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Kluge Köpfe - der Paläontologe Krister T. Smith
Läuft geradeNeue FolgeUnter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Wissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen. Von Hannah Holunder. Krister T. Smith ist 33 Jahre alt und in Kalifornien aufgewachsen. Als Austauschstudent kam er nach Deutschland, jetzt arbeitet er hier als Postdoc, am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt/Main. Doch der wirkliche Ort für seine Forschung ist ein ehemaliger Tagebau: die Grube Messel, eine wahre Fundgrube für versteinerte Reste urzeitlicher Lebewesen. Vor allem Reptilien sind es, die dem Forscher helfen sollen, Fragen zur Evolution und zur Klimageschichte zu beantworten.
Im Gespräch: Prof. Rolf-Dieter Heuer, Generaldirektor des CERN
Läuft geradeNeue FolgeDer Chef des Forschungszentrums CERN würde sich freuen, wenn mit dem LHC Schwarze Löcher produziert werden: "Denn es wäre etwas völlig Neues. Es wären aber Schwarze Mikrolöcher. Die haben überhaupt nichts mit denen im Weltall zu tun."DW-TV: Der 19. September vergangenen Jahres war ein schwarzer Tag des CERN, denn da ist der LHC leider mit seinem Ring zusammengebrochen. Welche Auswirkungen hatte das Ganze? Wie dramatisch ist das für die Mitarbeiter? Rolf-Dieter Heuer: Es ist insofern für die Mitarbeiter dramatisch, dass sie noch mehr arbeiten müssen. Und das tun sie auch schon seit einem Jahr. Wir stehen fast vor der Vollendung, nicht nur der Reparaturarbeiten, das wäre schneller gegangen, aber wir wollen ja vermeiden, dass so etwas wieder passiert. Das heisst, wir mussten neue Elektronik einbauen, die uns genau sagt, wann so ein Ereignis eventuell wieder passieren könnte. Das müssen wir vermeiden, und dafür tut jeder alles. DW-TV: Sie müssen enorm frustriert gewesen sein. Alle warten auf das große Ereignis, und dann bricht alles zusammen. Viele Forscher möchten ja schließlich auch ihre Doktor- oder Diplomarbeit beenden. Rolf-Dieter Heuer: Das ist richtig. Für manche Leute bedeutet es natürlich eine leichte Verzögerung. Aber Teilchenphysiker sind an lange Zeitskalen gewöhnt. Und zusätzlich hat es den Effekt gebracht, dass die Leute, die jetzt auf Daten warten, auch mithelfen, die Maschine wieder auf Vordermann zu bringen. Insofern hat sich die Zusammenarbeit noch verstärkt, und das ist für mich ein positiver Effekt dieses Unfalls. In einem Jahr werden wir die Konkurrenz überholt haben DW-TV: An anderer Stelle wird ebenfalls geforscht, beispielsweise in Chicago, mit dem Teilchenbeschleuniger Tevatron. Dort sucht man auch nach dem Higgs-Teilchen. Könnten die Ihnen zuvorkommen? Rolf-Dieter Heuer: Die könnten uns rein theoretisch zuvorkommen. Aber wenn ich als reiner Wissenschaftler spreche und nicht als Chef des CERN, dann ist es eigentlich egal, wo etwas gefunden wird, Hauptsache, man macht einen Fortschritt in der Wissenschaft. Als Chef des CERN muss ich natürlich sagen, lieber bei uns als woanders. Und die Chancen stehen sehr gut. Etwa in einem Jahr werden wir das Tevatron ein- oder überholt haben. Wir brauchen das Higgs-Teilchen DW-TV: Was passiert eigentlich, wenn Sie das Higgs nicht finden? Heißt es dann, dass die Physik, so wie wir sie bisher kennen, falsch ist? Rolf-Dieter Heuer: Sie ist nicht falsch. Das meiste davon stimmt ja. Unser Standardmodell ist sehr gut überprüft. Wir brauchen nur noch einen Mechanismus, der uns erklärt, wie die Elementarteilchen zu ihrer Masse kommen. Und da hat eben Higgs zusammen mit den belgischen Physikern Brout und Englert einen sehr schönen Mechanismus, einen Formalismus eingeführt, der sehr schlüssig ist. Als Folge dessen brauchen wir dieses Higgs-Teilchen. Und das liegt voll im Bereich des LHC. Wenn wir das Higgs-Teilchen nicht finden, müssen wir etwas anderes finden, was denselben Effekt hat – genau im gleichen Energiebereich. Das heißt, wir definieren dann nicht um, sondern wir finden einfach einen anderen Formalismus. DW-TV: Würden Sie darauf wetten, dass man es hier im LHC finden kann? Rolf-Dieter Heuer: Darauf würde ich wetten, aber was es ist, darauf würde ich nicht wetten. Ich bin Schwabe, und ich wette nur, wenn ich weiß, dass ich gewinne. Schwarze Mikro-Löcher sind keine Gefahr DW-TV: Es gibt Forscher, die behaupten, der LHC könnte Schwarze Löcher produzieren, so wie sie im Weltraum existieren. Uns gruselt es ja ein bisschen bei der Vorstellung. Wie ist das für einen Physiker? Würde es Sie freuen, wenn am LHC auch Schwarze Löcher entstehen? Rolf-Dieter Heuer: Ja, denn es wäre etwas völlig Neues. Es wären aber keine Schwarzen Löcher, es wären Schwarze Mikro-Löcher. Die haben überhaupt nichts mit den Schwarzen Löchern im Weltall zu tun. Es sind quasi anders geartete Elementarteilchen, die wir erzeugen und die sofort wieder zerfallen. Jetzt fragen Sie mich sicherlich nach der Gefahr dieser Schwarzen Löcher. Das Universum existiert seit knapp 14 Milliarden Jahren. In diesen 14 Milliarden Jahren werden sämtliche Sterne, die Erde, der Mond, alles wird bombadiert mit hochenergetischer, sogenannter kosmischer Höhenstrahlung, zum Teil mit Energien weit höher, als wir sie beim LHC jemals erreichen können. Und diese millionen-, milliardenfachen Beschüsse pro Sekunde haben noch kein solches gefährliches Schwarzes Mikro-Loch erzeugt. Ich bin sicher, dass wir etwas Neues finden DW-TV: Mal angenommen, man findet hier keine Schwarzen Löcher, man findet auch kein Higgs-Teilchen, man findet vielleicht nicht einmal geheimnisvolle Susy-Teilchen: Was würde das bedeuten für die Entwicklung von weiteren Beschleunigern? Wäre das das Ende dieser Art von Physik? Rolf-Dieter Heuer: Wenn wir gar nichts Neues finden würden, dann wäre es sehr schwer zu begründen, warum man noch neue Beschleuniger bräuchte. Ich bin aber absolut sicher, und darauf würde ich wetten, dass wir etwas Neues am LHC finden. Und dann wissen wir auch, welchen nächsten Schritt wir gehen müssen. DW-TV: Herr Heuer, ich wünsche Ihnen viel Erfolg, dass die Maschine diesmal absolut rund läuft. Rolf-Dieter Heuer: Ich halte nur noch die Daumen. Ich mache nichts anderes mehr. (Interview: Ingolf Bauer)
Studiogast zum Thema Placebo-Effekt
Läuft geradeNeue FolgePlacebos zeigen, welche Selbstheilungskräfte in den Menschen schlummern."DW-TV: Herr Doktor Ellis Huber ist bei uns. Er ist Gesundheitsexperte, er ist Mediziner, er ist ein streitbarer Geist für ein besseres Gesundheitssystem. Hallo Herr Huber! Ellis Huber: Guten Tag Herr Baur. Nun haben wir gerade gesehen, es gibt ja fantastische Wirkungen, was Placebo erreichen kann. Bedeutet das vielleicht, dass wir überhaupt keinen Arzt mehr brauchen, keinen Gott in Weiß mehr, sondern dass wir auch zu einem Schamanen gehen können mit Federboa, der uns genauso heilt? Selbstverständlich gibt es dort auch gewisse Wege der Heilung. Placebos zeigen doch, welche Selbstheilungskräfte in den Menschen, in den natürlichen Bedingungen, schlummern. Und Leben ist keine Maschine, deswegen müssen wir bereit sein, uns respekt- und ehrfurchtsvoll zu wundern, über das, was alles möglich ist. Das können wir auch als neues Heilmittel einsetzen. Wir setzen ja hierzulande sehr stark auf Pillen, auf Spritzen, auf heftige pharmazeutische Substanzen. Heißt das, wir überschätzen möglicherweise deren Effekt? Es ist heute ziemlich eindeutig, dass die Wirkung von Pillen überschätzt, und die Wirkung von mentalen und emotionalen Kräften unterschätzt wird. Psychopharmaka haben oftmals eine Wirkung, die mit einem Schamanenritual ebenso erreicht werden kann. Das anzunehmen und zu erkennen ist nicht schlimm, sondern zeigen uns neue Chancen. Aber Placebo wird mit Sicherheit nicht alles können? Krebs heilen mit einem Placebopräparat zum Beispiel, funktioniert das? Nein! Ich glaube, wir dürfen nicht denken, dass man heilen kann indem man etwas gibt. Sondern wir können Lebensprozesse modellieren. Wir können etwas steuern, aber wir sind nicht die Herren über das Leben, sondern wir dienen eher Entwicklungsprozessen. Auch bei Krebs wissen wir, dass es Spontanremissionen gibt. Wir wissen oft nicht warum, aber es macht doch Sinn hinzugucken, was bei diesen Menschen geschieht, die ihren Krebs verlieren. Kann man denn verstehen, wie Placebo eigentlich abläuft, wie es funktioniert? In unserem Gehirn muss es eine Art von Steuerung geben, die dann eine Art körpereigener Apotheke befehligt. Na klar! Die Apotheke des einzelnen Menschen ist sein Gehirn, und das Gehirn ist in der Lage, alle möglichen chemischen Substanzen oder auch physikalische Bedingungen zu schaffen, zu modifizieren im eigenen Körper. Und klar: der Glaube versetzt Berge, und der richtige Glaube kann körperliche Kräfte verstärken, das ist so! Reagieren da die Menschen überall gleich eigentlich? Nein, es gibt unterschiedliche Kulturen, wo man unterschiedlich reagiert. Die Brasilianer sind relativ unempfindlich bei Tablettenplacebos. Andere Kulturen sind sehr sensibel bei Operationsplacebos. Von Leistungssportlern wissen wir, dass sie mit mentalen Kräften, mit autosuggestiven Methoden Spitzenleistung erreichen; auch das sind Kräfte... ... aber auch mit der Spritze natürlich... Ich finde, wenn man mit der körpereigenen Chemie heilsame Wege geht, ist das besser, als wenn von außen chemische Stoffe zugeführt werden müssen. Ganz kurz! Wie kann man diesen Placeboeffekt denn gezielt nutzen? Ankurbeln sozusagen? Gibt es da eine Möglichkeit? Da gibt es viele Möglichkeiten! Klar ist, dass die Zuwendung von Arzt zum Patienten Bedeutung hat. Und wir können auch experimentieren, wir können dem Menschen auch beibringen, dass ihre Selbstheilungskraft sinnvoll und wirksam eingesetzt werden kann. Haben Sie vielen Dank für das Gespräch, Herr Huber! Interview: Ingolf Baur
