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Projekt Zukunft (84)

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  • Prof. Isabella Heuser, Charité Berlin, Direktorin

    Prof. Isabella Heuser, Charité Berlin, Direktorin Neue Folge

    "Sie werden ja nicht durch diese Pillen klüger, kreativer oder sonst was. Sie können länger lernen. Wo ist das Problem, wenn sie sich mehr Stoff aneignen können, den sie dann auch zum Beispiel in Prüfungen, für die Sie gelernt haben, tatsächlich mehr Stoff parat haben? Wo kann man das schlecht finden?"DW-TV: Nun, wenn eines Tages mal die Nebenwirkungen im Griff sind, wenn man solche Pillen bekommen kann, ohne dass wir deswegen umkippen, dass uns schlecht wird und so weiter, dann wird doch die Verbreitung dieser Pillen rasant zunehmen. Wie schätzen sie diese Entwicklung ein? Isabella Heuser: Ja, selbstverständlich wird dann die Verbreitung rasant zunehmen. Ich wüsste nicht, wer es dann nicht nehmen würde, der mit dem Kopf arbeitet. Was halten sie davon? Wenn es keine Nebenwirkung gibt, habe ich da nichts dagegen. Da müsste man vielleicht an Universitäten auch so eine Art Dopingtest erst mal … Isabella Heuser: Nein, warum denn? Sie werden ja nicht durch diese Pillen klüger, kreativer oder sonst was. Sie können länger lernen. Wo ist das Problem, wenn sie sich mehr Stoff aneignen können, den sie dann auch in, zum Beispiel Prüfungen, aber auch wenn sie dann arbeiten in diesem Gebiet, für dass sie gelernt haben, tatsächlich mehr Stoff parat haben? Wo kann man das schlecht finden? Ein bisschen ungutes Gefühl habe ich dabei, weil es so viel Chemie ist und pharmakologische Substanzen sind. Ja, alles ist Chemie, was wir letztendlich in unseren Mund stecken. Auch Biogemüse ist Chemie, wird niedergebrochen in chemische Moleküle. Also, das ist meiner Ansicht nach kein wirklich greifendes Argument. Wenn sie natürlich sagen, das ist doch irgendwie widernatürlich, weil ich alles so aus mir heraus schaffen muss. Meine eigene Kraft muss dafür reichen. Dann kann ich nur sagen, wir Menschen leben jetzt schon in einer unglaublich widernatürlichen Welt: Wir machen abends das Licht an, wenn es dunkel wird, wir heizen, wenn es draußen kalt ist. Wir leben sowieso mit den ganzen Hilfsmitteln, die wir selbst erfunden haben. Aber zumindest haben wir allen einen ähnlichen Zugang, darauf. Dann müsste man wenigsten sagen, dann wir geben diese Pillen frei und jeder darf Zugang darauf haben, weil sonst ist natürlich die Chancengleichheit nicht mehr gegeben. Absolut. Also, das sind die zwei Probleme. Das ist sozusagen die Verteilungsgerechtigkeit und wer dafür bezahlt, ja? Und das zweite Problem, was ich fast noch größer ansehe, ist, dass es auch so etwas wie einen Zwang geben könnte, der subtil ausgeübt wird, von z.B. Arbeitgebern, aber auch von, weiß ich nicht, von… Versicherungen vielleicht? Professoren, Versicherungen, dass Menschen eben leistungsfähiger werden. Das heißt, so in dem Sinne, du bist ein bisschen blöd, aber warum tust du denn auch nichts dagegen. Es gibt doch Möglichkeiten. Genau. Ganz genau. Und das darf nicht passieren. Das Menschenbild, das dahinter steckt, finde ich ja etwas merkwürdig. Weil eigentlich steckt dahinter ja zu sagen, wir müssen immer schneller werden, immer besser, immer leistungsfähiger. Irritiert sie das nicht? Nein, das irritiert mich nicht. Weil, wenn sie in die Menschheitsgeschichte zurückblicken - die letzten zweitausend Jahre, wo wir wissen - war der Mensch immer darauf bedacht sich zu verbessern. Immer. Immer. Das scheint ein ganz tief sitzendes Bedürfnis des Menschen zu sein – besser zu werden. Und stattdessen einfach vielleicht mal eine Pause zu machen, um wieder besser zu werden? Ja. Selbstverständlich, wenn sie es übertreiben, das geht gar nicht, sie brauchen natürlich diesen Abschwung auch. Interview: Ingolf Baur

    • 07.12.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
  • Visionen der Wissenschaft für das Jahr 2050.

