutschen sind ja unzufriedener als zum Beispiel die Dänen. Das wurde gemessen. Warum ist das so? Wir sind doch sozial nicht schlechter gestellt als Dänemark. Karlheinz Ruckriegel: Die Zahlen sind ja ziemlich offenkundig. Auf dieser Skala von null bis zehn liegen wir bei ungefähr 6,8. Die Dänen dagegen bei 8. Dafür gibt es einige Gründe. Ein Grund, der angeführt wird ist der, dass in Dänemark das Vertrauen in der Gesellschaft und auch die Gleichheit stärker ausgeprägt sind. Ein anderer Punkt, der mir unlängst in dieser Untersuchung aufgefallen ist, dass wir vielleicht die negativen Ereignisse stärker und die positiven weniger wahrnehmen. Verglichen mit den Dänen beispielsweise. DW-TV: Ein bisschen mehr Optimismus würde uns Deutschen also gut tun? Karlheinz Ruckriegel: Auf jeden Fall. DW-TV: Vielen Dank, Karlheinz Ruckriegel. (Interview: Anja Heyde)
Lufthansas neue Asien-Drehscheibe – Frachtfernverk
Läuft geradeNeue FolgeDie kürzeste Verbindung zwischen Deutschland und Asien geht für Lufthansa-Cargo über Russland. Die Gesamtstrecke schaffen die Frachter nicht in einem Rutsch, sie müssen auftanken, auf Weisung Russlands im sibirischen Krasnojarsk. Doch das sibirische Frachtgeschäft bleibt ihnen verschlossen.Lufthansa Cargo ist in dieser Region mit vielfältigen Problemen konfrontiert: Schwierige Wetterbedingungen, Streit mit russischen Behörden um Überfluglizenzen und nun auch mit dem Schutz russischer Airlines vor ausländischer Konkurrenz. Gleichzeitig setzt die sibirische Regional-Regierung große Hoffnungen in den Ausbau des Luftfahrt-Drehkreuzes. Modernisierung und ein Schub für die Industrie werden erwartet. Welche Perspektiven, welche Risiken birgt das neue Drehkreuz für beide Seiten? MADE IN GERMANY begleitet die Piloten der Lufthansa Cargo auf ihrem Weg von Frankfurt am Main Richtung Asien.
Juwi: die Öko-Pioniere - mit Erneuerbaren Energien
Läuft geradeNeue FolgeIhr erstes Windrad stand auf dem eigenen Acker - heute finden sich ihre Anlagen in der ganzen Welt. Juwi zählt zu den führenden Unternehmen für erneuerbare Energien – und die Firmenchefs haben eine Vision: Die Versorgung Deutschlands mit 100 Prozent Grünem Strom.Am Firmensitz in Wörrstadt bei Mainz wird vorgelebt, wie das geht: Das Gebäude erzeugt mehr Strom, als es verbraucht. Damit sind Matthias Willenbacher und Fred Jung die Vorreiter ihrer eigenen Idee. Der Landkreis, in dem sie leben, will das bis 2020 auch erreichen und sich komplett selbst mit grünem Strom versorgen. Einer der dazu notwendigen Windparks, wird gerade unweit des Firmensitzes von Juwi aufgestellt. Bei Cottbus wiederum entsteht gerade die zweitgrößte Solaranlage der Welt. Juwi produziert mit über 700 Mitarbeitern keine eigene Technik, sondern projektiert Anlagen in großem Stil und hat mittlerweile Niederlassungen in Frankreich, Italien, Spanien, Amerika, Costa Rica und Südkorea. MADE IN GERMANY Reporterin Kerstin Schweizer hat das Unternehmen besucht.