Im Gespräch: Josef Köhrle, Endokrinologe, Charité
Läuft geradeNeue FolgeBisphenol A ist eine problematische Substanz, weil sie mit dem Hormonsystem interagiert. Auch eine Glasflasche ist nicht Bisphenol A frei, da versteckt sich die Chemikalie nämlich im Verschluss. Der Hormonforscher, Josef Köhrle von der Charité kann uns mehr darüber sagen. Herr Köhrle, für wie gefährlich halten Sie denn Bisphenol A? Josef Köhrle: Ich halte das für eine der problematischen Substanzen, die zur Zeit in unserer Umwelt relevant wird, weil sie mit dem Hormonsystem interagiert. Und weil wir mittlerweile wissen, dass zentrale Moleküle in den Zellen beeinflusst werden, was Auswirkungen hat auf das Zellwachstum, auf die Zellfunktion und auch auf die Entwicklung von Tier und Mensch insgesamt. Jetzt ist Bisphenol A eine der meist untersuchten Chemikalien überhaupt – trotzdem gibt es sehr viele Studien und auch Fachleute, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Das haben wir auch im Beitrag kurz gesehen. Warum ist das so? Ist das so schwer zu untersuchen? Ja. Es muss zuerst das Problem erkannt werden und es muss dann festgestellt werden, dass das Problem auch relevant ist. Und das ist mittlerweile relevant, weil die Substanzen, in denen Bisphenol A mit verwendet wird, immer häufiger in den Produkten unseres alltäglichen Lebens vorkommen. Und wir kennen erst seit wenigen Jahren einige Modellsysteme - zum Beispiel Tierversuche oder Zellversuche - an denen wir die Wirkung auch untersuchen können, um als Spezialisten dann auch Erklärungen zu geben, warum eine Substanz gut oder schlecht ist, positive oder negative Wirkung hat. Sie sagten gerade am Anfang, das Problem müsse ja erst einmal als solches erkannt werden. Das ist ja generell die Schwierigkeit. Es wird ja immer wieder etwas entdeckt, was sehr schädlich ist für uns, aber schon über Jahre verwendet wird. Warum wird so was im Vorfeld nicht besser untersucht? Fehlt es da an Methodik? Es fehlt auch an Methodik. Zum Beispiel die Wirkung im Hormonsystem können wir erst seit wenigen Jahren gut untersuchen, weil wir erst seit wenigen Jahren die Zielmoleküle der Hormonwirkung in der Zelle kennen. Und zum anderen kommen natürlich neue Substanzen in den Verkehr. Da sind mehrere zu nennen: UV-Schutzmittel beispielsweise oder Antifäulnismittel, die ja beim Schiffsanstrich verwendet werden. Die setzen zum Beispiel Substanzen frei, von denen wir heute wissen, dass sie die Zellentwicklung, die Zellfunktion beeinträchtigen und das Hormonsystem stören oder auch sogar mit Verhaltensänderungen bei Tieren und auch möglicherweise beim Menschen in Beziehung gesetzt werden. Und diese Schiffsanstriche, die kommen ins Meer, dann in den Fisch. Wir essen den Fisch und so haben wir schließlich den Salat. Richtig, die Nahrungskette! Und viele dieser Substanzen sind ja auch fettlöslich und so besteht die Gefahr, dass sie sich im Körper anreichern. Kann man denn zum Beispiel Bisphenol A oder auch andere gefährliche Stoffe überhaupt ersetzen? Man kann sie im Prinzip ersetzen. Man muss aber häufig dann auch das Material in dem sie drin sind oder für dessen Anwendung sie benötigt werden auch ersetzen. Und damit weiß man natürlich nicht, was mit der nächsten Substanz in den Verkehr gebracht wird und welche Probleme damit dann auftauchen. Wir wissen jetzt inzwischen von vielen Substanzen - ungefähr 15 – die auf das Hormonsystem wirken und die uns große Besorgnis verursachen. Wobei ja die Datenlage nicht so ist, dass wir schon strikte Ablehnungen oder Zustimmungen im Sinne der Weiterverwendung aussprechen können. Interview: Daniela Levy
Im Gespräch: Dr. Michael Geffert, Astronom, Univer
Läuft geradeNeue FolgeMichael Geffert ist Koordinator in Deutschland für das Internationale Jahr der Astronomie. DW-TV: Ich freue mich Ihnen bei uns im Studio den Astronomen Herrn Dr. Michael Geffert vorzustellen zu dürfen. Herr Geffert, glauben Sie, dass es da draußen irgendwo Leben gibt? Michael Geffert: Ja, ich persönlich würde diese Frage immer mit „Ja“ beantworten. Ich denke, das Universum ist so riesig, dass es irgendwo einen Planeten um einen Stern gibt wo sich vermutlich, ähnlich wie auf der Erde, Lebewesen entwickelt haben. DW-TV: Ähnlich wie auf der Erde? Hieße das sogar intelligentes Leben oder denken Sie, dass da vielleicht nur grüner Schleim auf der Oberfläche ist? Michael Geffert: Ja, ich denke mit dem Schleim wird es wohl anfangen, dass heißt es gibt sicherlich nach meinen Vorstellungen einige Planeten, wo vielleicht so was ist wie Primitivformen des Lebens. Aber ich denke auch auf die Gesamtheit des Universums gerechnet, dass es doch auch irgendwo Lebewesen gibt, die intelligent sind, so intelligent, dass sie zum Beispiel auch Nachrichten aussenden können. DW-TV: Haben Sie die Hoffnung, dass man vielleicht eines Tages solche Nachrichten empfangen kann? Michael Geffert: Die Hoffnung ist leider nicht sehr groß. Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass die Entfernungen im Universum eben so groß sind. Wenn wir nur von unserer Milchstraße sprechen, dann ist das so, dass das Licht, was ja das Schnellste ist was wir kennen, von der einen Seite zur anderen Seite hunderttausend Jahre braucht. Aber in den entfernteren Galaxien braucht das Licht noch viel länger, das heißt, dass die Signale auf dem Weg zu uns schwächer werden, wenn sie nicht ganz stark gebündelt sind. Und deswegen ist die Chance, dass wir wirklich Kontakt aufnehmen und vielleicht Botschaften hin und her schicken, eigentlich gleich Null. DW-TV: Und wer weiß schon, ob nach hunderttausend Jahren, wenn ein Signal so lange unterwegs war, ob diese Zivilisation dann überhaupt noch existiert? Michael Geffert: Das ist in der Tat noch eine andere Frage, die auch sicherlich bei solch großen Zeitskalen eine Rolle spielt, ob die Zivilisation sich halten kann, wie lange sie sich halten kann. Das sind Fragen auf die wir heute keine Antwort wissen. DW-TV: Auf der Erde hat sich das intelligente Leben ja in solchen Formen entwickelt, wie Sie und ich sie darstellen. Wir haben zwei Beine, zwei Arme, der Kopf sitzt oben drauf, zwei Augen besitzen wir. Glauben Sie, dass es in dieser Welt vielleicht auch eine ganz andere Form von Leben oder intelligentem Leben geben kann, die ganz anders aussieht? Michael Geffert: Also ich denke, diese Frage müsste man eigentlich einem Biologen stellen, der vielleicht ein bisschen abschätzen kann, was möglich ist und was nicht möglich ist. Zum Beispiel durch die Schwerkraft, die ja immer vorhanden ist und wie sich da so etwas entwickeln kann. Sonst erlebe ich, da ich sehr viel Astronomie auch mit Kindern mache, dass die Kinder ihre ganze Phantasie da dann ausleben. Das Schöne bei den Kindern ist, dass die Aliens, wenn ich sie mal so nennen darf, auch durchaus gutartig sind und nicht immer nur diesen „Touch“ des Gruseligen haben. DW-TV: Was würde denn eigentlich mit uns Menschen passieren, wenn wir in der Tat diese Aliens finde? Wäre das eine Art Demütigung für uns, so wie es eben Kopernikus gegeben hat, dass er gesagt hat: „Ihr seid nicht im Mittelpunkt!“. Und Darwin hat gesagt: „Ihr seid doch sehr affenähnlich!“. Also, Demütigung oder Freude? Michael Geffert: Ich würde schon sagen „Freude“, „Demütigung“ auf keinen Fall, denn ich denke, dass jeder Mensch für sich ein solches Wunderwerk ist, dass man eigentlich, egal was man noch alles an anderem Lebewesen findet, immer davon sprechen muss, dass der Mensch doch auch irgendwie wunderbar ist. DW-TV: Aber wir würden dann natürlich feststellen, dass wir plötzlich nicht mehr die Einzigen sind. Wir würden von diesem Thron gestoßen. Michael Geffert: Ja, ich denke für manche Bereiche hat das sicher Konsequenzen, für unser philosophisches Selbstverständnis zum Beispiel, vielleicht auch für die Theologie. Was bedeutet es, wenn jetzt woanders auch Lebewesen sind? Wie könnte sich ein Gott dort offenbart haben? Ich denke, da gibt es einige wirklich ganz interessante Fragen und ich glaube, dass sich unser gesamtes Weltbild ordentlich verändern würde. DW-TV: Wir beantworten diese Fragen, wenn wir die Aliens gefunden haben. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Geffert!
Kluge Köpfe - der Chemiker Emad Aziz Bekhit
Läuft geradeNeue FolgeUnter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Nachwuchs-wissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen.Der Ägypter Emad Aziz Bekhit forscht in Berlin am Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie. Seine Arbeit beschäftigt sich mit dem Verhalten von Atomen und Molekülen in wasserhaltigen Flüssigkeiten. Das ist Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse für viele Zwecke nutzbar sein können, etwa in der Pharmazie oder bei der Entwicklung von Solarzellen. Seit 10 Jahren lebt er in Berlin.
