Deine Watchliste wurde geleert.
Im Gespräch: Prof. Wolfgang Sachs, Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie.
Läuft geradeNeue Folge"Wir müssen auf regenerative Energien umsteigen - da gibt es gar keine andere Wahl."DW-TV: Bei uns im Studio begrüße ich Herrn Professor Wolfgang Sachs vom Wuppertal Institut. Achtzig Prozent höhere Energie-Effizienz bei einem LKW-Dieselmotor. Das klingt supertoll. Aber: machen wir damit nicht eigentlich ein System, was prinzipiell schlecht ist, nur ein bisschen besser? Denn nachhaltig ist es natürlich immer noch nicht. Wolfgang Sachs: Ja, im Prinzip ist das schon richtig. Es ist ziemlich irrational, höchst effizient in die falsche Richtung zu laufen. Insofern, bei dem Truck ist die Frage dann wieder wichtig: Wie viele Lastwägen brauchen wir eigentlich? Wie viel Transport werden wir haben? Aber dennoch: Man kann ja auch diese Frage abkoppeln. Und sich überlegen: Wie sehen die einzelnen Stationen aus? Welches ist die Effizienz eines solchen Lastwagens? Und natürlich ist es vernünftig, durch die Bank den Energiebedarf herunterzubringen. Aber es könnte natürlich auch sein, dass wir uns einen Umbau zu regenerativen Energien und zu einer ganz neuen Form des Wirtschaftens, damit verbauen. Nur, wenn man das ins Extrem zieht. Denn auch die erneuerbaren Energien brauchen als erstes ein Absenken des Energiebedarfs. Und natürlich ist es vernünftig, auf der einen Seite Energie und Material zu sparen. Und auf der anderen Seite Abfall wieder zur neuen Nahrung zu machen. Also, den Abfall wiederum als Rohstoff für einen neuen Prozess zu nutzen. Nun sind wir ja eigentlich schon die ganze Zeit dabei, Energie zu sparen. Unsere Gerätschaften, zum Beispiel Kühlschränke, effizienter zu machen. Trotzdem steigt der Gesamtenergiebedarf an. Wie kommt das? Sehr richtig. Wissenschaftler nennen das den „Rebound-Effekt“. Dieser hat grundsätzlich zwei Elemente. Zum einen: in den vergangenen zwanzig Jahren ist etwa beim Auto die spezifische Effizienz, also der Treibstoff, den ein Auto verbraucht, ziemlich heruntergegangen. Trotzdem hat sich das Problem nicht geändert, weil wir mehr Autos haben und vor allen Dingen schnellere und schwerere Autos. Dieser Wachstumseffekt hat den Effizienzeffekt wieder aufgefressen. Das ist ganz deutlich ein Rebound-Effekt. Das heißt, Effizienz wird wieder umtransformiert in eine neue Expansion. Und darin liegt auch ein Problem. Das sind die Grenzen einer Effizienz-Strategie. Wie realistisch ist denn ein Umstieg auf eine regenerativere Energieversorgung? Wie schnell könnten wir da überhaupt hingelangen? Ach, wissen sie, der Realismus stellt sich gar nicht. Wir müssen es tun. Da gibt es gar keine andere Wahl. Und drüber sind sich auch viele Leute einig, dass es die große Herausforderung dieses Jahrhunderts ist, die Ressourcenbasis zu wechseln. Von fossilen Energien zu solaren Energien. Aber da sprechen dann alle meist von der fernen Zukunft, wie aber packt man es ganz konkret an? Gibt es da Beispiele von Kommunen, von Ländern, die da gut vorangehen? Jede Menge. Deutschland hat ja bekanntlich in den letzten Jahren vor allem in Wind und Biogasen ziemliche Expansionen gemacht. Und man muss nur herumgucken. Man sieht, was alles sprießt und sich dreht. Dazu kommt, dass eine ganze Reihe Kommunen anfangen sich so zu organisieren, dass sie in den nächsten fünfzehn Jahren zu hundert Prozent erneuerbar werden. Eine Stadt wie München plant, in den nächsten zwei Jahrzehnten CO2-neutral zu werden. Sie plant es aber nur. Na gut. Das ist ja die Voraussetzung, um einigermaßen diesen Pfad dann gehen zu können. Werden dann fossile Kraftwerke, wie wir sie heute benutzen, noch Teil des Systems sein? Für eine gewissen Zeit, ja. Für einige Jahrzehnte. Allerdings mit einer sehr abnehmenden Bedeutung und vor allen Dingen wird es wichtig sein, Gaskraftwerke zu haben und zweitens Kraftwerke, die Abwärme nutzen. Das heißt, die nicht nur Strom, sondern gleichzeitig auch Wärme produzieren. Erst dann wird der Prozess effizient. Ganz kurz zu Kopenhagen: Können wir es uns leisten, dass diese Verhandlungen scheitern? Eigentlich nicht. Denn jeder Monat, jedes Jahr, das verloren geht, wird uns in der relativ nahen Zukunft sehr viel mehr in die Klemme treiben. Auf der anderen Seite muss man nicht in zu viele Tränen ausbrechen. Denn Kopenhagen ist ja auch ein künstlicher Termin. Das kann auch im nächsten Jahr passieren - die völkerrechtliche Verständigung. Interview: Ingolf Baur
Kluge Köpfe - der Paläontologe Krister T. Smith
Läuft geradeNeue FolgeUnter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Wissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen. Von Hannah Holunder. Krister T. Smith ist 33 Jahre alt und in Kalifornien aufgewachsen. Als Austauschstudent kam er nach Deutschland, jetzt arbeitet er hier als Postdoc, am Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt/Main. Doch der wirkliche Ort für seine Forschung ist ein ehemaliger Tagebau: die Grube Messel, eine wahre Fundgrube für versteinerte Reste urzeitlicher Lebewesen. Vor allem Reptilien sind es, die dem Forscher helfen sollen, Fragen zur Evolution und zur Klimageschichte zu beantworten.