    Visionen der Wissenschaft für das Jahr 2050. Neue Folge

    Von Maria Lesser. Im Vorfeld der Klimakonferenz von Kopenhagen hat sich „Projekt Zukunft“-Autorin Maria Lesser damit beschäftigt, wie der Klimawandel unser Leben verändern könnte.Visionen der Energieversorgung. Sonnenenergie direkt aus dem All – davon träumen einige Wissenschaftler. Riesige Plattformen mit Solarzellen könnten 2050 die Sonnenenergie aufnehmen und das gebündelte Licht zur Erde schicken. Das wird dort in Strom umgewandelt. Ein anderes Szenario: Energie aus dem Meer, Methan als Energiequelle. Wird Methanhydrat verbrannt, ist die Energieausbeute wesentlich höher als bei Kohle. Methan ist jedoch sehr klimaschädlich. Trotzdem: die Erkundung läuft. ITER heißt ein milliardenteurer Traum von Wissenschaftlern. ITER soll so funktionieren, wie die Sonne. Im Kern des Sterns kollidieren Atomkerne. Wasserstoff wird zu Helium. Ein Gramm entspricht der Energie von 11 Tonnen Kohle. Aber auch die Kernfusion könnte gefährlich werden - sie könnte außer Kontrolle geraten. Visionen des Verkehrs. Viele Autos werden mit Brennstoffzellen fahren. Aus dem Auspuff kommt nur noch Wasserdampf. Elektroautos werden mit Strom aus Wind- und Sonnenenergie betrieben. CarSharing ist im Jahr 2050 üblich – und größere Strecken fährt man eh im Autozug. Ein weiterer Plan: In gewaltigen Röhren werden alle Arten von Waren transportiert. Die Container fahren mit Elektromotoren, einzeln von Computern gesteuert. Überall gibt es Stationen. So kommt alles da an, wo es hin soll – ganz ohne den umweltschädlichen LKW -Verkehr. Und schließlich könnten Supraleiter den Verkehr revolutionieren. Damit sie ihre Position in Schienennähe nicht „vergessen“, müssen sie umweltfreundlich gekühlt werden. Fahren an Häuserwänden ist kein Problem. Und die Schienen lassen sich nahezu überall verlegen. Visionen des Lebens mit dem Klimawandel. So könnte die klimafreundliche Stadt aussehen: Hochhäuser, die Windenergie für sich und gleich für ganze Stadtteile mit produzieren. Öko-Türme, die mit Solar- und Windkraftanlagen ihren kompletten Eigenbedarf an Energie selbst erzeugen. In Überflutungsgebieten könnten schwimmende Häuser verbreitet sein. Sie sind an Pfählen festgemacht. Steigt das Wasser, dann fangen sie an, zu schwimmen. Und sogar größere Wohnsiedlungen auf dem Wasser wären möglich. Mit den steigenden Temperaturen, breiten sich die Wüsten weiter aus. Gigantische Gewächshäuser könnten dann überall stehen - als in sich geschlossene Systeme. Menschen, Pflanzen und Tiere leben in den Anlagen – völlig autark. Vielleicht stehen solche Gewächshäuser dann sogar weit von der Erde entfernt. Denn wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird, bleibt wohl nur eins: Auswandern!

    • 30.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 2
  • Regenerative Energien – Wetterexperten machen Stromproduktion planbar.

    Regenerative Energien – Wetterexperten machen Stromproduktion planbar. Neue Folge

    Ein Film von Cornelia Borrmann. Wind- und Sonnenenergie schonen das Klima. Doch deren Produktion schwankt mit der Stärke von Wind und Licht. Stromversorgern bereiten diese Schwankungen Probleme. Mit herkömmlichen Wetterberichten lässt sich das nicht genau genug vorhersagen. Deshalb entwickeln Wissenschaftler eine neue Art von Wetterprognose.

    • 30.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
  • Im Gespräch: Prof. Wolfgang Sachs, Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.