Neue Ansätze gegen Zivilisationskrankheiten
Läuft geradeNeue FolgeZivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck greifen immer stärker um sich. Neue Wege in der Medizin und der Vorbeugung können dagegen helfen, sagt der ehemalige Leiter der Charite, Detlev Ganten, im Gespräch mit DW-TV.DW-TV: Wir wissen, dass die Zahlen beim Bluthochdruck gewaltig ansteigen. Weltweit leiden rund eine Milliarde Menschen an Bluthochdruck. Ist ein Schrittmacher ein Weg um all diesen Leuten zu helfen? Detlev Ganten: Wir können natürlich nicht eine Milliarde Menschen mit diesen hochtechnisierten Geräten versorgen. Aber es ist eine sehr wirksame Methode. Normalerweise müssen wir Bluthochdruck natürlich nicht in der Klinik behandeln, sondern zu Hause. Entweder mit den Medikamenten, oder noch besser, ohne Medikamente durch Vorbeugemaßnahmen, wie z.B. Körpergewicht kontrollieren, mehr Sport machen, weniger Salz essen, nicht rauchen und vieles andere mehr. Was läuft denn eigentlich schief in unserer Welt, dass mittlerweile tatsächlich so viele mit dem Bluthochdruck zu kämpfen haben? Ja, was läuft schief? Unser Körper entsteht ja nicht, wenn er geboren wird. Sondern die Biologie des Körpers ist so alt wie das Leben an sich: 3,5 Milliarden Jahre tragen wir in unserem Erbgut mit - das Erbe des Lebens, der Lebensentstehung. Und die Biologie hat sich nicht so schnell weiterentwickelt, wie unsere zivilisatorischen, kulturellen Lebensumstände. Daraus entstehen die Zivilisationskrankheiten, das heißt die Diskrepanz zwischen dem Auseinanderentwickeln von Biologie auf der einen Seite und der Umgebung, in der wir leben, auf der anderen Seite. Bluthochdruck ist eine solche Zivilisationskrankheit. Zu wenig Bewegung Das heißt, wir sitzen heute einfach zu viel in unseren Büros und gehen zu wenig auf die Jagd, bewegen uns zu wenig und haben vielleicht auch bei der Ernährung einiges falsch gemacht… ... ja, ich pflege immer zu sagen, der Mensch lief – als er zum Menschen, zum Homo Sapiens wurde, sich aus der Savanne in Afrika weiterentwickelte zum Kulturwesen – zunächst vor den großen Tieren weg und hinter den kleinen Tieren her, um seine Ernährung sicherzustellen. Und das machen wir nicht mehr. Wir gehen heute irgendwo hin und kaufen etwas. Und wir kaufen Zuckerbomben und wir trinken zu süße Getränke. Wir bewegen uns nicht genug. Und in der Tat, das bekommt unserem Kreislaufsystem nicht gut. In der vergangenen Woche fand der Weltgesundheitsgipfel in Berlin statt. Sie sind der Präsident, es waren viele hochrangige Wissenschaftler dabei. Generell ging es eher um globale Gesundheit. Aber auch die individualisierte Medizin war dort Thema. Gibt es da eine Verbindung und vielleicht die Hoffnung, dass man auch Bluthochdruck mit Hilfe der individualisierten Medizin besser behandeln kann? Ja, die Genomforschung macht natürlich Riesenfortschritte, das war auch ein Thema. Wir können in Zukunft das menschliche Genom für 1000 Euro wahrscheinlich für den einzelnen Patienten sequenzieren. Daraus werden sich wichtige Hinweise ergeben für genetische Risikofaktoren und natürlich dann auch für eine individualisierte, personalisierte Medizin. Neue Medikamente können möglicherweise entwickelt werden. Entscheidend ist aber bei der personalisierten Medizin nicht nur die Hochtechnisierung, sondern auch die persönliche Verantwortung. Wenn wir eigene Risiken kennen, dann können wir uns auch sehr spezifisch natürlich darauf einstellen und selbst verantwortlich für die eigene Gesundheit sorgen. Das ist genauso wichtig, wie der medizinische Eingriff. Bessere Vorbeugung durch Individualmedizin Wobei individualisierte Medizin ansonsten heißt, dass man aufgrund des eigenen Genprofils vielleicht eher entscheiden kann, welche Medikamente besser wirken? Sie können aufgrund des Genprofils bei Bluthochdruck, aber bei vielen anderen Krankheiten auch, bei Krebs zum Beispiel, ganz spezifische Medikamente auswählen, die dann auch wirken. Und in der Dosierung dann auch die richtige Wahl darstellen. Wird man eines Tages vielleicht dazu kommen, dass man direkt nach der Geburt einen kompletten Gencheck macht, um alle Anlagen auszuloten, die vorliegen und dann entsprechend zu leben? Es wird technisch möglich sein, aber da muss man, wie bei der anderen Apparate– und Labormedizin, natürlich darauf achten, dass kein Missbrauch betrieben wird, dass es in den richtigen Händen bleibt. Und das ärztliche Gespräch bleibt immer unersetzbar. Interview: Ingolf BauerRedaktion: Ranty Islam
Im Gespräch: Dr. Gabriele Schönherr, Astrophysiker
Läuft geradeNeue Folge"Das Universum können wir nur in seiner Gesamtheit verstehen" Warum ist es gut, Geld in Weltraumforschung zu stecken und neue, riesige Teleskope zu bauen? - Über den Nutzen der Astronomie ein Gespräch mit Dr. Gabriele Schönherr, Astronomin am Astrophysikalischen Institut Potsdam DW-World.de: Glauben Sie, dass das geplante europäische Extremely Large Telescope ELT Revolutionäres entdecken wird - eine zweite Erde oder gar Leben? Gabriele Schönherr: Auf jeden Fall, denn ELT versucht, fundamentale Fragen der Astronomie, wenn nicht gar der Menschheit, zu enträtseln: Woher kommen wir? Woher kommt das Universum? Wohin gehen wir hin? Und sind wir allein in der Welt? Sie glauben, dass wir wahrscheinlich nicht allein sind? Warum nicht? Man hat ja schon sehr viele Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt, die waren nur nie so richtig als zweite Erde geeignet. Mit ELT nutzt man jetzt eine ganz neue Technik, eine Nobelpreistechnik von 2005 aus der Quantenoptik: Damit können wir plötzlich ganz kleine Sternenbewegungen aufspüren, die quasi durch den Schubs eines erdähnlichen Planeten entstehen. Das wird die Anzahl an Kandidaten enorm erhöhen. Ein Röntgenteleskop sieht andere Dinge Warum braucht man neue Teleskope auf der Erde? Warum nehmen wir z.B. nicht das Weltraumteleskop Hubble und bauen diese Technik weiter aus? Hier auf der Erde müssen wir ja durch eine Atmosphäre schauen, das müssen wir mit einem Weltraumteleskop nicht. Sie haben ein Problem im Weltraum: Sie können keine schweren Dinge hochbringen, und deshalb sind Sie in der Spiegelgröße limitiert. Der Durchmesser des Hubble-Spiegels beträgt 2,5 m, der des ELT-Spiegels 42 m. Sie erforschen Sterne mit dem Röntgenteleskop. Was sehen Sie anderes als wir, wenn wir in den Sternhimmel schauen? Der Himmel sieht in jedem Spektrum anders aus. Das ist ein bisschen so, wie wenn der Arzt von einem Patienten ein Röntgenbild machen will und der dann sagt: Nehmen Sie doch das Bild von meinem Kopf, das ich mit meiner Videokamera gemacht habe, das sieht schöner aus. - Mit einem Röntgenteleskop sehen Sie auch andere Dinge. Ich will z.B. Neutronensterne sehen, die leuchten im Röntgenbereich. Was interessiert Sie daran? Neutronensterne sind extreme Objekte. Sie sind sehr kompakt und haben eine gewaltige Anziehungskraft, fast so stark wie ein Schwarzes Loch. Schwarze Löcher sehen Sie gar nicht mehr, Photonen entkommen Ihnen nicht. Das Licht von Neutronensternen sehen wir gerade noch. Und mit diesem Licht können wir eine ganz extreme Physik untersuchen. Was macht der Neutronenstern? Was bringt es uns, zu wissen, was in einem Neutronenstern geschieht? Das Universum können wir nur in seiner Gesamtheit verstehen. Wir müssen verstehen, wie die Sterne entstehen, wie sie sich entwickeln und wie sie vergehen. Es mag uns vielleicht nicht jeden Tag interessieren, was Neutronenstern A oder B macht. Aber wenn Sie zu den tieferen Fragen vorstoßen wollen, dann brauchen Sie ein gesamtheitliches Verständnis. Wenn wir die Astronomie weltweit vergleichen - wie steht Europa da? Europa steht sehr gut da. Mit dem Very Large Telescope betreibt die Europäische Südsternwarte ESO das zur Zeit leistungsfähigste Teleskop der Welt. Und wenn das ELT kommt, dann haben wir auch den größten Spiegel, mit 42 m. Die Amerikaner planen gerade mal ein 30-m-Teleskop.
Galileos Enkel - kühne Pläne für die Teleskope von
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Andreas Neuhaus Europäische Forscher entwickeln das Extremely Large Telescope. 2017 soll es in Betrieb gehen und 100mal empfindlicher sein als heutige Teleskope. Doch das ist nicht das Ende der Entwicklung. Sein Spiegel soll 42 m Durchmesser haben und einen ganz neuen Blick ins Universum liefern: das European Extremely Large Telescope (EELT), ein Projekt der Europäischen Südsternwarte ESO. Matthias Steinmetz, Wissenschaftler am Astrophysikalischen Institut Potsdam, ist einer der Teleskop-Entwickler. Als Sternenforscher hat er eine klare Vorstellung vom EELT: Es muss möglichst groß sein. "Je mehr Licht man sammeln kann, desto schwächere Objekte kann man sehen und desto tiefer kann man ins Universum hineinschauen.“ Formbar wie eine Gummilinse Mit dem EELT werden die Forscher dazu den gesamten Bereich des sichtbaren Lichtes und einen Teil der unsichtbaren Infrarot-Strahlung ausnutzen können - also alle Strahlung, die durch die Atmosphäre zur Erde gelangt. Allerdings besteht ein Problem: Bei seinem Weg durch die Luft- und Wasserdampfhülle der Erde wird das Licht abgelenkt, die Bilder aus dem Weltall werden unscharf. Die Lösung dafür hat ein Forscherteam um Markus Kissler-Patig gefunden: die sogenannte adaptive Optik. Der Astronom bei der Europäischen Südsternwarte ESO lenkt das Licht vom großen Teleskopspiegel auf einen zweiten, kleineren Spiegel. Und dieser Spiegel ist nicht glatt, sondern verformbar wie eine Gummilinse. Stürmischer Standort Hundert Mal pro Sekunde wird seine Form durch eine entsprechende Mechanik verändert, ein Computer berechnet, wie die Verformung genau aussehen muss. Das Ergebnis: die verzerrten Bilder sind wieder entzerrt. Kissler-Patig: "Ein Bild, das sonst wie ein Fladen aussehen würde, ist dann gestochen scharf.“ Eine besondere technische Herausforderung ist das Gießen des Spiegels. Einen Durchmesser von 8 Metern können die Hersteller noch bewältigen. Aber bei 42 Metern ist das unmöglich. Deshalb wird der Hauptspiegel des EELT in 984 kleine Spiegel aufgeteilt. Und jeder Teilspiegel ist einzeln justierbar. Die Konstrukteure müssen auch darauf achten, dass das Teleskop erdbebenfest und sturmsicher gebaut wird. Denn einer der möglichen Standorte ist die oft stürmische Hochebene Chajnantor in Chile. Hier baut die ESO bereits an einer anderen Teleskopanlage: ALMA soll aus 64 Radio-Antennen bestehen und das Universum im Radiowellenbereich durchleuchten. Suche nach Leben im All Von ALMA und EELT zusammen versprechen sich die Astronomen dann fundamentale Erkenntnisse. Kissler-Patig: "Sind wir alleine? Gibt es noch Leben außerhalb unseres Sonnensystems und unserer Erde? Das ist eine der Hauptfragen, die wir beantworten wollen.“ Und das lassen sich die Europäer auch einiges kosten: Entwicklung, Bau und Betrieb des EELT werden 800 Millionen Euro verschlingen. Dafür bekommen sie dann aber auch ein Instrument, von dem Galileo Galilei wohl nur träumen konnte, vor 400 Jahren, als er zum ersten Mal durch ein Fernrohr blickte.