Mercedes-Dorf Gosheim – das Zentrum der Autozulief
Läuft geradeNeue Folge„Mercedes-Dorf“ – so wird Gosheim bei Stuttgart genannt, weil Autozulieferer und Maschinenbauer den Ort reich machten: Knapp 4000 Einwohner freuten sich 2008 über rund 17 Millionen Euro Gewerbesteuern. Die sind in der Krise auf Null gesunken, jetzt soll auch noch die C-Klasse in die USA. Viele Betriebe kämpfen ums Überleben - und Gosheim spart.Was früher ein Vorteil war, wird in der Krise zum Risiko. Die Wirtschaft rund um Gosheim ist eine industrielle Monokultur: Mehr als 800 Unternehmen mit über 10.000 Beschäftigten bearbeiten Metall mit der Zerspanungstechnik – und leiden in der Krise mit ihren Kunden aus dem Fahrzeug- und Maschinenbau. Die Umsätze haben sich zwischenzeitlich halbiert. Rund drei Viertel der Industriebetriebe in der Region haben Kurzarbeit angemeldet. Nun sucht die Branche händeringend neue Märkte, zum Beispiel in der Medizintechnik. Unsere Reporterin Marion Hütter hat die Region besucht.
Kreditklemme: Würgen die Banken den Aufschwung wieder ab?
Läuft geradeNeue FolgeNach der Wirtschaftskrise wollen die Unternehmen endlich wieder investieren – doch ausgerechnet jetzt bereiten ihnen die Banken Probleme bei der Vergabe notwendiger Darlehen. Die Folge: Die Realwirtschaft leidet unter einer Kreditklemme. Mehrere hundert Milliarden Euro Steuergelder sind in den Bankenrettungsfond geflossen, Die Geldinstitute erfüllen aber ihre wichtigste Funktion nicht mehr: die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten. Die Banken geloben Besserung und wollen bis zu 15 Milliarden Euro zusätzlich an Krediten bereit stellen. Doch reicht das? MADE IN GERMANY Reporter Milto Arsenopoulos berichtet.
Unser Studiogast diese Woche: Jörg Rocholl (ESMT) Teil 1
Läuft geradeNeue FolgeBei uns ist heute Jörg Rocholl, Finanzmarktexperte von der European School for Management and Technology, herzlich willkommen Herr Rocholl! Haben Sie denn auch noch so ein bisschen Gold im Keller? Jörg Rocholl: Also ich glaube, wenn ich es hätte, dann würde ich es jetzt verkaufen. DW-TV: Ganz schnell?! Also Sie haben auch keines, schade! Wir können uns den Goldpreis auf unserer Grafik mal anschauen, der ist ja enorm gestiegen: Von Oktober 2008 bis Dezember 2009 um rund Prozent. Indien kauft Gold, China kauft Gold, die Zentralbanken kaufen Gold, Privatpersonen mittlerweile auch. Wir haben ja gelernt oder die Geschichte hat uns gelehrt, dass man auf alles Mögliche spekulieren kann. Sollten wir da vielleicht nachdenklich werden? Jörg Rocholl: Ich denke, ja. Es gibt natürlich erstmal ganz fundamentale Nachfragen und Angebotswirkungen, die hier eine Rolle spielen und die auch den Preis beeinflussen. Wir haben zum Beispiel auf der Angebotsseite die Situation, dass die Produktion von Gold in den letzten Jahren tendenziell eher gesunken ist. Wir haben jetzt auf der Nachfrageseite die Situation, dass es einen relativ schwachen US-Dollar gibt, dass es Gefahren wegen der Inflation gibt, dass dementsprechend auch die Nachfrage nach sicheren Metallen eine Rolle spielt. Aber insbesondere, finden wir jetzt auch die Tatsache, wie Sie sagten, dass auch Kleinanleger schon in Gold investieren. Und das sollte uns wirklich zu denken geben, weil das häufig ein Signal dafür ist, dass es sich um eine Blase handelt, die dann vielleicht auch bald platzen könnte. DW-TV: Wenn das Gold ein Indikator für den Finanzmarkt ist, für den Weltfinanzmarkt, wo befinden wir uns dann gerade? Jörg Rocholl: Im Moment sieht es tatsächlich so aus, dass Anleger der Situation stark misstrauen, allerdings kann sich das auch leicht wieder ändern. Wir haben jetzt gerade gesehen, dass die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen besser ausgefallen sind als erwartet und gleich wurde der Dollar stärker. Gleichzeitig ist auch der Goldpreis wieder gefallen. Das heißt also, das sind im Moment vielleicht auch nur Gefühlslagen, die sich schnell wieder revidieren lassen können. DW-TV: Vielen Dank Herr Rocholl, erst einmal bis hierher! (Interview: Anja Weyde)
Die Wagnisse des Jan Henric Buettner – erfolgreich
Läuft geradeNeue FolgeAls einer der jüngsten Internet-Millionäre machte er einst Schlagzeilen. Sein Hang zu innovativen und spannenden Geschäftskonzepten ist ungebrochen: Ob flippiges Modelabel oder sogar ein ganzes Schloss - Jan Henric Buettner ist immer auf der Suche nach ungewöhnlichen und Erfolg versprechenden Investments.MADE IN GERMANY Reporterin Elisabeth Pongratz hat den umtriebigen Manager begleitet. Als Partner einer Risikokapital-Firma gewährt uns der 44-Jährige Einblick in seine Ideen und Strategien. In den 90er Jahren baute er AOL Europe mit auf, heute versucht er sich als Schlossherr: Das Gut Weißenhaus an der Ostsee will der Hamburger Unternehmer in eine Event-Location verwandeln.