Kluge Köpfe - der Chemiker Emad Aziz Bekhit
Läuft geradeNeue FolgeUnter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Nachwuchs-wissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen.Der Ägypter Emad Aziz Bekhit forscht in Berlin am Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie. Seine Arbeit beschäftigt sich mit dem Verhalten von Atomen und Molekülen in wasserhaltigen Flüssigkeiten. Das ist Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse für viele Zwecke nutzbar sein können, etwa in der Pharmazie oder bei der Entwicklung von Solarzellen. Seit 10 Jahren lebt er in Berlin.
Neue Ansätze gegen Zivilisationskrankheiten
Läuft geradeNeue FolgeZivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck greifen immer stärker um sich. Neue Wege in der Medizin und der Vorbeugung können dagegen helfen, sagt der ehemalige Leiter der Charite, Detlev Ganten, im Gespräch mit DW-TV.DW-TV: Wir wissen, dass die Zahlen beim Bluthochdruck gewaltig ansteigen. Weltweit leiden rund eine Milliarde Menschen an Bluthochdruck. Ist ein Schrittmacher ein Weg um all diesen Leuten zu helfen? Detlev Ganten: Wir können natürlich nicht eine Milliarde Menschen mit diesen hochtechnisierten Geräten versorgen. Aber es ist eine sehr wirksame Methode. Normalerweise müssen wir Bluthochdruck natürlich nicht in der Klinik behandeln, sondern zu Hause. Entweder mit den Medikamenten, oder noch besser, ohne Medikamente durch Vorbeugemaßnahmen, wie z.B. Körpergewicht kontrollieren, mehr Sport machen, weniger Salz essen, nicht rauchen und vieles andere mehr. Was läuft denn eigentlich schief in unserer Welt, dass mittlerweile tatsächlich so viele mit dem Bluthochdruck zu kämpfen haben? Ja, was läuft schief? Unser Körper entsteht ja nicht, wenn er geboren wird. Sondern die Biologie des Körpers ist so alt wie das Leben an sich: 3,5 Milliarden Jahre tragen wir in unserem Erbgut mit - das Erbe des Lebens, der Lebensentstehung. Und die Biologie hat sich nicht so schnell weiterentwickelt, wie unsere zivilisatorischen, kulturellen Lebensumstände. Daraus entstehen die Zivilisationskrankheiten, das heißt die Diskrepanz zwischen dem Auseinanderentwickeln von Biologie auf der einen Seite und der Umgebung, in der wir leben, auf der anderen Seite. Bluthochdruck ist eine solche Zivilisationskrankheit. Zu wenig Bewegung Das heißt, wir sitzen heute einfach zu viel in unseren Büros und gehen zu wenig auf die Jagd, bewegen uns zu wenig und haben vielleicht auch bei der Ernährung einiges falsch gemacht… ... ja, ich pflege immer zu sagen, der Mensch lief – als er zum Menschen, zum Homo Sapiens wurde, sich aus der Savanne in Afrika weiterentwickelte zum Kulturwesen – zunächst vor den großen Tieren weg und hinter den kleinen Tieren her, um seine Ernährung sicherzustellen. Und das machen wir nicht mehr. Wir gehen heute irgendwo hin und kaufen etwas. Und wir kaufen Zuckerbomben und wir trinken zu süße Getränke. Wir bewegen uns nicht genug. Und in der Tat, das bekommt unserem Kreislaufsystem nicht gut. In der vergangenen Woche fand der Weltgesundheitsgipfel in Berlin statt. Sie sind der Präsident, es waren viele hochrangige Wissenschaftler dabei. Generell ging es eher um globale Gesundheit. Aber auch die individualisierte Medizin war dort Thema. Gibt es da eine Verbindung und vielleicht die Hoffnung, dass man auch Bluthochdruck mit Hilfe der individualisierten Medizin besser behandeln kann? Ja, die Genomforschung macht natürlich Riesenfortschritte, das war auch ein Thema. Wir können in Zukunft das menschliche Genom für 1000 Euro wahrscheinlich für den einzelnen Patienten sequenzieren. Daraus werden sich wichtige Hinweise ergeben für genetische Risikofaktoren und natürlich dann auch für eine individualisierte, personalisierte Medizin. Neue Medikamente können möglicherweise entwickelt werden. Entscheidend ist aber bei der personalisierten Medizin nicht nur die Hochtechnisierung, sondern auch die persönliche Verantwortung. Wenn wir eigene Risiken kennen, dann können wir uns auch sehr spezifisch natürlich darauf einstellen und selbst verantwortlich für die eigene Gesundheit sorgen. Das ist genauso wichtig, wie der medizinische Eingriff. Bessere Vorbeugung durch Individualmedizin Wobei individualisierte Medizin ansonsten