Kluge Köpfe: die Geologin Yamirka Rojas-Agramonte
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Andreas Neuhaus Unter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen. Die Kubanerin Yamirka Rojas-Agramonte forscht an der Universität Mainz. Die Frage, die sie beschäftigt: Wie sind Kuba und die anderen karibischen Inseln entstanden? Und welche Rolle haben dabei die verschiedenen Kontinentalplatten gespielt? In ihrer Heimat, so sagt sie, steckt diese Forschung noch in den Anfängen. Ihre Forschungsergebnisse könnten in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, weil sie die Suche nach Bodenschätzen erleichtern.
CERN - die Reise zum Anfang der Welt
Läuft geradeNeue FolgeDer Countdown läuft: Mitte November soll in Genf endlich der größte Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb gehen. Nach einem Fehlstart im vergangenen Jahr hoffen die Forscher nun auf spektakuläre Ergebnisse. Ein Film von Cornelia BorrmannEin ringförmiger Tunnel, 27 Kilometer Umfang, 100 Meter tief unter der Erdoberfläche: Das ist das Herzstück des Teilchenbeschleunigers LHC. Wer ihn mit dem Fahrrad abfahren will, braucht eine Stunde. In Zukunft sollen hier die Kerne von Wasserstoff- und Bleiatomen kreisen, mit Höchstgeschwindigkeit, fast so schnell wie das Licht - 300.000 Kilometer in der Sekunde. Kollision im Feuerball Das geschieht in zwei Vakuum-Röhren, in denen sich die Atome in entgegengesetzter Richtung bewegen - bis zu dem Moment, auf den die Forscher so gespannt warten: Dann werden die Atomkerne mit voller Wucht aufeinanderprallen, es entsteht ein winziger, extrem heißer Feuerball, und die Atome zerbrechen in ihre Bestandteile. Vier Nachweisgeräte, die Detektoren, sollen dann die Eigenschaften der entstandenen Teilchen registrieren, z.B. Flugbahn und Energie. Zahlreiche Elektromagnete werden dafür sorgen, dass die Atomkerne auf ihrer Kreisbahn bleiben. Würden sie mit der Wand zusammenstoßen, wären die Folgen fatal: Die Forschungsmaschine würde zerstört. Explosion in der Kälte Um die Magnetfelder zu erzeugen, müssen die Elektromagneten tiefgekühlt werden, auf minus 269 Grad Celsius, kurz vor dem absoluten Nullpunkt. Das geschieht mit flüssigem Helium. Rund hundert Tonnen werden davon benötigt, niemand hat je mit so riesigen Mengen hantiert. Die Helium-Kühlung war es denn auch, die am 19. September 2008 zum Desaster führte: Eine defekte elektrische Kabelverbindung im Teilchenbeschleuniger erwärmte sich, und zwei Tonnen flüssiges Helium verdampften schlagartig. Die entstehende Druckwelle zerstörte zahlreiche Magnete und riss sie aus der Verankerung. Seitdem wird die Forschungsmaschine repariert. Existiert das Higgs-Teilchen? Das LHC-Projekt dient vor allem einem Zweck: das "Higgs-Teilchen" zu finden, benannt nach dem schottischen Physiker Peter Higgs, der es 1964 beschrieben hat. Nach seinen Vorstellungen ist das Higgs-Teilchen die Ursache dafür, dass alle Materieteilchen auch eine Masse besitzen. Bisher existiert es nur in der Theorie. Die Forscher am CERN wollen es nun endlich finden. Autorin: Cornelia Borrmann Redaktion: Klaus Dartmann
Vom Teilchenbeschleuniger zum Medizingerät
Läuft geradeNeue FolgeEs soll zum Fortschritt in der Krebsmedizin beitragen: ein neues, hochauflösendes Diagnosegerät zur Erkennung von Brustkrebs. Kern ist eine kleine Messsonde, die für den Beschleuniger in Genf entwickelt wurde. Ein Film von Kari Hauschke und Sascha QuaiserAm portugiesischen Krebsforschungszentrum in Porto wird der "Positronen-Emissions-Mammograph" (PEM) im praktischen Einsatz getestet. Er soll Brustkrebs besser erkennen können als seine Vorläufermodelle. Ein portugiesisches Konsortium hat ihn entwickelt. Selbst ein bis zwei Millimeter kleine Tumore würden noch entdeckt, erklärt der Leiter des Entwicklerteams. Und ausserdem koste das Gerät weniger als die bisherigen Geräte. Der neue PEM ist ein Beispiel für die Anwendung von Ergebnissen der Grundlagenforschung am CERN.
Forscheralltag am CERN: Die Physikerin Monica Pepe
Läuft geradeNeue FolgeTausende Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten am CERN. Die Italienerin Monica Pepe Altarelli ist eine von ihnen. Sie leitet eine Arbeitsgruppe beim LHCb-Experiment, mit dem die Forscher herausfinden wollen, warum das Universum hauptsächlich aus Materie und nicht aus Antimaterie besteht. Ein Film von Kari Hauschke. Was treibt die Experimentalphysikerin, die zunächst Architektin werden wollte, an? Wie sieht der Arbeitsalltag am CERN aus? Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Forschern aus aller Herren Länder?
Krebsforschung - das Geheimnis der Unsterblichkeit
Läuft geradeNeue FolgeWarum leben Krebszellen scheinbar ewig, und warum sterben andere Körperzellen nach einer gewissen Zeit ab? Fragen, denen die Molekularbiologin Maria Blasco am Spanischen Krebsforschungszentrum in Madrid nachgeht. Von Axel WagnerDie Antwort hat sie in den Chromosomen der Zellen gefunden. Deren Endstücke entscheiden darüber, wie alt eine Zelle werden kann. Diese Erkenntnis könnten einmal helfen, neue Krebsmedikamente zu entwickeln und vielleicht auch das Lebensalter von Zelle und Mensch zu verlängern.
Studiogast: Prof. Sarah Spiekermann, Wirtschaftsin
Läuft geradeNeue FolgeSarah Spiekermann, Wirtschaftsinformatikerin an der Wirtschaftsuniversität in Wien, beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. "Wir müssen uns heute schon darum bemühen, dass Menschen immer die letzte Kontrolle im Umgang mit der Maschine haben. Das heißt, der berühmte rote Aus-Knopf muss bei der Konstruktion immer berücksichtigt werden."DW-TV: Forschern ist es gelungen, lernende Roboter zu entwickeln, indem sie den Erfolgreichen erlaubt haben, ihre Programme an andere Roboter weiterzugeben. Man bemüht also ein natürliches Prinzip, nämlich die Evolution, um schneller zu Programmierergebnissen zu kommen. Ist das ein Trend? Sarah Spiekermann: Ich denke schon, dass es ein Trend ist, selbstlernende Maschinen zu entwickeln. Diese Maschinen reagieren intuitiver und manchmal sogar schneller und besser, als wenn Menschen mühsam die einzelnen Schritte programmieren. DW-TV: Das heißt, die Natur programmiert besser. Aber man weiß doch gar nicht so genau, was dabei eigentlich passiert. Sarah Spiekermann: Richtig. Der Nachteil ist, dass es schwer nachvollziehbar wird, warum eine Maschine so oder so agiert oder reagiert. Das ist insbesondere in der Interaktion zwischen dem Menschen und der Maschine problematisch. Hier muss man genau wissen, wie sich der Roboter, der intelligente Kühlschrank oder andere Objekte gegenüber dem Menschen verhalten werden. Wenn man das nicht genau weiß, wer kann dann für die Folgen einstehen? DW-TV: Nun wissen wir ja, dass Evolution keinen Endpunkt kennt. Und Sie sagen, wir geben hier die Kontrolle ab. Könnte es nicht sein, dass selbst-reproduzierende Roboter, die die Evolution weiter treiben, irgendwann so intelligent werden, dass sie die Macht übernehmen? Ist das Science Fiction? Sarah Spiekermann: Das ist sicherlich Science Fiction. Die Literatur gibt uns da viele Beispiele. Aber man muss unterscheiden, wo wir heute stehen und was Science Fiction bleiben wird. Trotzdem sollten wir uns heute schon darum bemühen, dass Menschen immer die Kontrolle und das letzte Wort im Umgang mit der Maschine haben. Der berühmte Rote Aus-Knopf oder das Signal "Nein" müssen bei der Konstruktion der Maschinen berücksichtigt werden. DW-TV: Maschinen treffen schon heute selbständig Entscheidungen, beispielsweise beim Autofahren. Es gibt bereits Autos, die den Abstand zum Vordermann messen und selbständig bremsen. Geht das schon zu weit? Sarah Spiekermann: Der Sicherheitsexperte und die Versicherungsgesellschaften würden argumentieren, dass solche Fahrzeuge sehr sinnvoll sind. Aber die Frage ist natürlich, inwiefern auch hier der Fahrer weiterhin Kontrolle über sein Auto wünscht. Warum sind Menschen nicht als gute Fahrer anerkannt ? Wenn jemand dieses selbstbremsende System nicht nutzen möchte: Hat er eine Möglichkeit, es abzustellen? DW-TV: Aber in diesem Fall, zur Vermeidung eines Unfalls, wollen wir doch, dass die Maschine uns eine Entscheidung abnimmt. Sarah Spiekermann: Hier überwiegt die Sicherheit. Aber es gibt andere Funktionen wie beispielsweise das Warngeräusch beim Anschnallen. Die Frage ist, warum zwingt mich mein Auto, dass ich mich anschnalle? Warum kann ich zum Beispiel beim Einparken das System nicht ausstellen? Wir müssen das letzte Wort dem Menschen überlassen, sonst haben wir sehr schnell einen Technologiepaternalismus, den wir uns nicht wünschen. (Interview: Ingolf Baur)
Kluge Köpfe - der israelische Wissenschaftler Guy Pe'er
Läuft geradeNeue FolgeUnter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Wissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen. Von Dana NovakGuy Pe'er ist 34 Jahre und stammt aus Israel. Er arbeitet in Leipzig am Umweltforschungszentrum. Dort beschäftigt er sich mit den Folgen, die der Rückgang des Brasilianischen Regenwaldes auf die Tierwelt hat.