    Im Gespräch: Prof. Wolfgang Sachs, Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Neue Folge

    "Wir müssen auf regenerative Energien umsteigen - da gibt es gar keine andere Wahl."DW-TV: Bei uns im Studio begrüße ich Herrn Professor Wolfgang Sachs vom Wuppertal Institut. Achtzig Prozent höhere Energie-Effizienz bei einem LKW-Dieselmotor. Das klingt supertoll. Aber: machen wir damit nicht eigentlich ein System, was prinzipiell schlecht ist, nur ein bisschen besser? Denn nachhaltig ist es natürlich immer noch nicht. Wolfgang Sachs: Ja, im Prinzip ist das schon richtig. Es ist ziemlich irrational, höchst effizient in die falsche Richtung zu laufen. Insofern, bei dem Truck ist die Frage dann wieder wichtig: Wie viele Lastwägen brauchen wir eigentlich? Wie viel Transport werden wir haben? Aber dennoch: Man kann ja auch diese Frage abkoppeln. Und sich überlegen: Wie sehen die einzelnen Stationen aus? Welches ist die Effizienz eines solchen Lastwagens? Und natürlich ist es vernünftig, durch die Bank den Energiebedarf herunterzubringen. Aber es könnte natürlich auch sein, dass wir uns einen Umbau zu regenerativen Energien und zu einer ganz neuen Form des Wirtschaftens, damit verbauen. Nur, wenn man das ins Extrem zieht. Denn auch die erneuerbaren Energien brauchen als erstes ein Absenken des Energiebedarfs. Und natürlich ist es vernünftig, auf der einen Seite Energie und Material zu sparen. Und auf der anderen Seite Abfall wieder zur neuen Nahrung zu machen. Also, den Abfall wiederum als Rohstoff für einen neuen Prozess zu nutzen. Nun sind wir ja eigentlich schon die ganze Zeit dabei, Energie zu sparen. Unsere Gerätschaften, zum Beispiel Kühlschränke, effizienter zu machen. Trotzdem steigt der Gesamtenergiebedarf an. Wie kommt das? Sehr richtig. Wissenschaftler nennen das den „Rebound-Effekt“. Dieser hat grundsätzlich zwei Elemente. Zum einen: in den vergangenen zwanzig Jahren ist etwa beim Auto die spezifische Effizienz, also der Treibstoff, den ein Auto verbraucht, ziemlich heruntergegangen. Trotzdem hat sich das Problem nicht geändert, weil wir mehr Autos haben und vor allen Dingen schnellere und schwerere Autos. Dieser Wachstumseffekt hat den Effizienzeffekt wieder aufgefressen. Das ist ganz deutlich ein Rebound-Effekt. Das heißt, Effizienz wird wieder umtransformiert in eine neue Expansion. Und darin liegt auch ein Problem. Das sind die Grenzen einer Effizienz-Strategie. Wie realistisch ist denn ein Umstieg auf eine regenerativere Energieversorgung? Wie schnell könnten wir da überhaupt hingelangen? Ach, wissen sie, der Realismus stellt sich gar nicht. Wir müssen es tun. Da gibt es gar keine andere Wahl. Und drüber sind sich auch viele Leute einig, dass es die große Herausforderung dieses Jahrhunderts ist, die Ressourcenbasis zu wechseln. Von fossilen Energien zu solaren Energien. Aber da sprechen dann alle meist von der fernen Zukunft, wie aber packt man es ganz konkret an? Gibt es da Beispiele von Kommunen, von Ländern, die da gut vorangehen? Jede Menge. Deutschland hat ja bekanntlich in den letzten Jahren vor allem in Wind und Biogasen ziemliche Expansionen gemacht. Und man muss nur herumgucken. Man sieht, was alles sprießt und sich dreht. Dazu kommt, dass eine ganze Reihe Kommunen anfangen sich so zu organisieren, dass sie in den nächsten fünfzehn Jahren zu hundert Prozent erneuerbar werden. Eine Stadt wie München plant, in den nächsten zwei Jahrzehnten CO2-neutral zu werden. Sie plant es aber nur. Na gut. Das ist ja die Voraussetzung, um einigermaßen diesen Pfad dann gehen zu können. Werden dann fossile Kraftwerke, wie wir sie heute benutzen, noch Teil des Systems sein? Für eine gewissen Zeit, ja. Für einige Jahrzehnte. Allerdings mit einer sehr abnehmenden Bedeutung und vor allen Dingen wird es wichtig sein, Gaskraftwerke zu haben und zweitens Kraftwerke, die Abwärme nutzen. Das heißt, die nicht nur Strom, sondern gleichzeitig auch Wärme produzieren. Erst dann wird der Prozess effizient. Ganz kurz zu Kopenhagen: Können wir es uns leisten, dass diese Verhandlungen scheitern? Eigentlich nicht. Denn jeder Monat, jedes Jahr, das verloren geht, wird uns in der relativ nahen Zukunft sehr viel mehr in die Klemme treiben. Auf der anderen Seite muss man nicht in zu viele Tränen ausbrechen. Denn Kopenhagen ist ja auch ein künstlicher Termin. Das kann auch im nächsten Jahr passieren - die völkerrechtliche Verständigung. Interview: Ingolf Baur

    • 30.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
  • Launischer Monsun – Indien leidet unter dem Klimawandel.