heißt, dass man aufgrund des eigenen Genprofils vielleicht eher entscheiden kann, welche Medikamente besser wirken? Sie können aufgrund des Genprofils bei Bluthochdruck, aber bei vielen anderen Krankheiten auch, bei Krebs zum Beispiel, ganz spezifische Medikamente auswählen, die dann auch wirken. Und in der Dosierung dann auch die richtige Wahl darstellen. Wird man eines Tages vielleicht dazu kommen, dass man direkt nach der Geburt einen kompletten Gencheck macht, um alle Anlagen auszuloten, die vorliegen und dann entsprechend zu leben? Es wird technisch möglich sein, aber da muss man, wie bei der anderen Apparate– und Labormedizin, natürlich darauf achten, dass kein Missbrauch betrieben wird, dass es in den richtigen Händen bleibt. Und das ärztliche Gespräch bleibt immer unersetzbar. Interview: Ingolf BauerRedaktion: Ranty Islam
Im Gespräch: Dr. Gabriele Schönherr, Astrophysiker
Läuft geradeNeue Folge"Das Universum können wir nur in seiner Gesamtheit verstehen" Warum ist es gut, Geld in Weltraumforschung zu stecken und neue, riesige Teleskope zu bauen? - Über den Nutzen der Astronomie ein Gespräch mit Dr. Gabriele Schönherr, Astronomin am Astrophysikalischen Institut Potsdam DW-World.de: Glauben Sie, dass das geplante europäische Extremely Large Telescope ELT Revolutionäres entdecken wird - eine zweite Erde oder gar Leben? Gabriele Schönherr: Auf jeden Fall, denn ELT versucht, fundamentale Fragen der Astronomie, wenn nicht gar der Menschheit, zu enträtseln: Woher kommen wir? Woher kommt das Universum? Wohin gehen wir hin? Und sind wir allein in der Welt? Sie glauben, dass wir wahrscheinlich nicht allein sind? Warum nicht? Man hat ja schon sehr viele Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt, die waren nur nie so richtig als zweite Erde geeignet. Mit ELT nutzt man jetzt eine ganz neue Technik, eine Nobelpreistechnik von 2005 aus der Quantenoptik: Damit können wir plötzlich ganz kleine Sternenbewegungen aufspüren, die quasi durch den Schubs eines erdähnlichen Planeten entstehen. Das wird die Anzahl an Kandidaten enorm erhöhen. Ein Röntgenteleskop sieht andere Dinge Warum braucht man neue Teleskope auf der Erde? Warum nehmen wir z.B. nicht das Weltraumteleskop Hubble und bauen diese Technik weiter aus? Hier auf der Erde müssen wir ja durch eine Atmosphäre schauen, das müssen wir mit einem Weltraumteleskop nicht. Sie haben ein Problem im Weltraum: Sie können keine schweren Dinge hochbringen, und deshalb sind Sie in der Spiegelgröße limitiert. Der Durchmesser des Hubble-Spiegels beträgt 2,5 m, der des ELT-Spiegels 42 m. Sie erforschen Sterne mit dem Röntgenteleskop. Was sehen Sie anderes als wir, wenn wir in den Sternhimmel schauen? Der Himmel sieht in jedem Spektrum anders aus. Das ist ein bisschen so, wie wenn der Arzt von einem Patienten ein Röntgenbild machen will und der dann sagt: Nehmen Sie doch das Bild von meinem Kopf, das ich mit meiner Videokamera gemacht habe, das sieht schöner aus. - Mit einem Röntgenteleskop sehen Sie auch andere Dinge. Ich will z.B. Neutronensterne sehen, die leuchten im Röntgenbereich. Was interessiert Sie daran? Neutronensterne sind extreme Objekte. Sie sind sehr kompakt und haben eine gewaltige Anziehungskraft, fast so stark wie ein Schwarzes Loch. Schwarze Löcher sehen Sie gar nicht mehr, Photonen entkommen Ihnen nicht. Das Licht von Neutronensternen sehen wir gerade noch. Und mit diesem Licht können wir eine ganz extreme Physik untersuchen. Was macht der Neutronenstern? Was bringt es uns, zu wissen, was in einem Neutronenstern geschieht? Das Universum können wir nur in seiner Gesamtheit verstehen. Wir müssen verstehen, wie die Sterne entstehen, wie sie sich entwickeln und wie sie vergehen. Es mag uns vielleicht nicht jeden Tag interessieren, was Neutronenstern A oder B macht. Aber wenn Sie zu den tieferen Fragen vorstoßen wollen, dann brauchen Sie ein gesamtheitliches Verständnis. Wenn wir die Astronomie weltweit vergleichen - wie steht Europa da? Europa steht sehr gut da. Mit dem Very Large Telescope betreibt die Europäische Südsternwarte ESO das zur Zeit leistungsfähigste Teleskop der Welt. Und wenn das ELT kommt, dann haben wir auch den größten Spiegel, mit 42 m. Die Amerikaner planen gerade mal ein 30-m-Teleskop.