Oscar - das Elektroauto der Zukunft
Läuft geradeNeue FolgeEin Elektroauto, alltagstauglich und mit sehr niedrigem Energieverbrauch - das soll OSCAR werden, der "Open Source Car", ein Forschungsauto. Von Cornelia BorrmannSeine Darmstädter Konstrukteure wollen mit ihm technische Probleme lösen, die beim Bau eines Elektrofahrzeuges auftreten: die Langlebigkeit und Temperaturregelung der Batterie, die Abstimmung mit dem Motor, die Konstruktion der Fahrzeugkabine. Oscar schafft 300 km mit einer Batterieladung. Ziel ist es, der Autoindustrie technische Lösungsmöglichkeiten für die Elektroauto-Entwicklung anzubieten.
Studiogast: Dr. Oliver Schwedes, Verkehrsexperte
Läuft geradeNeue FolgeOliver Schwedes arbeitet an der Technische Universität Berlin im Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung. Seine Forderung: Es reicht nicht aus, neue Elektroantriebe zu entwickeln und Verbrennungsmotoren effizienter zu machen: "Auch das Verkehrsverhalten muss sich ändern."DW-TV: Fahren Sie schon regelmäßig Elektroauto? Oliver Schwedes: Nein, leider nicht! DW-TV: Der Markt bietet auch noch nicht viele Modelle an. Warum eigentlich nicht? Oliver Schwedes: Die Autoindustrie hat da Entwicklungen verschlafen. Wir stehen noch am Anfang. Obwohl es in der Vergangenheit schon Anstrengungen gegeben hat, wurden diese abgebrochen. Und jetzt fangen wir wieder von vorne an. DW-TV: Dabei begann die Geschichte der Mobilität mit einem Elektroauto. Im 19. Jahrhundert war es schon mal richtig bedeutend. Was hat man konkret verschlafen? Die Batterieentwicklung? Oliver Schwedes: Die Batterieentwicklung insbesondere, auch da gab es schon Projekte in den 90iger Jahren. Deutschland hatte verschiedene Anstrengungen unternommen, aber dann hat die Autoindustrie entschieden, dass es sich nicht lohnt zu investieren. Unter den Rahmenbedingungen heutzutage sieht das anders aus. Es könnte schwer werden, die Nachfrage zu bedienen DW-TV: Nun soll das Elektroauto stark gefördert werden und die Rettung vor dem Klimawandel bringen, also CO2 einsparen. Wie viel ist da tatsächlich möglich, wenn man ein Elektroauto mit einem Verbrennungsmotor-Auto vergleicht? Oliver Schwedes: Alles hängt davon ab, inwieweit die Elektroautos in Zukunft aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Das könnte tatsächlich deutliche Einsparungen gegenüber den jetzigen Benzinern bringen. Aber man sollte die Ressourcen nicht vergessen, die trotzdem notwendig sind, um so ein Auto und die Batterie zu produzieren. Ich erinnere nur an Lithium, einen endlichen Rohstoff, der jetzt schon knapp ist. Es könnte in Zukunft schwierig werden, die Nachfrage zu bedienen. DW-TV: Aber es gibt jede Menge Studien zum Klimawandel, die zeigen, dass wir erheblich besser aufgehoben wären, wenn man die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren effizienter und sparsamer machen würde. Oliver Schwedes: Wir sollten alles machen. Der normale Verbrennungsmotor hat bestimmt Potentiale. Wir sollten aber auch in technologische Innovationen wie alternative Antriebe und Elektroantriebe investieren. Ich denke, sich allein auf Effizienzgewinne zu fokussieren, ist gerade im Verkehrssektor ein Problem. Wir sehen immer wieder, dass die Effizienzgewinne bis zum heutigen Tage durch das rasante Verkehrswachstum aufgezehrt werden. Es gibt andere Ideen DW-TV: Leute mit einem sparsamen Auto fahren auch gerne ein bisschen mehr. Sie sprechen vom Verkehrswachstum: Heute haben wir ungefähr eine Milliarde Fahrzeuge auf der Erde. Bald schon könnten es zwei Milliarden sein. Wo sind da die Auswege? Oliver Schwedes: Wir müssen neben den technologischen Innovationen auch darüber nachdenken, inwieweit wir neue Konzepte entwickeln können. Auch das Verkehrsverhalten muss sich ändern. Nicht im Sinne von Verzicht, um das gleich dazu zusagen - das ist ja recht unpopulär. Aber es gibt andere Ideen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, die in eine ähnliche Richtung gehen. DW-TV: In Ulm gibt es ein solches Projekt schon. Ein Auto zum Ausleihen steht dort am Bahnhof. Denken Sie in diese Richtung? Oliver Schwedes: Genau in diese Richtung! Wir nennen das "Public Electric Car". Neben dem Einsatz von Technologien auf Basis erneuerbarer Energien zielen wir auch auf eine Integration in den öffentlichen Verkehr ab. Wir stellen uns vor, dass man in Zukunft mit dem öffentlichen Verkehr fährt und zusätzlich auch ein Auto nutzen kann. So bleibt man mobil und kann auf sein privates Auto verzichten. (Interview: Ingolf Baur)
Erste Hilfe für Ersthelfer – wenn das Herz stillst
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Jürgen Schneider 120.000 Menschen sterben jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Viele hätten gerettet werden können – sagen Rettungsmediziner der Charité. Sie fanden heraus: In den entscheidenden ersten Minuten nach einem Herzstillstand sind viele Menschen nicht in der Lage zu helfen. Eine Studie dokumentiert erstmals die Defizite und die gefährlichen Erste-Hilfe-Mythen.
Müde Ballerinen - Schlafforscher machen mobil
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Andreas Neuhaus Balletttänzer schlafen zu wenig. Das haben Schlafforscher der Charité bewiesen. Eine Folge sind Unfälle bei der Arbeit. 3 Monate lang trugen Tänzer des Staatsballetts Berlin Sensor-Armbänder, die Bewegungs- und Ruhephasen aufzeichneten. Im Ergebnis entwickelten die Forscher einen mobilen Ruheraum, in dem die Tänzer Entspannungsphasen einlegen können.
Fast wie im Krimi – der Gerichtsmediziner Michael
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Mabel Gundlach Michael Tsokos ist der wohl bekannteste "Forensische Pathologe" Deutschlands. Er ist Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Charité. Tsokos gehörte zu den Experten, die Leichen aus den Massengräbern in Bosnien und im Kosovo untersuchten, und er half, die Toten der Tsunami-Katastrophe in Indonesien zu identifizieren.
Arzneimittelherstellung der Zukunft – Studiogespräch mit Dr. Margret Engelhard
Läuft geradeNeue FolgeDie Molekularbiologin Margret Engelhard arbeitet an der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit PROJEKT ZUKUNFT spricht die Wissenschaftlerin über "Pharming", die Produktion von Medikamenten durch gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere, und deren Akzeptanz in der Gesellschaft. DW-TV: Schon seit vielen Jahren hat man uns Medikamente vom Acker versprochen. Wie kommt es, dass wir diese Arzneimittel immer noch nicht haben? Margret Engelhard: In den Anfangstagen hat man unterschätzt, dass es technisch doch komplizierter ist als man dachte. Z.B. Wie genau kann man Milch mit einem bestimmten Protein produzieren? Es gibt aber auch Probleme mit der Zulassung dieser Medikamente. Da es neu ist, mit Pflanzen und Tieren Medikamente herzustellen, müssen neue Wege beschritten werden. Und das dritte Problem ist, dass es sehr viele Patente auf Gene gibt, die den Firmen nicht immer freies Agieren erlauben. DW-TV: Würden die Menschen denn Medikamente, die entweder von veränderten Tieren oder veränderten Pflanzen kommen, tatsächlich akzeptieren? Margret Engelhard: Wir haben dazu in ganz Europa, Japan und den USA eine große Umfrage gemacht und festgestellt, dass die Akzeptanz hoch ist, wenn die Medikamente aus Pflanzen kommen, aber nicht wenn sie aus Tieren hergestellt werden. Tiere als Fabriken, das ist uns dann doch moralisch etwas zu blümerant. DW-TV: Das ist überraschend, wenn man bedenkt wie heftig die grüne Gentechnik, also die Gentechnik auf dem Acker, bei uns abgelehnt wird? Margret Engelhard: Das stimmt. Aber rein wissenschaftlich sind die Gefahren auf der Pflanzenseite auch etwas höher. Es kann passieren, dass diese Pflanzen, die Medikamente produzieren und nicht als Lebensmittel geeignet sind, vom Acker ausbüchsen und dann vielleicht doch in unserer Lebensmittelkette, in unseren Frühstückskellogs landen. DW-TV: Das halten Sie für realistisch? Margret Engelhard: Es könnte passieren. Wenn man den Anbau nicht in einem völlig geschlossenen Gewächshaus betreibt, kann man das nicht ausschließen. Insofern erstaunt es, dass die Gefahr auf der Pflanzenseite nicht wahrgenommen wird. Aber es sind eben die moralischen Probleme, die vor allem bei den Tieren gesehen werden. DW-TV: Mit Bakterien, die ja heute schon viele unterschiedliche Medikamente und Wirkstoffe herstellen, haben wir aber keine Probleme. Margret Engelhard: Weil die in einem Fermenter abgeschlossen sind und uns nicht so nah kommen. Die Akzeptanz von genetisch veränderten Pflanzen als Wirkstofflieferant ist grösser, als die der grünen Gentechnik für die Lebensmittelproduktion, weil so Medikamente hergestellt werden, die einem eventuell helfen können. Da wägt man doch anders ab. DW-TV: Nun hatte man vor einiger Zeit von der "Impfbanane" gehört, die dann nie gekommen ist. Welche Erwartungen sind heute realistisch? Welche Krankheiten wird man tatsächlich mit Medikamenten aus Tieren oder Pflanzen bekämpfen können? Margret Engelhard: Es gibt eine ganze Reihe von Krankheiten, die in Frage kommen. Eigentlich alle großen Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Krebs usw. Die Industrie hofft auf diese Weise Medikamente billiger herzustellen. Und eventuell könnte man auch ganz neue Medikamente produzieren, die man bisher noch gar nicht herstellen konnte. DW-TV: An welche Erkrankungen denken Sie da? Margret Engelhard: Da gibt es zum Beispiel Bluterfaktoren, welche man im Moment aus Blut isolieren muss. Das ist sehr teuer und birgt immer die Gefahr, dass man Krankheitserreger überträgt. Wenn man diese zum Beispiel aus Pflanzen herstellen könnte, wäre das eine sichere Methode. (Interview: Ingolf Baur)