    Launischer Monsun – Indien leidet unter dem Klimawandel. Neue Folge

    Ein Film von Wolf Gebhardt und Sabine Wiley. Von der Regelmäßigkeit der Monsunniederschläge hängt die landwirtschaftliche Nahrungsmittelversorgung von zwei Milliarden Menschen in Asien und Afrika ab", das sagt der Wissenschaftler Jacob Schewe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Doch diese Regelmäßigkeit ist stark gefährdet, so warnt der Forscher in einer aktuellen Studie.

    • 30.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
  • Kluge Köpfe - der Paläontologe Krister T. Smith

    Kluge Köpfe - der Paläontologe Krister T. Smith Neue Folge

    Unter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Wissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen. Von Hannah Holunder. Krister T. Smith ist 33 Jahre alt und in Kalifornien aufgewachsen. Als Austauschstudent kam er nach Deutschland, jetzt arbeitet er hier als Postdoc, am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt/Main. Doch der wirkliche Ort für seine Forschung ist ein ehemaliger Tagebau: die Grube Messel, eine wahre Fundgrube für versteinerte Reste urzeitlicher Lebewesen. Vor allem Reptilien sind es, die dem Forscher helfen sollen, Fragen zur Evolution und zur Klimageschichte zu beantworten.

    • 24.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
  • Im Gespräch: Prof. Rolf-Dieter Heuer, Generaldirektor des CERN