Galileos Enkel - kühne Pläne für die Teleskope von
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Andreas Neuhaus Europäische Forscher entwickeln das Extremely Large Telescope. 2017 soll es in Betrieb gehen und 100mal empfindlicher sein als heutige Teleskope. Doch das ist nicht das Ende der Entwicklung. Sein Spiegel soll 42 m Durchmesser haben und einen ganz neuen Blick ins Universum liefern: das European Extremely Large Telescope (EELT), ein Projekt der Europäischen Südsternwarte ESO. Matthias Steinmetz, Wissenschaftler am Astrophysikalischen Institut Potsdam, ist einer der Teleskop-Entwickler. Als Sternenforscher hat er eine klare Vorstellung vom EELT: Es muss möglichst groß sein. "Je mehr Licht man sammeln kann, desto schwächere Objekte kann man sehen und desto tiefer kann man ins Universum hineinschauen.“ Formbar wie eine Gummilinse Mit dem EELT werden die Forscher dazu den gesamten Bereich des sichtbaren Lichtes und einen Teil der unsichtbaren Infrarot-Strahlung ausnutzen können - also alle Strahlung, die durch die Atmosphäre zur Erde gelangt. Allerdings besteht ein Problem: Bei seinem Weg durch die Luft- und Wasserdampfhülle der Erde wird das Licht abgelenkt, die Bilder aus dem Weltall werden unscharf. Die Lösung dafür hat ein Forscherteam um Markus Kissler-Patig gefunden: die sogenannte adaptive Optik. Der Astronom bei der Europäischen Südsternwarte ESO lenkt das Licht vom großen Teleskopspiegel auf einen zweiten, kleineren Spiegel. Und dieser Spiegel ist nicht glatt, sondern verformbar wie eine Gummilinse. Stürmischer Standort Hundert Mal pro Sekunde wird seine Form durch eine entsprechende Mechanik verändert, ein Computer berechnet, wie die Verformung genau aussehen muss. Das Ergebnis: die verzerrten Bilder sind wieder entzerrt. Kissler-Patig: "Ein Bild, das sonst wie ein Fladen aussehen würde, ist dann gestochen scharf.“ Eine besondere technische Herausforderung ist das Gießen des Spiegels. Einen Durchmesser von 8 Metern können die Hersteller noch bewältigen. Aber bei 42 Metern ist das unmöglich. Deshalb wird der Hauptspiegel des EELT in 984 kleine Spiegel aufgeteilt. Und jeder Teilspiegel ist einzeln justierbar. Die Konstrukteure müssen auch darauf achten, dass das Teleskop erdbebenfest und sturmsicher gebaut wird. Denn einer der möglichen Standorte ist die oft stürmische Hochebene Chajnantor in Chile. Hier baut die ESO bereits an einer anderen Teleskopanlage: ALMA soll aus 64 Radio-Antennen bestehen und das Universum im Radiowellenbereich durchleuchten. Suche nach Leben im All Von ALMA und EELT zusammen versprechen sich die Astronomen dann fundamentale Erkenntnisse. Kissler-Patig: "Sind wir alleine? Gibt es noch Leben außerhalb unseres Sonnensystems und unserer Erde? Das ist eine der Hauptfragen, die wir beantworten wollen.“ Und das lassen sich die Europäer auch einiges kosten: Entwicklung, Bau und Betrieb des EELT werden 800 Millionen Euro verschlingen. Dafür bekommen sie dann aber auch ein Instrument, von dem Galileo Galilei wohl nur träumen konnte, vor 400 Jahren, als er zum ersten Mal durch ein Fernrohr blickte.
Kluge Köpfe: die Geologin Yamirka Rojas-Agramonte
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Andreas Neuhaus Unter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen. Die Kubanerin Yamirka Rojas-Agramonte forscht an der Universität Mainz. Die Frage, die sie beschäftigt: Wie sind Kuba und die anderen karibischen Inseln entstanden? Und welche Rolle haben dabei die verschiedenen Kontinentalplatten gespielt? In ihrer Heimat, so sagt sie, steckt diese Forschung noch in den Anfängen. Ihre Forschungsergebnisse könnten in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, weil sie die Suche nach Bodenschätzen erleichtern.