Unser Studiogast diese Woche: Jörg Rocholl (ESMT)
Läuft geradeNeue FolgeDW-TV: Jörg Rocholl ist hier von der European School for Management and Technology in Berlin. Herr Rocholl, gibt es die Kreditklemme wirklich oder ist das etwas, was wir uns nur einbilden? Jörg Rocholl: Ich würde sagen, keiner weiß es so genau. Denn wir sehen zwar auf der einen Seite die Klagen der Unternehmen, dass man nicht genug Kredite bekommt, dass nicht genug Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. Auf der anderen Seite sehen wir die Banken, die sagen, es ist völlig klar, dass in einer Wirtschaftskrise nicht so viele Kredite vergeben werden können, weil die Bonität, die Kreditwürdigkeit, der Unternehmen nicht gegeben ist. Und ich glaube, alle die Zahlen, die wir bisher sehen, sind letztlich nicht komplett aufschlussreich darüber, wie viel Kredit vergeben wird und ob jeder, der Kredit verdient, auch tatsächlich Kredit bekommt. DW-TV: Wir haben es gerade im Beitrag gehört, die Kanzlerin hat ein Machtwort gesprochen und eine Konferenz einberufen. Die Banken haben jetzt versprochen, eine Art Fonds einzurichten für die mittelständischen Unternehmen, weil die Bundesregierung bereit war, mit 10 Milliarden Euro zu bürgen. Glauben Sie tatsächlich, das funktioniert? Jörg Rocholl: Das ist sicherlich ein Anfang. Allerdings wenn man sich die gesamten Kreditvolumina in Deutschland anschaut, dann ist es in dem Sinne nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Gerade weil man betrachten muss, dass viele Banken, insbesondere die Landesbanken, nach wie vor in einer sehr prekären Situation sind und von sich aus gesehen keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen können, gerade die, die auch in der Vergangenheit den Unternehmen viele Kredite zur Verfügung gestellt haben. DW-TV: Und in so einer Situation fordert Josef Ackermann einen neuen Staatsfonds zur Rettung der Banken. Ist das nicht ein bisschen unverschämt? Jörg Rocholl: Ja, da muss man genau schauen, welche Regelung dort getroffen wird. Dieser Staatsfonds richtet sich ja vor allem dahingehend, in Zukunft Banken, die diese Probleme haben könnten, zu helfen und dass sie aus dieser Krise gerettet werden können. Das hat an sich jetzt nicht so viel zu tun mit der eigentlichen Kreditvergabe zum jetzigen Zeitpunkt. DW-TV: Also noch ein bisschen abwarten! Vielen Dank Jörg Rocholl! (Interview: Anja Weyde)
Dehn + Söhne – Blitzschutz für Brandenburger Tor u
Läuft geradeNeue FolgeSie bieten Schutz vor Blitzschaden und Überspannung – die Blitzanlagen der Firma Dehn und Söhne. Ob Kölner Dom oder Dresdner Frauenkirche, der Blitzschutz stammt von dem Familienunternehmen aus Nürnberg. Was vor hundert Jahren als kleiner Handwerksbetrieb begann, hat sich zum Global Player entwickelt. Und die Herausforderungen werden immer komplexer…Bereits seit drei Generationen werden Lösungen rund um Blitzschutzsysteme gefunden. Zur Zeit arbeitet die Entwicklungsabteilung an Möglichkeiten, um große Solaranlagen und Telekommunikationsnetze vor Blitzschäden zu schützen. Die Ergebnisse sollen in der heimischen Produktion umgesetzt werden, denn am Produktionsstandort Deutschland hält das Unternehmen fest. Gerade erst wurde eine neue Werkshalle fertig gestellt. MADE IN GERMANY Reporterin Sonja Schock hat das Unternehmen besucht.