    Im Gespräch: Prof. Rolf-Dieter Heuer, Generaldirektor des CERN Neue Folge

    Der Chef des Forschungszentrums CERN würde sich freuen, wenn mit dem LHC Schwarze Löcher produziert werden: "Denn es wäre etwas völlig Neues. Es wären aber Schwarze Mikrolöcher. Die haben überhaupt nichts mit denen im Weltall zu tun."DW-TV: Der 19. September vergangenen Jahres war ein schwarzer Tag des CERN, denn da ist der LHC leider mit seinem Ring zusammengebrochen. Welche Auswirkungen hatte das Ganze? Wie dramatisch ist das für die Mitarbeiter? Rolf-Dieter Heuer: Es ist insofern für die Mitarbeiter dramatisch, dass sie noch mehr arbeiten müssen. Und das tun sie auch schon seit einem Jahr. Wir stehen fast vor der Vollendung, nicht nur der Reparaturarbeiten, das wäre schneller gegangen, aber wir wollen ja vermeiden, dass so etwas wieder passiert. Das heisst, wir mussten neue Elektronik einbauen, die uns genau sagt, wann so ein Ereignis eventuell wieder passieren könnte. Das müssen wir vermeiden, und dafür tut jeder alles. DW-TV: Sie müssen enorm frustriert gewesen sein. Alle warten auf das große Ereignis, und dann bricht alles zusammen. Viele Forscher möchten ja schließlich auch ihre Doktor- oder Diplomarbeit beenden. Rolf-Dieter Heuer: Das ist richtig. Für manche Leute bedeutet es natürlich eine leichte Verzögerung. Aber Teilchenphysiker sind an lange Zeitskalen gewöhnt. Und zusätzlich hat es den Effekt gebracht, dass die Leute, die jetzt auf Daten warten, auch mithelfen, die Maschine wieder auf Vordermann zu bringen. Insofern hat sich die Zusammenarbeit noch verstärkt, und das ist für mich ein positiver Effekt dieses Unfalls. In einem Jahr werden wir die Konkurrenz überholt haben DW-TV: An anderer Stelle wird ebenfalls geforscht, beispielsweise in Chicago, mit dem Teilchenbeschleuniger Tevatron. Dort sucht man auch nach dem Higgs-Teilchen. Könnten die Ihnen zuvorkommen? Rolf-Dieter Heuer: Die könnten uns rein theoretisch zuvorkommen. Aber wenn ich als reiner Wissenschaftler spreche und nicht als Chef des CERN, dann ist es eigentlich egal, wo etwas gefunden wird, Hauptsache, man macht einen Fortschritt in der Wissenschaft. Als Chef des CERN muss ich natürlich sagen, lieber bei uns als woanders. Und die Chancen stehen sehr gut. Etwa in einem Jahr werden wir das Tevatron ein- oder überholt haben. Wir brauchen das Higgs-Teilchen DW-TV: Was passiert eigentlich, wenn Sie das Higgs nicht finden? Heißt es dann, dass die Physik, so wie wir sie bisher kennen, falsch ist? Rolf-Dieter Heuer: Sie ist nicht falsch. Das meiste davon stimmt ja. Unser Standardmodell ist sehr gut überprüft. Wir brauchen nur noch einen Mechanismus, der uns erklärt, wie die Elementarteilchen zu ihrer Masse kommen. Und da hat eben Higgs zusammen mit den belgischen Physikern Brout und Englert einen sehr schönen Mechanismus, einen Formalismus eingeführt, der sehr schlüssig ist. Als Folge dessen brauchen wir dieses Higgs-Teilchen. Und das liegt voll im Bereich des LHC. Wenn wir das Higgs-Teilchen nicht finden, müssen wir etwas anderes finden, was denselben Effekt hat – genau im gleichen Energiebereich. Das heißt, wir definieren dann nicht um, sondern wir finden einfach einen anderen Formalismus. DW-TV: Würden Sie darauf wetten, dass man es hier im LHC finden kann? Rolf-Dieter Heuer: Darauf würde ich wetten, aber was es ist, darauf würde ich nicht wetten. Ich bin Schwabe, und ich wette nur, wenn ich weiß, dass ich gewinne. Schwarze Mikro-Löcher sind keine Gefahr DW-TV: Es gibt Forscher, die behaupten, der LHC könnte Schwarze Löcher produzieren, so wie sie im Weltraum existieren. Uns gruselt es ja ein bisschen bei der Vorstellung. Wie ist das für einen Physiker? Würde es Sie freuen, wenn am LHC auch Schwarze Löcher entstehen? Rolf-Dieter Heuer: Ja, denn es wäre etwas völlig Neues. Es wären aber keine Schwarzen Löcher, es wären Schwarze Mikro-Löcher. Die haben überhaupt nichts mit den Schwarzen Löchern im Weltall zu tun. Es sind quasi anders geartete Elementarteilchen, die wir erzeugen und die sofort wieder zerfallen. Jetzt fragen Sie mich sicherlich nach der Gefahr dieser Schwarzen Löcher. Das Universum existiert seit knapp 14 Milliarden Jahren. In diesen 14 Milliarden Jahren werden sämtliche Sterne, die Erde, der Mond, alles wird bombadiert mit hochenergetischer, sogenannter kosmischer Höhenstrahlung, zum Teil mit Energien weit höher, als wir sie beim LHC jemals erreichen können. Und diese millionen-, milliardenfachen Beschüsse pro Sekunde haben noch kein solches gefährliches Schwarzes Mikro-Loch erzeugt. Ich bin sicher, dass wir etwas Neues finden DW-TV: Mal angenommen, man findet hier keine Schwarzen Löcher, man findet auch kein Higgs-Teilchen, man findet vielleicht nicht einmal geheimnisvolle Susy-Teilchen: Was würde das bedeuten für die Entwicklung von weiteren Beschleunigern? Wäre das das Ende dieser Art von Physik? Rolf-Dieter Heuer: Wenn wir gar nichts Neues finden würden, dann wäre es sehr schwer zu begründen, warum man noch neue Beschleuniger bräuchte. Ich bin aber absolut sicher, und darauf würde ich wetten, dass wir etwas Neues am LHC finden. Und dann wissen wir auch, welchen nächsten Schritt wir gehen müssen. DW-TV: Herr Heuer, ich wünsche Ihnen viel Erfolg, dass die Maschine diesmal absolut rund läuft. Rolf-Dieter Heuer: Ich halte nur noch die Daumen. Ich mache nichts anderes mehr. (Interview: Ingolf Bauer)

    • 23.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
  • Studiogast zum Thema Placebo-Effekt