CERN - die Reise zum Anfang der Welt
Läuft geradeNeue FolgeDer Countdown läuft: Mitte November soll in Genf endlich der größte Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb gehen. Nach einem Fehlstart im vergangenen Jahr hoffen die Forscher nun auf spektakuläre Ergebnisse. Ein Film von Cornelia BorrmannEin ringförmiger Tunnel, 27 Kilometer Umfang, 100 Meter tief unter der Erdoberfläche: Das ist das Herzstück des Teilchenbeschleunigers LHC. Wer ihn mit dem Fahrrad abfahren will, braucht eine Stunde. In Zukunft sollen hier die Kerne von Wasserstoff- und Bleiatomen kreisen, mit Höchstgeschwindigkeit, fast so schnell wie das Licht - 300.000 Kilometer in der Sekunde. Kollision im Feuerball Das geschieht in zwei Vakuum-Röhren, in denen sich die Atome in entgegengesetzter Richtung bewegen - bis zu dem Moment, auf den die Forscher so gespannt warten: Dann werden die Atomkerne mit voller Wucht aufeinanderprallen, es entsteht ein winziger, extrem heißer Feuerball, und die Atome zerbrechen in ihre Bestandteile. Vier Nachweisgeräte, die Detektoren, sollen dann die Eigenschaften der entstandenen Teilchen registrieren, z.B. Flugbahn und Energie. Zahlreiche Elektromagnete werden dafür sorgen, dass die Atomkerne auf ihrer Kreisbahn bleiben. Würden sie mit der Wand zusammenstoßen, wären die Folgen fatal: Die Forschungsmaschine würde zerstört. Explosion in der Kälte Um die Magnetfelder zu erzeugen, müssen die Elektromagneten tiefgekühlt werden, auf minus 269 Grad Celsius, kurz vor dem absoluten Nullpunkt. Das geschieht mit flüssigem Helium. Rund hundert Tonnen werden davon benötigt, niemand hat je mit so riesigen Mengen hantiert. Die Helium-Kühlung war es denn auch, die am 19. September 2008 zum Desaster führte: Eine defekte elektrische Kabelverbindung im Teilchenbeschleuniger erwärmte sich, und zwei Tonnen flüssiges Helium verdampften schlagartig. Die entstehende Druckwelle zerstörte zahlreiche Magnete und riss sie aus der Verankerung. Seitdem wird die Forschungsmaschine repariert. Existiert das Higgs-Teilchen? Das LHC-Projekt dient vor allem einem Zweck: das "Higgs-Teilchen" zu finden, benannt nach dem schottischen Physiker Peter Higgs, der es 1964 beschrieben hat. Nach seinen Vorstellungen ist das Higgs-Teilchen die Ursache dafür, dass alle Materieteilchen auch eine Masse besitzen. Bisher existiert es nur in der Theorie. Die Forscher am CERN wollen es nun endlich finden. Autorin: Cornelia Borrmann Redaktion: Klaus Dartmann
Vom Teilchenbeschleuniger zum Medizingerät
Läuft geradeNeue FolgeEs soll zum Fortschritt in der Krebsmedizin beitragen: ein neues, hochauflösendes Diagnosegerät zur Erkennung von Brustkrebs. Kern ist eine kleine Messsonde, die für den Beschleuniger in Genf entwickelt wurde. Ein Film von Kari Hauschke und Sascha QuaiserAm portugiesischen Krebsforschungszentrum in Porto wird der "Positronen-Emissions-Mammograph" (PEM) im praktischen Einsatz getestet. Er soll Brustkrebs besser erkennen können als seine Vorläufermodelle. Ein portugiesisches Konsortium hat ihn entwickelt. Selbst ein bis zwei Millimeter kleine Tumore würden noch entdeckt, erklärt der Leiter des Entwicklerteams. Und ausserdem koste das Gerät weniger als die bisherigen Geräte. Der neue PEM ist ein Beispiel für die Anwendung von Ergebnissen der Grundlagenforschung am CERN.
Forscheralltag am CERN: Die Physikerin Monica Pepe
Läuft geradeNeue FolgeTausende Wissenschaftler aus aller Welt arbeiten am CERN. Die Italienerin Monica Pepe Altarelli ist eine von ihnen. Sie leitet eine Arbeitsgruppe beim LHCb-Experiment, mit dem die Forscher herausfinden wollen, warum das Universum hauptsächlich aus Materie und nicht aus Antimaterie besteht. Ein Film von Kari Hauschke. Was treibt die Experimentalphysikerin, die zunächst Architektin werden wollte, an? Wie sieht der Arbeitsalltag am CERN aus? Und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Forschern aus aller Herren Länder?
Krebsforschung - das Geheimnis der Unsterblichkeit
Läuft geradeNeue FolgeWarum leben Krebszellen scheinbar ewig, und warum sterben andere Körperzellen nach einer gewissen Zeit ab? Fragen, denen die Molekularbiologin Maria Blasco am Spanischen Krebsforschungszentrum in Madrid nachgeht. Von Axel WagnerDie Antwort hat sie in den Chromosomen der Zellen gefunden. Deren Endstücke entscheiden darüber, wie alt eine Zelle werden kann. Diese Erkenntnis könnten einmal helfen, neue Krebsmedikamente zu entwickeln und vielleicht auch das Lebensalter von Zelle und Mensch zu verlängern.