Der Regensburger Weihnachtsmarkt öffnet seine Tore
Läuft geradeNeue FolgeBescherung! Der Weihnachtsbaum erstrahlt in voller Pracht, die Stände sind geschmückt, der Glühwein steht bereit. Der Endspurt-Stress hat sich gelohnt, Veranstalter Peter Kittel ist nach monatelanger Vorbreitung am Ziel. Krippenfiguren und Handwerkskunst, Gaumenfreuden und Weihnachtsstimmung sollen die Besucher anlocken. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis eröffnet feierlich den Weihnachtsmarkt. Ein großer Ansturm wird erwartet, 200.000 Besucher sollen kommen. Doch wird diese Hoffnung erfüllt? Oder bekommen die Händler die Krise auch im Weihnachtsgeschäft zu spüren? Ute Schneider und Carmen Meyer berichten von der Eröffnungsfeier und den Hoffnungen der Händler.
Goldfieber – die Geschäfte rund um das Edelmetall
Läuft geradeNeue FolgeDer Goldpreis im Höhenflug. Nie war der Rohstoff so wertvoll wie heute. In unsicheren Zeiten flüchten die Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen – ob in Form von Barren, Münzen oder auch Schmuck. Doch auch Goldhändler und Schmuckhersteller brauchen Nachschub, die Preissprünge des Rohstoffs sehen sie mit gemischten Gefühlen. Deutschland ist im Goldfieber.MADE IN GERMANY besuchte den größten Goldhändler Deutschlands im Zentrum der deutschen Schmuckindustrie: die Sparkasse in Pforzheim verkauft 13 Tonnen Gold im Jahr. Pforzheimer Goldschmieden wie zum Beispiel Wellendorf verarbeiten das Gold zu edlen Stücken – noch immer kommen 70 Prozent des in Deutschland gefertigten Schmuckes aus der Region. Ausstellungen und Events rund ums Gold, wie die „Schmuckwelten“ in der Innenstadt ziehen auch Touristen an. Marion Kappel war bei den Vorbereitungen der Juweliere auf das Weihnachtsgeschäft dabei. Die Hoffnungen sind groß, doch der hohe Goldpreis treibt auch die Schmuckpreise nach oben.
Minikraftwerke mit VW-Erdgasmotor – Energie produzieren im Eigenheim
Läuft geradeNeue FolgeEnergie aus dem eigenen kleinen Kraftwerk im Keller – so könnte für viele Hausbesitzer in Deutschland die Zukunft aussehen. Der unabhängige Ökostrom-Anbieter Lichtblick will zusammen mit dem Autohersteller Volkswagen sogenannte Minikraftwerke bauen. Mit ihnen können die Verbraucher Strom und Wärme selbst erzeugen und dabei umweltschonend Energie sparen.100.000 der sogenannten „Zuhausekraftwerke“ sollen in den nächsten zehn Jahren installiert werden. Die Geräte sind etwa so groß wie eine Waschmaschine und erzeugen Energie mit Hilfe eines VW-Erdgasmotors. Dieser wird sonst in Modellen wie dem Touran oder dem Caddy eingebaut. Volkswagen sichert sich damit neue Marktanteile jenseits der Automobilbranche. Doch vor allem könnten die neuen Minikraftwerke den deutschen Strommarkt kräftig aufmischen. Denn erstmals können Stromkunden unabhängig von großen Konzernen ihren eigenen Strom erzeugen und sogar ins Netz einspeisen. Dazu kommt: bis zum Jahr 2030 soll rund ein Drittel des Strombedarfs in Deutschland aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Aber was, wenn der Wind mal nicht weht? Bisher ein ungelöstes Problem. Dann springen die kleinen Kraftwerke ein. Mehrere Tausend zusammengeschaltet könnten bis zu zwei Atomkraftwerke ersetzen. Claudia Laszczak