    Studiogast zum Thema Placebo-Effekt Neue Folge

    Placebos zeigen, welche Selbstheilungskräfte in den Menschen schlummern."DW-TV: Herr Doktor Ellis Huber ist bei uns. Er ist Gesundheitsexperte, er ist Mediziner, er ist ein streitbarer Geist für ein besseres Gesundheitssystem. Hallo Herr Huber! Ellis Huber: Guten Tag Herr Baur. Nun haben wir gerade gesehen, es gibt ja fantastische Wirkungen, was Placebo erreichen kann. Bedeutet das vielleicht, dass wir überhaupt keinen Arzt mehr brauchen, keinen Gott in Weiß mehr, sondern dass wir auch zu einem Schamanen gehen können mit Federboa, der uns genauso heilt? Selbstverständlich gibt es dort auch gewisse Wege der Heilung. Placebos zeigen doch, welche Selbstheilungskräfte in den Menschen, in den natürlichen Bedingungen, schlummern. Und Leben ist keine Maschine, deswegen müssen wir bereit sein, uns respekt- und ehrfurchtsvoll zu wundern, über das, was alles möglich ist. Das können wir auch als neues Heilmittel einsetzen. Wir setzen ja hierzulande sehr stark auf Pillen, auf Spritzen, auf heftige pharmazeutische Substanzen. Heißt das, wir überschätzen möglicherweise deren Effekt? Es ist heute ziemlich eindeutig, dass die Wirkung von Pillen überschätzt, und die Wirkung von mentalen und emotionalen Kräften unterschätzt wird. Psychopharmaka haben oftmals eine Wirkung, die mit einem Schamanenritual ebenso erreicht werden kann. Das anzunehmen und zu erkennen ist nicht schlimm, sondern zeigen uns neue Chancen. Aber Placebo wird mit Sicherheit nicht alles können? Krebs heilen mit einem Placebopräparat zum Beispiel, funktioniert das? Nein! Ich glaube, wir dürfen nicht denken, dass man heilen kann indem man etwas gibt. Sondern wir können Lebensprozesse modellieren. Wir können etwas steuern, aber wir sind nicht die Herren über das Leben, sondern wir dienen eher Entwicklungsprozessen. Auch bei Krebs wissen wir, dass es Spontanremissionen gibt. Wir wissen oft nicht warum, aber es macht doch Sinn hinzugucken, was bei diesen Menschen geschieht, die ihren Krebs verlieren. Kann man denn verstehen, wie Placebo eigentlich abläuft, wie es funktioniert? In unserem Gehirn muss es eine Art von Steuerung geben, die dann eine Art körpereigener Apotheke befehligt. Na klar! Die Apotheke des einzelnen Menschen ist sein Gehirn, und das Gehirn ist in der Lage, alle möglichen chemischen Substanzen oder auch physikalische Bedingungen zu schaffen, zu modifizieren im eigenen Körper. Und klar: der Glaube versetzt Berge, und der richtige Glaube kann körperliche Kräfte verstärken, das ist so! Reagieren da die Menschen überall gleich eigentlich? Nein, es gibt unterschiedliche Kulturen, wo man unterschiedlich reagiert. Die Brasilianer sind relativ unempfindlich bei Tablettenplacebos. Andere Kulturen sind sehr sensibel bei Operationsplacebos. Von Leistungssportlern wissen wir, dass sie mit mentalen Kräften, mit autosuggestiven Methoden Spitzenleistung erreichen; auch das sind Kräfte... ... aber auch mit der Spritze natürlich... Ich finde, wenn man mit der körpereigenen Chemie heilsame Wege geht, ist das besser, als wenn von außen chemische Stoffe zugeführt werden müssen. Ganz kurz! Wie kann man diesen Placeboeffekt denn gezielt nutzen? Ankurbeln sozusagen? Gibt es da eine Möglichkeit? Da gibt es viele Möglichkeiten! Klar ist, dass die Zuwendung von Arzt zum Patienten Bedeutung hat. Und wir können auch experimentieren, wir können dem Menschen auch beibringen, dass ihre Selbstheilungskraft sinnvoll und wirksam eingesetzt werden kann. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch, Herr Huber! Interview: Ingolf Baur

    • 23.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
  • Im Gespräch: Josef Köhrle, Endokrinologe, Charité