Studiogast: Prof. Sarah Spiekermann, Wirtschaftsin
Läuft geradeNeue FolgeSarah Spiekermann, Wirtschaftsinformatikerin an der Wirtschaftsuniversität in Wien, beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. "Wir müssen uns heute schon darum bemühen, dass Menschen immer die letzte Kontrolle im Umgang mit der Maschine haben. Das heißt, der berühmte rote Aus-Knopf muss bei der Konstruktion immer berücksichtigt werden."DW-TV: Forschern ist es gelungen, lernende Roboter zu entwickeln, indem sie den Erfolgreichen erlaubt haben, ihre Programme an andere Roboter weiterzugeben. Man bemüht also ein natürliches Prinzip, nämlich die Evolution, um schneller zu Programmierergebnissen zu kommen. Ist das ein Trend? Sarah Spiekermann: Ich denke schon, dass es ein Trend ist, selbstlernende Maschinen zu entwickeln. Diese Maschinen reagieren intuitiver und manchmal sogar schneller und besser, als wenn Menschen mühsam die einzelnen Schritte programmieren. DW-TV: Das heißt, die Natur programmiert besser. Aber man weiß doch gar nicht so genau, was dabei eigentlich passiert. Sarah Spiekermann: Richtig. Der Nachteil ist, dass es schwer nachvollziehbar wird, warum eine Maschine so oder so agiert oder reagiert. Das ist insbesondere in der Interaktion zwischen dem Menschen und der Maschine problematisch. Hier muss man genau wissen, wie sich der Roboter, der intelligente Kühlschrank oder andere Objekte gegenüber dem Menschen verhalten werden. Wenn man das nicht genau weiß, wer kann dann für die Folgen einstehen? DW-TV: Nun wissen wir ja, dass Evolution keinen Endpunkt kennt. Und Sie sagen, wir geben hier die Kontrolle ab. Könnte es nicht sein, dass selbst-reproduzierende Roboter, die die Evolution weiter treiben, irgendwann so intelligent werden, dass sie die Macht übernehmen? Ist das Science Fiction? Sarah Spiekermann: Das ist sicherlich Science Fiction. Die Literatur gibt uns da viele Beispiele. Aber man muss unterscheiden, wo wir heute stehen und was Science Fiction bleiben wird. Trotzdem sollten wir uns heute schon darum bemühen, dass Menschen immer die Kontrolle und das letzte Wort im Umgang mit der Maschine haben. Der berühmte Rote Aus-Knopf oder das Signal "Nein" müssen bei der Konstruktion der Maschinen berücksichtigt werden. DW-TV: Maschinen treffen schon heute selbständig Entscheidungen, beispielsweise beim Autofahren. Es gibt bereits Autos, die den Abstand zum Vordermann messen und selbständig bremsen. Geht das schon zu weit? Sarah Spiekermann: Der Sicherheitsexperte und die Versicherungsgesellschaften würden argumentieren, dass solche Fahrzeuge sehr sinnvoll sind. Aber die Frage ist natürlich, inwiefern auch hier der Fahrer weiterhin Kontrolle über sein Auto wünscht. Warum sind Menschen nicht als gute Fahrer anerkannt ? Wenn jemand dieses selbstbremsende System nicht nutzen möchte: Hat er eine Möglichkeit, es abzustellen? DW-TV: Aber in diesem Fall, zur Vermeidung eines Unfalls, wollen wir doch, dass die Maschine uns eine Entscheidung abnimmt. Sarah Spiekermann: Hier überwiegt die Sicherheit. Aber es gibt andere Funktionen wie beispielsweise das Warngeräusch beim Anschnallen. Die Frage ist, warum zwingt mich mein Auto, dass ich mich anschnalle? Warum kann ich zum Beispiel beim Einparken das System nicht ausstellen? Wir müssen das letzte Wort dem Menschen überlassen, sonst haben wir sehr schnell einen Technologiepaternalismus, den wir uns nicht wünschen. (Interview: Ingolf Baur)
Kluge Köpfe - der israelische Wissenschaftler Guy Pe'er
Läuft geradeNeue FolgeUnter dem Titel "Kluge Köpfe" stellt PROJEKT ZUKUNFT junge Wissenschaftler aus aller Welt vor, die in Deutschland leben und forschen. Von Dana NovakGuy Pe'er ist 34 Jahre und stammt aus Israel. Er arbeitet in Leipzig am Umweltforschungszentrum. Dort beschäftigt er sich mit den Folgen, die der Rückgang des Brasilianischen Regenwaldes auf die Tierwelt hat.
Oscar - das Elektroauto der Zukunft
Läuft geradeNeue FolgeEin Elektroauto, alltagstauglich und mit sehr niedrigem Energieverbrauch - das soll OSCAR werden, der "Open Source Car", ein Forschungsauto. Von Cornelia BorrmannSeine Darmstädter Konstrukteure wollen mit ihm technische Probleme lösen, die beim Bau eines Elektrofahrzeuges auftreten: die Langlebigkeit und Temperaturregelung der Batterie, die Abstimmung mit dem Motor, die Konstruktion der Fahrzeugkabine. Oscar schafft 300 km mit einer Batterieladung. Ziel ist es, der Autoindustrie technische Lösungsmöglichkeiten für die Elektroauto-Entwicklung anzubieten.