Studiogespräch, Teil 2: Claudia Kemfert, DIW
Läuft geradeNeue FolgeSie ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). DW-TV: Frau Kemfert, was tun Sie als Energieexpertin für den Klimaschutz? Ist bei Ihnen alles Bio? Claudia Kemfert: Ja, tatsächlich. Ich lebe sehr klimabewusst: Ich fahre mit dem Fahrrad, mit der S- Bahn, habe kein Auto, wohne in einem wärmegedämmten Haus, ich kaufe Bio-Produkte und beziehe Ökostrom. Aber was tatsächlich meine Bilanz verhagelt, sind die Langstreckenflüge. Das neutralisiere ich, indem ich in Klimaschutzprojekte spende. DW-TV: Im Chinesischen besteht das Wort „Krise“ aus zwei Worten: Zum einen „Gefahr“, zum anderen „Chance“. Welche Chance bietet die Klimakrise für Unternehmen? Claudia Kemfert: Eine sehr große. Die Zukunftsmärkte sind tatsächlich die Klimaschutzmärkte. Sei es im Bereich Energieeffizienz oder auch die klassischen Umweltschutztechniken, energieeffiziente Gebäude oder auch erneuerbare Energien. All das birgt enorme volkswirtschaftliche Chancen und die sollten wir auch wahrnehmen. DW-TV: Wir stehen vor dem Klimagipfel in Kopenhagen: Alles nur warme Worte, wird da nichts herauskommen? Claudia Kemfert: Nein, es muss etwas dabei herauskommen. Es geht gar nicht ohne, denn wir dürfen die Politiker hier nicht aus der Pflicht entlassen. Die Amerikaner müssen sich verpflichten und eben auch die Chinesen, Europa tut ja ohnehin sehr viel. Also: Es muss etwas dabei herauskommen, weil die Zeit niemals so günstig war wie jetzt. Nahezu alle Führer der Welt haben sich dazu entschlossen, Klimaschutz zu machen und das sollte man jetzt auch umsetzen. DW-TV: Sind sich denn auch allen Führer wirklich der Folgen bewusst, wenn es keine Einigung gibt? Claudia Kemfert: Ich hoffe, denn tatsächlich muss es eine Einigung geben, ohne das geht es leider nicht. Ich sehe aber auch sehr viele grüne Signale, in dem Sinne, dass alles auf „Gut“ steht. Insofern muss man jetzt die Weltführer dazu bewegen, dass sie in Kopenhagen ein Abkommen beschließen. DW-TV: Wir hoffen das alle. Frau Kemfert, ich bedanke mich recht herzlich, dass Sie bei uns waren. (Interview: Thomas Helfrich)
Henkel – Umweltschutz durch ökologische Nachhaltigkeit
Läuft geradeNeue FolgeBio, Öko, natürliche Rohstoffe – mit diesen Begriffen bringt kaum ein Verbraucher den Namen Henkel in Verbindung. Der Konzern aus Düsseldorf steht für konventionelle Waschmittel und Klebstoffe, die sich gut verkaufen. Doch in Zeiten des Klimawandels reicht das auf Dauer nicht mehr aus. Das hat auch Henkel erkannt und investiert seit kurzem in Bioprodukte, beispielsweise auch Öko-Waschmittel.Darüber hinaus hat der Konzern Leitlinien zum Thema Nachhaltigkeit entwickelt. So soll beispielsweise jedes Produkt höheren Ansprüchen in Sachen Nachhaltigkeit genügen als sein Vorgänger. Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Palmöl aus ökologischem Anbau. Henkel ist das einzige Großunternehmen auf der Welt, das in großem Stil Öko-Palmöl nutzt. Für sein Engagement ist der Konzern zum Sustainability Leader gekürt worden– eine Auszeichnung für Unternehmen, die sich auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit hervor getan haben. Miltiades Arsenopoulos
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