    Im Gespräch: Josef Köhrle, Endokrinologe, Charité Neue Folge

    Bisphenol A ist eine problematische Substanz, weil sie mit dem Hormonsystem interagiert. Auch eine Glasflasche ist nicht Bisphenol A frei, da versteckt sich die Chemikalie nämlich im Verschluss. Der Hormonforscher, Josef Köhrle von der Charité kann uns mehr darüber sagen. Herr Köhrle, für wie gefährlich halten Sie denn Bisphenol A? Josef Köhrle: Ich halte das für eine der problematischen Substanzen, die zur Zeit in unserer Umwelt relevant wird, weil sie mit dem Hormonsystem interagiert. Und weil wir mittlerweile wissen, dass zentrale Moleküle in den Zellen beeinflusst werden, was Auswirkungen hat auf das Zellwachstum, auf die Zellfunktion und auch auf die Entwicklung von Tier und Mensch insgesamt. Jetzt ist Bisphenol A eine der meist untersuchten Chemikalien überhaupt – trotzdem gibt es sehr viele Studien und auch Fachleute, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Das haben wir auch im Beitrag kurz gesehen. Warum ist das so? Ist das so schwer zu untersuchen? Ja. Es muss zuerst das Problem erkannt werden und es muss dann festgestellt werden, dass das Problem auch relevant ist. Und das ist mittlerweile relevant, weil die Substanzen, in denen Bisphenol A mit verwendet wird, immer häufiger in den Produkten unseres alltäglichen Lebens vorkommen. Und wir kennen erst seit wenigen Jahren einige Modellsysteme - zum Beispiel Tierversuche oder Zellversuche - an denen wir die Wirkung auch untersuchen können, um als Spezialisten dann auch Erklärungen zu geben, warum eine Substanz gut oder schlecht ist, positive oder negative Wirkung hat. Sie sagten gerade am Anfang, das Problem müsse ja erst einmal als solches erkannt werden. Das ist ja generell die Schwierigkeit. Es wird ja immer wieder etwas entdeckt, was sehr schädlich ist für uns, aber schon über Jahre verwendet wird. Warum wird so was im Vorfeld nicht besser untersucht? Fehlt es da an Methodik? Es fehlt auch an Methodik. Zum Beispiel die Wirkung im Hormonsystem können wir erst seit wenigen Jahren gut untersuchen, weil wir erst seit wenigen Jahren die Zielmoleküle der Hormonwirkung in der Zelle kennen. Und zum anderen kommen natürlich neue Substanzen in den Verkehr. Da sind mehrere zu nennen: UV-Schutzmittel beispielsweise oder Antifäulnismittel, die ja beim Schiffsanstrich verwendet werden. Die setzen zum Beispiel Substanzen frei, von denen wir heute wissen, dass sie die Zellentwicklung, die Zellfunktion beeinträchtigen und das Hormonsystem stören oder auch sogar mit Verhaltensänderungen bei Tieren und auch möglicherweise beim Menschen in Beziehung gesetzt werden. Und diese Schiffsanstriche, die kommen ins Meer, dann in den Fisch. Wir essen den Fisch und so haben wir schließlich den Salat. Richtig, die Nahrungskette! Und viele dieser Substanzen sind ja auch fettlöslich und so besteht die Gefahr, dass sie sich im Körper anreichern. Kann man denn zum Beispiel Bisphenol A oder auch andere gefährliche Stoffe überhaupt ersetzen? Man kann sie im Prinzip ersetzen. Man muss aber häufig dann auch das Material in dem sie drin sind oder für dessen Anwendung sie benötigt werden auch ersetzen. Und damit weiß man natürlich nicht, was mit der nächsten Substanz in den Verkehr gebracht wird und welche Probleme damit dann auftauchen. Wir wissen jetzt inzwischen von vielen Substanzen - ungefähr 15 – die auf das Hormonsystem wirken und die uns große Besorgnis verursachen. Wobei ja die Datenlage nicht so ist, dass wir schon strikte Ablehnungen oder Zustimmungen im Sinne der Weiterverwendung aussprechen können. Interview: Daniela Levy

    • 16.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 2
  • Im Gespräch: Dr. Michael Geffert, Astronom, Univer