Studiogast: Dr. Oliver Schwedes, Verkehrsexperte
Läuft geradeNeue FolgeOliver Schwedes arbeitet an der Technische Universität Berlin im Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung. Seine Forderung: Es reicht nicht aus, neue Elektroantriebe zu entwickeln und Verbrennungsmotoren effizienter zu machen: "Auch das Verkehrsverhalten muss sich ändern."DW-TV: Fahren Sie schon regelmäßig Elektroauto? Oliver Schwedes: Nein, leider nicht! DW-TV: Der Markt bietet auch noch nicht viele Modelle an. Warum eigentlich nicht? Oliver Schwedes: Die Autoindustrie hat da Entwicklungen verschlafen. Wir stehen noch am Anfang. Obwohl es in der Vergangenheit schon Anstrengungen gegeben hat, wurden diese abgebrochen. Und jetzt fangen wir wieder von vorne an. DW-TV: Dabei begann die Geschichte der Mobilität mit einem Elektroauto. Im 19. Jahrhundert war es schon mal richtig bedeutend. Was hat man konkret verschlafen? Die Batterieentwicklung? Oliver Schwedes: Die Batterieentwicklung insbesondere, auch da gab es schon Projekte in den 90iger Jahren. Deutschland hatte verschiedene Anstrengungen unternommen, aber dann hat die Autoindustrie entschieden, dass es sich nicht lohnt zu investieren. Unter den Rahmenbedingungen heutzutage sieht das anders aus. Es könnte schwer werden, die Nachfrage zu bedienen DW-TV: Nun soll das Elektroauto stark gefördert werden und die Rettung vor dem Klimawandel bringen, also CO2 einsparen. Wie viel ist da tatsächlich möglich, wenn man ein Elektroauto mit einem Verbrennungsmotor-Auto vergleicht? Oliver Schwedes: Alles hängt davon ab, inwieweit die Elektroautos in Zukunft aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Das könnte tatsächlich deutliche Einsparungen gegenüber den jetzigen Benzinern bringen. Aber man sollte die Ressourcen nicht vergessen, die trotzdem notwendig sind, um so ein Auto und die Batterie zu produzieren. Ich erinnere nur an Lithium, einen endlichen Rohstoff, der jetzt schon knapp ist. Es könnte in Zukunft schwierig werden, die Nachfrage zu bedienen. DW-TV: Aber es gibt jede Menge Studien zum Klimawandel, die zeigen, dass wir erheblich besser aufgehoben wären, wenn man die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren effizienter und sparsamer machen würde. Oliver Schwedes: Wir sollten alles machen. Der normale Verbrennungsmotor hat bestimmt Potentiale. Wir sollten aber auch in technologische Innovationen wie alternative Antriebe und Elektroantriebe investieren. Ich denke, sich allein auf Effizienzgewinne zu fokussieren, ist gerade im Verkehrssektor ein Problem. Wir sehen immer wieder, dass die Effizienzgewinne bis zum heutigen Tage durch das rasante Verkehrswachstum aufgezehrt werden. Es gibt andere Ideen DW-TV: Leute mit einem sparsamen Auto fahren auch gerne ein bisschen mehr. Sie sprechen vom Verkehrswachstum: Heute haben wir ungefähr eine Milliarde Fahrzeuge auf der Erde. Bald schon könnten es zwei Milliarden sein. Wo sind da die Auswege? Oliver Schwedes: Wir müssen neben den technologischen Innovationen auch darüber nachdenken, inwieweit wir neue Konzepte entwickeln können. Auch das Verkehrsverhalten muss sich ändern. Nicht im Sinne von Verzicht, um das gleich dazu zusagen - das ist ja recht unpopulär. Aber es gibt andere Ideen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, die in eine ähnliche Richtung gehen. DW-TV: In Ulm gibt es ein solches Projekt schon. Ein Auto zum Ausleihen steht dort am Bahnhof. Denken Sie in diese Richtung? Oliver Schwedes: Genau in diese Richtung! Wir nennen das "Public Electric Car". Neben dem Einsatz von Technologien auf Basis erneuerbarer Energien zielen wir auch auf eine Integration in den öffentlichen Verkehr ab. Wir stellen uns vor, dass man in Zukunft mit dem öffentlichen Verkehr fährt und zusätzlich auch ein Auto nutzen kann. So bleibt man mobil und kann auf sein privates Auto verzichten. (Interview: Ingolf Baur)
Erste Hilfe für Ersthelfer – wenn das Herz stillst
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Jürgen Schneider 120.000 Menschen sterben jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Viele hätten gerettet werden können – sagen Rettungsmediziner der Charité. Sie fanden heraus: In den entscheidenden ersten Minuten nach einem Herzstillstand sind viele Menschen nicht in der Lage zu helfen. Eine Studie dokumentiert erstmals die Defizite und die gefährlichen Erste-Hilfe-Mythen.
Müde Ballerinen - Schlafforscher machen mobil
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Andreas Neuhaus Balletttänzer schlafen zu wenig. Das haben Schlafforscher der Charité bewiesen. Eine Folge sind Unfälle bei der Arbeit. 3 Monate lang trugen Tänzer des Staatsballetts Berlin Sensor-Armbänder, die Bewegungs- und Ruhephasen aufzeichneten. Im Ergebnis entwickelten die Forscher einen mobilen Ruheraum, in dem die Tänzer Entspannungsphasen einlegen können.
Fast wie im Krimi – der Gerichtsmediziner Michael
Läuft geradeNeue FolgeEin Film von Mabel Gundlach Michael Tsokos ist der wohl bekannteste "Forensische Pathologe" Deutschlands. Er ist Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Charité. Tsokos gehörte zu den Experten, die Leichen aus den Massengräbern in Bosnien und im Kosovo untersuchten, und er half, die Toten der Tsunami-Katastrophe in Indonesien zu identifizieren.