Das neue schwarze Gold? Studiogespräch über Zukunft der Manganvorkommen in der Tiefsee
Läuft geradeNeue FolgeStudiogast: Dr. Michael Wiedecke, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Geozentrum Hannover DW-TV: Was ist denn so eine Manganknolle Wert? Michael Wiedicke: Eine einzelne Knolle ist nicht viel wert. Die hat vielleicht einen Wert von fünfzig Cent. DW-TV: Fünfzig Cent und trotzdem lohnt sich der Aufwand? Michael Wiedicke: Der Aufwand lohnt sich deswegen, weil die Knollen sehr häufig am Meeresboden vorkommen. Sie treten wie bei einem Kopfsteinpflaster auf der Straße auf. Und die große Zahl macht es. DW-TV: Sie waren sieben Wochen auf See dabei. Was war das Beeindruckendste für Sie auf dieser Reise? Michael Wiedicke: Das Beeindruckendste war der Tropensturm "Polo", dem wir begegnet sind. Er hat uns dazu gezwungen unsere Arbeiten kurzzeitig zu unterbrechen und zu flüchten. DW-TV: Sie waren sieben Wochen auf See mit Kollegen und Besatzung auf engstem Raum zusammen, wie ist das? Michael Wiedicke: Das ist durchaus eine Herausforderung, da kommt es auch schon mal zu Schiffskoller. Man muss sich darauf einstellen, dass man mit sehr unterschiedlichen Naturellen zusammen ist und lernt damit gelassen umzugehen. DW-TV: Zum Beispiel auch mit Manganknollen, die Sie gesucht haben und die Sie erforschen wollen. Wie viele haben Sie in den sieben Wochen gefunden? Michael Wiedicke: Wir haben jetzt Explorations-, Erkundungsarbeiten gemacht und wir haben etwa vierhundert Kilogramm geborgen für weitere Untersuchungen. DW-TV: Was macht die Manganknolle so wertvoll, was ist da alles drin? Welche Metallen enthalten Sie zum Beispiel? Michael Wiedicke: Besonders wertvoll ist ein kleiner Anteil aus Metallen, nämlich Kobalt, Kupfer und Nickel, die zusammen drei Prozent ausmachen. Und sie haben einen großen ökonomischen Wert. Das ist es, was die wirtschaftlichen Interessen dabei treibt. DW-TV: Was macht das Hochholen so schwierig? Michael Wiedicke: Das Hochholen ist deswegen so schwierig, weil wir einmal in einer sehr entlegenen Weltgegend sind. Wir müssen also lange Anfahrtzeiten in Kauf nehmen. Und zum anderen ist die Wassertiefe dort zwischen vier und fünf Kilometer tief. Das heißt, alle Aktivitäten, die Boot bezogen sind, brauchen einfach sehr lange und müssen gut geplant werden. DW-TV: Naturschützer sagen, dass die Ernte dieser Knollen das Leben in der Tiefsee auf lange Sicht zerstören würde. Was sagen Sie denen? Michael Wiedicke: Ich möchte schon zugestehen, dass menschlicher Einfluss eine gewisse Auswirkung auf das marine Leben hat. Aber es kommt eben jetzt darauf an, auch zu erreichen, das möglichst wenig Schaden angerichtet wird. Am Ende aller Untersuchungen ist zum Beispiel auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu bestehen. Und wenn die nicht bestanden wird, wird es auch keinen Abbau geben. DW-TV: Wann wird man denn die Rohstoffe haben und verwenden können? Wie ist da in etwa der Zeitrahmen? Michael Wiedicke: Generell muss man mit einem Zeitrahmen von zehn, fünfzehn Jahren vom Beginn einer Aktivität bis zu einer möglichen Nutzung rechnen. Momentan gibt es noch keine marine Gewinnung von mineralischen Rohstoffen vom Meeresboden. DW-TV: Würden Sie denn auch sagen, dass diese Manganknollen der Rohstoff der Zukunft sind, das sagen ja einige Forscher, einige ihrer Kollegen? Michael Wiedicke: Ich denke es ist ein möglicher. Und es ist deswegen auch ein möglicher, weil er praktisch ein unkonventioneller Rohstoff ist. Er kommt aus dem marinen Bereich, wo bisher wenig Aktivität zu verzeichnen ist. Und Sie müssen bedenken, dass die Erde zu zweidrittel von Meer bedeckt ist. Eine ständig wachsende Menschheit kann sich kaum erlauben, diesen Bereich aus der Betrachtung völlig außen vor zu lassen. DW-TV: Das Meer ist ja weniger erforscht als der Mond? Michael Wiedicke: Ja, für die Tiefsee gilt das glaube ich noch. Interview: Daniela Levy
Expedition zum Meeresgrund (5) - Schwarze Raucher, Heiße Quellen
Läuft geradeNeue FolgeDie Erforschung der Tiefsee gilt als eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen der Zukunft. Das Gebiet ist riesig, zwei Drittel der Erdoberfläche liegen unter Wasser. Gerade mal ein Prozent dieses Lebensraums ist erforscht. PROJEKT ZUKUNFT gibt faszinierende Einblicke in die Arbeit der Meeresforscher - eine fünfteilige Serie in Zusammenarbeit mit dem Bremer Forschungszentrum MARUM. Der MARUM-Wissenschaftler Wolfgang Bach erforscht die sogenannten "Schwarzen Raucher," das sind Heißwasserquellen auf dem Meeresgrund. Sie entstehen zum Beispiel in der Mitte des Atlantik, im sogenannten Logatchev-Feld, wo die Erdplatten sich auseinanderbewegen und permanent neuer Meeresboden aus der Tiefe nachquillt. "Schwarze Raucher" gehören zu den faszinierendsten Gebilden der Tiefsee. Der Professor an der Universität Bremen untersucht, wie sie entstehen und wieso in dieser aggressiven chemischen Umgebung Muscheln, Garnelen und Krebse existieren können. In unserem Beitrag zeigt er den Zuschauern von PROJEKT ZUKUNFT Bilder von beeindruckender Schönheit, Bilder, wie er sagt, "aus den Oasen in der Wüste des Meeresbodens".
Läuft geradeNeue FolgeDr. Henry Jäger forscht am Institut für Lebensmitteltechnologie an der Technischen Universität in Berlin. Wir sprechen über das Thema: "Neue Technologien für neue Lebensmittel?" DW-TV: Fleisch aus dem Labor: Ist das Science-Fiction? Henry Jäger: Es ist wissenschaftlich sicher sehr interessant, wie die Entwicklung weiter verlaufen wird. Wenn man die wesentliche Probleme, als Wachstum, Form oder Lebensdauer lösen kann, dann ist es sicherlich möglich. DW-TV: Es gibt ja heute schon Fleischersatz. Zum Beispiel aus Soja. Warum müssen wir noch Fleisch aus dem Labor haben, wenn wir doch schon pflanzliches Fleisch haben? Henry Jäger: Nun, dass entscheidet der Verbrauchers: Was möchte er gern essen? Welchen Geschmackseindruck möchte er haben? Welche Textur soll das Lebensmittel haben, was er verzehren möchte? Und natürlich können wir Fleischproteine ersetzen durch Pflanzenproteine, können auch in der Form und Beschaffenheit diese anderen herkömmlichen Würstchen durchaus nachahmen. Das wird gemacht und vom Verbraucher auch akzeptiert. DW-TV: Sie arbeiten ja auch an Ersatzstoffen. Was kann man außer Sojabohnen noch nehmen? Henry Jäger: Die Quellen pflanzlicher Proteine sind im Prinzip unerschöpflich. Soja ist sehr weit verbreitet. Wir forschen auch in neuen Proteinquellen, zum Beispiel Raps. Wir wollen im Prinzip den Rohstoff, den wir haben, möglichst vollständig auszunutzen, alle wertgebenden Inhaltsstoffe daraus gewinnen und auch in der Lebensmittelproduktion verwerten. DW-TV: Wenn wir noch mal zum Laborfleisch kommen: Glauben Sie wirklich, dass wir das mal essen werden? Henry Jäger: Eine Frage ist auf jeden Fall der Preis. Eine Frage ist die Verbraucherakzeptanz an sich. Wir sehen jetzt mehr und mehr den Trend, dass der Verbraucher zu naturbelassenen Lebensmitteln greift. Diese Faktoren werden über den Erfolg entscheiden. DW-TV: Müssen wir denn überhaupt Fleisch essen, um Inhaltsstoffe zu bekommen? Kann man die nicht auch pflanzlich ersetzen? Henry Jäger: Ersetzen ist möglich, und wenn wir die zukünftige Entwicklung betrachten, sprechen wir mehr und mehr von sogenannten personalisierten Nahrungsmitteln. Es geht dabei um eine ganz gezielte Ergänzung, durch den Zusatz entsprechender Nährstoffe und Mineralien bei jedem einzelnen. DW-TV: Herr Jäger, herzlichen Dank für Ihren Besuch. Interview: Daniela Levy
Eiskalt kalkuliert oder tollkühn riskiert - was Geld im Kopf anrichtet. Von Andreas Neuhaus.