    Im Gespräch: Dr. Michael Geffert, Astronom, Univer Neue Folge

    Michael Geffert ist Koordinator in Deutschland für das Internationale Jahr der Astronomie. DW-TV: Ich freue mich Ihnen bei uns im Studio den Astronomen Herrn Dr. Michael Geffert vorzustellen zu dürfen. Herr Geffert, glauben Sie, dass es da draußen irgendwo Leben gibt? Michael Geffert: Ja, ich persönlich würde diese Frage immer mit „Ja“ beantworten. Ich denke, das Universum ist so riesig, dass es irgendwo einen Planeten um einen Stern gibt wo sich vermutlich, ähnlich wie auf der Erde, Lebewesen entwickelt haben. DW-TV: Ähnlich wie auf der Erde? Hieße das sogar intelligentes Leben oder denken Sie, dass da vielleicht nur grüner Schleim auf der Oberfläche ist? Michael Geffert: Ja, ich denke mit dem Schleim wird es wohl anfangen, dass heißt es gibt sicherlich nach meinen Vorstellungen einige Planeten, wo vielleicht so was ist wie Primitivformen des Lebens. Aber ich denke auch auf die Gesamtheit des Universums gerechnet, dass es doch auch irgendwo Lebewesen gibt, die intelligent sind, so intelligent, dass sie zum Beispiel auch Nachrichten aussenden können. DW-TV: Haben Sie die Hoffnung, dass man vielleicht eines Tages solche Nachrichten empfangen kann? Michael Geffert: Die Hoffnung ist leider nicht sehr groß. Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass die Entfernungen im Universum eben so groß sind. Wenn wir nur von unserer Milchstraße sprechen, dann ist das so, dass das Licht, was ja das Schnellste ist was wir kennen, von der einen Seite zur anderen Seite hunderttausend Jahre braucht. Aber in den entfernteren Galaxien braucht das Licht noch viel länger, das heißt, dass die Signale auf dem Weg zu uns schwächer werden, wenn sie nicht ganz stark gebündelt sind. Und deswegen ist die Chance, dass wir wirklich Kontakt aufnehmen und vielleicht Botschaften hin und her schicken, eigentlich gleich Null. DW-TV: Und wer weiß schon, ob nach hunderttausend Jahren, wenn ein Signal so lange unterwegs war, ob diese Zivilisation dann überhaupt noch existiert? Michael Geffert: Das ist in der Tat noch eine andere Frage, die auch sicherlich bei solch großen Zeitskalen eine Rolle spielt, ob die Zivilisation sich halten kann, wie lange sie sich halten kann. Das sind Fragen auf die wir heute keine Antwort wissen. DW-TV: Auf der Erde hat sich das intelligente Leben ja in solchen Formen entwickelt, wie Sie und ich sie darstellen. Wir haben zwei Beine, zwei Arme, der Kopf sitzt oben drauf, zwei Augen besitzen wir. Glauben Sie, dass es in dieser Welt vielleicht auch eine ganz andere Form von Leben oder intelligentem Leben geben kann, die ganz anders aussieht? Michael Geffert: Also ich denke, diese Frage müsste man eigentlich einem Biologen stellen, der vielleicht ein bisschen abschätzen kann, was möglich ist und was nicht möglich ist. Zum Beispiel durch die Schwerkraft, die ja immer vorhanden ist und wie sich da so etwas entwickeln kann. Sonst erlebe ich, da ich sehr viel Astronomie auch mit Kindern mache, dass die Kinder ihre ganze Phantasie da dann ausleben. Das Schöne bei den Kindern ist, dass die Aliens, wenn ich sie mal so nennen darf, auch durchaus gutartig sind und nicht immer nur diesen „Touch“ des Gruseligen haben. DW-TV: Was würde denn eigentlich mit uns Menschen passieren, wenn wir in der Tat diese Aliens finde? Wäre das eine Art Demütigung für uns, so wie es eben Kopernikus gegeben hat, dass er gesagt hat: „Ihr seid nicht im Mittelpunkt!“. Und Darwin hat gesagt: „Ihr seid doch sehr affenähnlich!“. Also, Demütigung oder Freude? Michael Geffert: Ich würde schon sagen „Freude“, „Demütigung“ auf keinen Fall, denn ich denke, dass jeder Mensch für sich ein solches Wunderwerk ist, dass man eigentlich, egal was man noch alles an anderem Lebewesen findet, immer davon sprechen muss, dass der Mensch doch auch irgendwie wunderbar ist. DW-TV: Aber wir würden dann natürlich feststellen, dass wir plötzlich nicht mehr die Einzigen sind. Wir würden von diesem Thron gestoßen. Michael Geffert: Ja, ich denke für manche Bereiche hat das sicher Konsequenzen, für unser philosophisches Selbstverständnis zum Beispiel, vielleicht auch für die Theologie. Was bedeutet es, wenn jetzt woanders auch Lebewesen sind? Wie könnte sich ein Gott dort offenbart haben? Ich denke, da gibt es einige wirklich ganz interessante Fragen und ich glaube, dass sich unser gesamtes Weltbild ordentlich verändern würde. DW-TV: Wir beantworten diese Fragen, wenn wir die Aliens gefunden haben. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Geffert!

    • 13.11.09
    • Kommentare: 0
    • Stimmen: 1
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