Läuft geradeNeue FolgeWer ist schuld an der Finanzkrise? Bauherren, die Immobilien auf Pump gekauft haben, ohne zu wissen, wie sie die Schulden wieder abbezahlen können? Oder Banker, die faule Kredite skrupellos weiterverkauft haben? Oder Aufsichtsräte und Politiker, die die Krise haben kommen sehen, aber gedacht haben "Augen zu und durch"?Warum haben sich die Beteiligten so unvernünftig verhalten, wie sie es getan haben? Wissenschaftler der noch jungen Forschungsdisziplin Neuroökonomie nehmen den homo oeconomicus unter die Lupe. Dabei arbeiten Wirtschaftswissenschaftler und Neurowissenschaftler zusammen. An der Uni Bonn zum Beispiel schauen der Hirnforscher Christian Elger und seine Mitarbeiter dem Gehirn bei ökonomischen Entscheidungsprozessen zu: Zwei Testpersonen lösen ein Problem, werden jedoch unterschiedlich dafür belohnt. Im Belohnungszentrum des Gehirns wird diese ungleiche Bezahlung sichtbar, es springt bei der Person, die weniger entlohnt wurde, kaum an. Ein Ergebnis der Untersuchungen: Der Mensch reagiert weit weniger rational als er meint. ________________________________ Je höher der Einsatz, desto spannender das Spiel. Doch was passiert dabei im Gehirn: Setzt beim Streben nach Geld irgendwann der Verstand aus? Und wie wichtig ist es, am Ende mehr zu haben als der andere? Nicht nur beim Glücksspiel, auch in der Finanzwelt sind Entscheidungen oftmals sehr emotional. Der Hirnforscher Christian Elger möchte genau wissen, was Geld im Kopf anrichtet. Er hat geholfen, in Deutschland eine neue Fachrichtung zu etablieren: die Neuroökonomie. Dabei schaut er Menschen bei Finanzaktionen ins Gehirn. Und er hat bereits erste Ergebnisse: "Geld ist wohl der kritischste Punkt. Wir haben ein Belohnungszentrum, dessen Aktivierung uns ein so positives Gefühl vermittelt, dass wir das durch nichts anderes toppen können. Geld aktiviert dieses System massiv. Das heißt, der permanente Umgang mit Geld und auch der Umgang im Sinne einer Gewinnsituation noch mal zusätzlich führt zu einem suchtähnlichen Verhalten." Zu einem Duell der anderen Art treffen sich die beiden Probanden wieder. Doch hier sollen sie nicht gegeneinander würfeln, sondern jeder für sich eine Aufgabe lösen. Das geschieht, europaweit einmalig parallel in zwei Gehirnscannern. Denn während sie die Aufgaben lösen und anschließend jeder einen Geldbetrag als Belohnung erhält, werden die Signale aus ihren Gehirnen aufgezeichnet. Der Trick: trotz gleicher Leistung fällt die Belohnung immer unterschiedlich aus. Aufgabe ist es, die Anzahl der Punkte richtig zu schätzen, Sind es mehr oder weniger als angegeben? Wer welchen Lohn dafür erhält, sehen die Probanden anschließend. Auf die Frage "Was hat Sie gestört bei dem Experiment? Haben Sie da etwas bemerkt?", antwortet der Proband: "Ja, immer wenn ich gedrückt habe und der andere auch, hatte er plötzlich doppelt so viele Punkte wie ich. Also, ich glaube wir waren beide richtig, aber er hatte doppelt so viele Punkte wie ich. Also das habe ich nicht verstanden. Das finde ich ein bisschen, ja nicht gut, eigentlich gar nicht gut." Diese Enttäuschung spiegelt sich sofort in der Gehirnaktivität wieder. Das können die Forscher in ihren Aufnahmen ablesen. Klaus Fließbach, Diplom-Psychologe, Life&Brain-Center Bonn, der die Untersuchung durchgeführt hat, sagt dazu: "Sie sehen hier ganz stark aktiv einen Teil des Gehirns, den nennt man ventrales Striatum. Das ist im Prinzip das Kerngebiet des so genannten Belohnungssystems. In diesem System tritt zunächst einmal Aktivierung auf, wenn ich überhaupt etwas bekommen im Vergleich zu der Situation, wo ich ganz leer ausgehe. In diesem Areal sieht man aber auch eine Abhängigkeit der Stärke der Aktivierung davon, was der andere erhält. Und zwar wenn der andere mehr als ich bekomme, dann habe ich dort eine schwächere Aktivierung als wenn ich derjenige bin, der mehr bekommt." Die Hirnforscher haben damit die ökonomische Theorie widerlegt, nach der die gleiche Belohnungssumme immer die gleiche Wirkung hat, egal, was der andere verdient. Das Gegenteil ist der Fall: der Vergleich mit anderen ist wichtiger als die absolute Summe. Dazu kommt: je stärker das Belohnungszentrum aktiv ist, desto schwächer das vernunftgemäße Denken. Auf die Frage. Ob man man daraufhin in Zukunft auch Manager untersuchen könne, antwortet Christian Elger: "Meine persönliche Vision ist so, dass Unternehmensleiter in 10 Jahren ihr genetisches Profil abliefern müssen, vielleicht auch noch eine Untersuchung im Scanner durchlaufen müssen und dass aus der Kombination der Daten dann ein Risikoprofil erstellt wird für diesen bestimmten Manager. Sagt: Du bist zwar gut, aber Du hast ein hohes Risiko. Also setzen wir Dir einen Kontrolleur oder einen Partner an die Seite, der versucht, dieses Risiko zu minimieren. Dann bist Du der Richtige für uns." Die Neuroökonomie steht noch ganz am Anfang. Doch sie kann vielleicht helfen, dass die Finanzmärkte in Zukunft wieder sicherer werden. Und Geldanlagen nicht mehr so riskant ablaufen wie beim Würfelspiel.
Zu Gast im Studio: Prof. Dr. Bernd Ronacher
Läuft geradeNeue FolgeProf. Dr. Ronacher vom Institut für Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin ist Ameisenforscher. Er war auch daran beteiligt, den kleinen Wüstenameisen Stelzen zu verpassen. DW-TV: Herr Ronacher, was machen Sie denn sonst noch für Experimente mit den Wüstenanmeisen? Bernhard Ronacher: Wir versuchen zu verstehen, wie die ihre Orientierungsleistungen vollbringen können. Das tolle an den Ameisen ist, dass die für ihre Körperlänge riesige Exkursionen unternehmen von bis zu hunderttausenden Körperlängen. DW-TV: Was wäre das dann auf den Menschen übertragen? Bernhard Ronacher: Wir müssten etwa 80 km weit laufen, in einem völlig wirren Zickzack- Lauf. Die Ameisen schaffen es, wenn sie dann ein Stück Beute finden, auf geradlinigem Weg wieder zum Nest zurück zu finden. Die finden ihr Nest mit einer tollen Präzision, immer wieder. Wenn sie es nicht finden, dann sterben sie an der Hitze, die dort ziemlich massiv ist. DW-TV: Jede Wette, wir Menschen würden an so einer Aufgabe scheitern. Dabei sind wir doch die Krone der Schöpfung, haben ein so fantastisch großes Allround- Gehirn. Wie kann die Ameise das schaffen mit ihrem kleinen Gehirn? Bernhard Ronacher: Ameisen haben ein Gehirn von ungefähr einem Zehntel Milligramm Gewicht, was also schon deutlich weniger ist, als bei uns. Man fragt sich manchmal, wenn man mit den Tieren arbeitet, warum wir eigentlich so viel Ballast mit uns herumschleppen. DW-TV: Es kann ja nicht ausreichen, nur die Schritte zu zählen. Das macht Cataglyphis auf jeden Fall. Aber wenn es jetzt im Gelände hoch und runter geht und die Ameise in verschiedene Richtungen wandert, dann muss das Tier noch mehr können, als Schritte zählen. Was ist das? Bernhard Ronacher: Es muss für jedes Wegstück, das es läuft, auch die Richtung messen. Das machen die Ameisen mit Hilfe eines Himmelskompasses, sie messen entweder den Stand der Sonne oder die Verteilung des polarisierten Lichtes. Am Himmel ist ein relativ kompliziertes Muster, das wir selber nicht sehen können. Aber für Insekten ist da ein Muster am Himmel, das ganz deutlich ist und danach können sie den Sonnenstand bestimmen und können sich also dann die Richtung, in die sie laufen, merken. Das schwierige aber ist, dass die Ameisen ständig Richtung und gelaufene Entfernung miteinander verrechnen müssen und das irgendwie aufsummieren müssen zu einer Heimkehr-Richtung. DW-TV: Das heißt, die müssen ja Mathematik, die müssen eigentlich Geometrie in ihrem Köpfchen betreiben. Bernhard Ronacher: Ja, hat man auch gedacht, aber so richtige Trigonometrie machen sie nicht, sondern sie machen wohl so ein Näherungsverfahren und das spannende eigentlich an den Ameisen ist, wie sie eigentlich mit so einem ungenauen Näherungsverfahren die erforderliche Genauigkeit hinbekommen. Für die geht es ja um die Wurst, wenn die ihr Nest verfehlen, wenn sie sich nur um fünf Grad in der Richtung vertun, dann sind sie so weit weg vom Nest, dass sie es wahrscheinlich nicht mehr finden würden. Und dann sterben sie. DW-TV: Es gibt noch viele Geheimnisse da zu lüften. Haben sie vielen Dank für das Gespräch, Herr Ronacher. Interview: Ingolf Baur
Studiogast: Prof. Dr. Dorothea Kübler, Wirtschaftswissenschaftlerin, Technische Universität Berlin
Läuft geradeNeue FolgeKann die Neuroökonomie helfen, die Wirtschaftskrise zu überwinden? Kann es etwas nützen, Manager in Zukunft von Hirnforschern untersuchen zu lassen? PROJEKT ZUKUNFT redet darüber mit Dorothea Kübler. DW-TV: Ist die Welt-Wirtschaft nur ein gigantisches Würfelspiel? Sollten denn Manager wirklich erst mal in den Scanner oder sogar ein Genprofil abgeben, bevor sie dann was zu sagen haben? Dorothea Kübler: Das ist natürlich eine lustige Idee und es wäre schön, wenn man damit die Probleme lösen könnte. Die Risikoneigung ist sozusagen im Hirn feststellbar, das ist natürlich eine neue und schöne Errungenschaft. Die Frage ist, ob das was hilft? In der Krise jetzt hat man gesehen, dass es nicht die Risikoneigung ist, also die Risikofreude der Manager, sondern eher die falsche Überzeugung, dass man die Risiken alle abgesichert hat - durch neue Finanzinstrumente. Also, die Welt ist sozusagen sicher geworden. Es gibt keine Krisen mehr, weil der Markt sich so stark entwickelt hat und es eben diese Futures und Optionen - also verrückte Wertpapiere – gibt, mit denen man sich gegen alle Risiken absichern kann. Also, insofern würde ich sagen, es war eher eine Selbstüberschätzung der Manager und dafür glaube ich, hat man nichts gefunden, wo man im Gehirn sieht, was da korreliert oder was da aufleuchtet, wenn jemand sich selbst überschätzt. Insofern würde ich sagen, da ist noch viel zu forschen! DW-TV: Es ist eigentlich erschreckend, dass toppbezahlte Leute sich selbst überschätzen. Und wenn man sich mit der Neuroökonomie so ein bisschen beschäftigt, hat man das Gefühl, dass die Manager im Grunde funktionieren wie Kinder im Buddelkasten: Meine Sandburg ist höher als Deine. Ist das wirklich so? Dorothea Kübler: Also, die Mechanismen sind die selben, würde ich sagen. Und man hat in Experimenten mit Kindern festgestellt, dass junge Kinder mehr ihr Eigeninteresse verfolgen als ältere Kinder, die dann sozialisiert sind. Und ich würde sagen, Manager sind in gewisser Hinsicht da vergleichbar, die haben sozusagen sehr stark das Interesse der Firma und vielleicht auch das eigene Interesse im Auge, was auch gut sein kann, was aber kanalisiert werden muss durch die richtigen Institute, Regulierungen, damit es nicht wie jetzt passiert und in die Krise führt. Also, insofern sind die Manager nicht allein Schuld, sondern da gibt es auch ein System, was um sie herum ist und was das ermöglicht hat. DW-TV: Die Krise ist nicht eine Krise verursacht durch Einzelne, sondern eine systemische, würden Sie sagen? Dorothea Kübler: Genau, Alan Greenspan, der frühere Notenbankchef der USA, hat gesagt: Er hat selbst die Fähigkeit der Märkte überschätzt, sich selbst zu regulieren. Und er hat eben darauf vertraut, dass diese neuen Wertpapiere zum Beispiel nur dann auf dem Markt ankommen, wenn die wirklich sinnvoll und nützlich sind. Und da hat er selber gesagt, das hat er völlig überschätzt. Und insofern sind da viele dran beteiligt und viele sind diesen Irrtümern aufgesessen, nicht nur Manager. DW-TV: Kommen wir noch mal auf die Neuroökonomie zurück. Es gibt ja schon lange psychologische Experimente in der Wirtschaft. Was bringt es denn dann überhaupt, den Leuten auch noch ins Hirn zu schauen? Dorothea Kübler: Das ist eine gute Frage. Wir können jetzt sehen, ob Leute sich ärgern, wenn sie weniger bekommen als jemand anders. Also spielt nicht die absolute Höhe der Bezahlung eine Rolle, sondern die relative. Das weiß man aber schon lange aus psychologischen Verhaltensexperimenten, wo man einfach nur beobachtet und schaut, wie die Leute zum Beispiel reagieren, wenn sie weniger haben. Das kann man am Verhalten ablesen, da braucht man nicht unbedingt ins Gehirn schauen. Es gibt aber auch Momente, da kann man auch sagen: Okay, wie haben hier auch im Gehirn gesehen, dass das hier so ist, man hat noch mal zusätzliche Evidenz dafür. Aber es gibt natürlich auch Fragen, wo man das nicht direkt aus dem Verhalten schließen kann. Und das sind dann für mich die interessanten Fragen, wo die Neuroökonomie neue Beiträge für die Ökonomie liefern kann. Also wo man sehen kann, es gibt verschiedene rivalisierende, also konkurrierende Theorien und welche von denen ist jetzt richtig, warum verhält sich jemand so? Was passiert da jetzt im Gehirn? Da ist die Neuroökonomie dann wichtig, würde ich sagen! DW-TV: Könnte die Neuroökonomie helfen Krisen, wie diese zu verhindern? Ja oder Nein? Dorothea Kübler: Ich glaube nein! Soweit ist die noch nicht! Vielleicht irgendwann mal! Interview: Daniela Levy
Zu Gast im Studio: Dr. Daniel Besser, Stammzellforscher, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
Läuft geradeNeue FolgeWird die Forschung mit den umstrittenen menschlichen embryonalen Stammzellen irgendwann überflüssig? Und hat die Entscheidung des Präsidenten Obama, die Forschung mit embryonalen Stammzellen in den USA wieder staatlich zu fördern, Auswirkungen auf die deutsche Wissenschaft?DW-TV: Daniel Besser, Diabetes heilen, Parkinson, Alzheimer – sind Sie da genauso zuversichtlich wie die Kollegen aus Tübingen? Daniel Besser: Ich denke, wir werden mit Stammzellen weiterhin Anwendungen entwickeln können. Das gilt für verschiedene Stammzellpopulationen, wobei sicherlich auch diese frühen undifferenzierten Stammzellen der Tübinger Kollegen bei gewissen Krankheitsbildern eine Rolle spielen. DW-TV: Kann man denn nach dem Erfolg in Tübingen auf embryonale Stammzellen verzichten? Daniel Besser: Im Moment wissen wir über diese Zellen aus Tübingen noch recht wenig, d.h. sie müssen in verschiedenen Laboren der Welt auch sicherlich erst mal genau analysiert werden, dass sie eben auch diese Potentiale haben. DW-TV: Sie arbeiten ja an embryonalen Stammzellen. Warum reichen Ihnen nicht adulte, die zurückentwickelt wurden in, wie Sie sagen, pluripotente Zellen, also Zellen, die alles können – was ja schon geschafft wurde? Daniel Besser: Die adulten Zellen haben eine limitierte, eine begrenzte Kapazität, sich in Sachen zu entwickeln. Das ist ja in dem Beitrag auch schon erwähnt worden. Dieses Zurückversetzen, das ist eine der interessanten spannenden Fragestellungen, die sich im Moment ergeben. Seit zwei, drei Jahren hat man Wege gefunden, über die Expression von bestimmten Faktoren, über den Ausdruck von bestimmten Faktoren in den Zellen, diese Zellen in diesen frühen Zustand zurückzuversetzen. Und das sind sicherlich sehr spannende Zelltypen, die weiter untersucht werden. DW-TV: Forscher wie Sie dürfen ja in Deutschland nur an menschlichen embryonalen Stammzellen forschen, die aus dem Ausland stammen und vor einem bestimmten Stichtag gewonnen wurden. Was bedeutet das für Ihre Arbeit? Daniel Besser: Für unsere direkte Arbeit in der Grundlagenforschung - wir wollen ja verstehen, was etabliert diesen pluripotenten undifferenzierten Zustand der Zellen - stehen wir eigentlich mit den Zellen, die wir verwenden können, relativ gut da. Das heißt, wir können unsere Forschung machen und wir können diese Fragestellung bearbeiten. In dem Moment, wo es näher an die Therapieanwendungen geht und auch die Untersuchung von ganz bestimmten Krankheitsbildern an diesen embryonalen Stammzellen, gibt es Begrenzungen in Deutschland, die sicherlich die Forschung gerade in diesem Grenzbereich hin zur regenerativen Medizin beeinträchtigen. Da wäre es natürlich günstiger, wenn man eben halt auch neuere embryonale Stammzellen aus dem Ausland oder selbst eventuell in Deutschland gewonnene verwenden dürfte. DW-TV: Jetzt hat US-Präsident Obama das in den USA etwas geöffnet und hat gesagt: "Ja, wir fördern das wieder staatlich." Was bedeutet das für Sie hier in Deutschland? Glauben Sie, da wird sich in der deutschen Politik auch was tun? Daniel Besser: Ich glaube nicht, dass der deutsche Gesetzgeber jetzt - basierend auf dieser Entscheidung von Obama, die öffentlichen Gelder wieder freizugeben für neuere Stammzellenforschung - direkt Auswirkungen hat. Dafür ist der Souverän in Deutschland nicht abhängig davon, was in Amerika entschieden wird. Das gilt ja für den Rest Europas genauso: England hat eine viel freiere Gesetzgebung, ohne dass das jetzt in Deutschland eine direkte Auswirkung hat. Insgesamt ist es natürlich ein sehr positives Signal. International könnte eben diese Forschung an den menschlichen embryonalen Stammzellen ein bisschen aus diesem geächteten Raum rauskommen. Das ist natürlich durchaus ein positives Signal, was wir auch begrüßen. Aber ich glaube nicht, dass es direkt jetzt politische Veränderungen in Deutschland nach sich ziehen wird. DW-TV: Daniel Besser. Herzlichen Dank für das Gespräch! Interview: Daniela Levy
Läuft geradeNeue FolgeForscher an der Uni Tübingen haben es geschafft, aus dem Hoden erwachsener Männer Stammzellen zu gewinnen. Aus ihnen können sich viele Körperzellen entwickeln – Knochen, Muskeln, Nerven, Haut. Weil die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen aus ethischen Gründen in Deutschland umstritten ist, könnten adulte Hodenstammzellen eine echte Alternative sein. Mit bloßem Auge nicht sichtbar: In diesem Glas wächst menschliches Gewebe. Tübinger Forscher um Thomas Skutella züchten darin ein Blutgefäß. Dafür fügen sie Stammzellen übereinander. Noch ist das Grundlagenforschung. Solch maßgeschneidertes Ersatzgewebe soll später Patienten zum Beispiel mit Parkinson oder Diabetes helfen. O-Ton: Prof. Thomas Skutella, Uni Tübingen: "Wir hoffen, auch komplexere Organe wie die Leber oder auch einen ganzen defekten Herzmuskel wieder erneuern zu können." Dieser Vision ist er nun mit seinem Team ein Stück näher gekommen. Aus dem Körper erwachsener Männer haben die Wissenschaftler Stammzellen aus dem Hoden gewonnen. Eine Alternative zu den menschlichen embryonalen Stammzellen? Adulte Stammzellen unterliegen keinen Reglementierungen Die gelten als Alleskönner. Sie können sich unbegrenzt vermehren und in jedes Gewebe verwandeln - Nerven, Knochen, Muskeln, Blut. Allerdings müssen dafür Embryonen, die etwa bei künstlichen Befruchtungen übrig bleiben, zerstört werden. Deshalb ist die Forschung damit in Deutschland streng reglementiert. Problemlos: Sogenannte adulte Stammzellen. Zum Beispiel aus der Haut. Sie sind von Natur aus keine Alleskönner, weil sie aus einem bereits entwickelten Gewebetyp stammen. Aber Forscher arbeiten daran, dass adulte Stammzellen mehr können, als sich zum Beispiel nur in Hautgewebe zu entwickeln. Die von den Tübinger Forschern entdeckten Hoden-Stammzellen scheinen ein dritter Typ zu sein. Sie sind Alleskönner wie die embryonalen und noch langlebiger als adulte. Frauen ausgeschlossen? Stammzellen aus dem Hoden – bedeutet das, dass mögliche spätere Therapien nur für Männer möglich sind? O-Ton Prof. Thomas Skutella, Uni Tübingen: "Es handelt sich ja hier um die Ursprungszellen, aus denen später dann die Spermien entstehen. So was gibt es auch bei Frauen. Ursprungszellen, aus denen später Eizellen hergestellt werden. Und die kann man auch bei der erwachsenen Frau entnehmen." An Labormäusen testen die Tübinger Forscher ihre neu entdeckten Zellen. Nur so können sie feststellen, wie wandlungsfähig diese tatsächlich sind. Dazu impfen sie die Tiere mit den menschlichen Hodenstammzellen. Die injizierten Zellen bilden eine Geschwulst. Und in der haben die Forscher alle Gewebearten gefunden – Haut, Nerven, Knorpel- und Knochenzellen. O-Ton Prof. Thomas Skutella, Uni Tübingen: "Wir haben nix großartig manipuliert. Wir haben Zusätze in unseren Zellkultur-Medien verwendet, die zugelassen sind für klinische Forschung. So dass wir eigentlich sehr nahe an einer klinischen Austestung dieser Zellen wären." Bis zu klinischen Tests mit Menschen wird es noch dauern. In den kommenden drei Jahren wollen die Tübinger die Verwandlungskünste der Hodenstammzellen noch genauer untersuchen. Und ganz gezielt Gewebe daraus züchten, bspw. Zellen, die Insulin produzieren. Grundlagenforschung für neuartige Therapien. Cornelia Borrmann
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