Arzneimittelherstellung der Zukunft – Studiogespräch mit Dr. Margret Engelhard
Läuft geradeNeue FolgeDie Molekularbiologin Margret Engelhard arbeitet an der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit PROJEKT ZUKUNFT spricht die Wissenschaftlerin über "Pharming", die Produktion von Medikamenten durch gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere, und deren Akzeptanz in der Gesellschaft. DW-TV: Schon seit vielen Jahren hat man uns Medikamente vom Acker versprochen. Wie kommt es, dass wir diese Arzneimittel immer noch nicht haben? Margret Engelhard: In den Anfangstagen hat man unterschätzt, dass es technisch doch komplizierter ist als man dachte. Z.B. Wie genau kann man Milch mit einem bestimmten Protein produzieren? Es gibt aber auch Probleme mit der Zulassung dieser Medikamente. Da es neu ist, mit Pflanzen und Tieren Medikamente herzustellen, müssen neue Wege beschritten werden. Und das dritte Problem ist, dass es sehr viele Patente auf Gene gibt, die den Firmen nicht immer freies Agieren erlauben. DW-TV: Würden die Menschen denn Medikamente, die entweder von veränderten Tieren oder veränderten Pflanzen kommen, tatsächlich akzeptieren? Margret Engelhard: Wir haben dazu in ganz Europa, Japan und den USA eine große Umfrage gemacht und festgestellt, dass die Akzeptanz hoch ist, wenn die Medikamente aus Pflanzen kommen, aber nicht wenn sie aus Tieren hergestellt werden. Tiere als Fabriken, das ist uns dann doch moralisch etwas zu blümerant. DW-TV: Das ist überraschend, wenn man bedenkt wie heftig die grüne Gentechnik, also die Gentechnik auf dem Acker, bei uns abgelehnt wird? Margret Engelhard: Das stimmt. Aber rein wissenschaftlich sind die Gefahren auf der Pflanzenseite auch etwas höher. Es kann passieren, dass diese Pflanzen, die Medikamente produzieren und nicht als Lebensmittel geeignet sind, vom Acker ausbüchsen und dann vielleicht doch in unserer Lebensmittelkette, in unseren Frühstückskellogs landen. DW-TV: Das halten Sie für realistisch? Margret Engelhard: Es könnte passieren. Wenn man den Anbau nicht in einem völlig geschlossenen Gewächshaus betreibt, kann man das nicht ausschließen. Insofern erstaunt es, dass die Gefahr auf der Pflanzenseite nicht wahrgenommen wird. Aber es sind eben die moralischen Probleme, die vor allem bei den Tieren gesehen werden. DW-TV: Mit Bakterien, die ja heute schon viele unterschiedliche Medikamente und Wirkstoffe herstellen, haben wir aber keine Probleme. Margret Engelhard: Weil die in einem Fermenter abgeschlossen sind und uns nicht so nah kommen. Die Akzeptanz von genetisch veränderten Pflanzen als Wirkstofflieferant ist grösser, als die der grünen Gentechnik für die Lebensmittelproduktion, weil so Medikamente hergestellt werden, die einem eventuell helfen können. Da wägt man doch anders ab. DW-TV: Nun hatte man vor einiger Zeit von der "Impfbanane" gehört, die dann nie gekommen ist. Welche Erwartungen sind heute realistisch? Welche Krankheiten wird man tatsächlich mit Medikamenten aus Tieren oder Pflanzen bekämpfen können? Margret Engelhard: Es gibt eine ganze Reihe von Krankheiten, die in Frage kommen. Eigentlich alle großen Zivilisationskrankheiten: Diabetes, Krebs usw. Die Industrie hofft auf diese Weise Medikamente billiger herzustellen. Und eventuell könnte man auch ganz neue Medikamente produzieren, die man bisher noch gar nicht herstellen konnte. DW-TV: An welche Erkrankungen denken Sie da? Margret Engelhard: Da gibt es zum Beispiel Bluterfaktoren, welche man im Moment aus Blut isolieren muss. Das ist sehr teuer und birgt immer die Gefahr, dass man Krankheitserreger überträgt. Wenn man diese zum Beispiel aus Pflanzen herstellen könnte, wäre das eine sichere Methode. (Interview: Ingolf Baur)
Das neue schwarze Gold? Studiogespräch über Zukunft der Manganvorkommen in der Tiefsee
Läuft geradeNeue FolgeStudiogast: Dr. Michael Wiedecke, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Geozentrum Hannover DW-TV: Was ist denn so eine Manganknolle Wert? Michael Wiedicke: Eine einzelne Knolle ist nicht viel wert. Die hat vielleicht einen Wert von fünfzig Cent. DW-TV: Fünfzig Cent und trotzdem lohnt sich der Aufwand? Michael Wiedicke: Der Aufwand lohnt sich deswegen, weil die Knollen sehr häufig am Meeresboden vorkommen. Sie treten wie bei einem Kopfsteinpflaster auf der Straße auf. Und die große Zahl macht es. DW-TV: Sie waren sieben Wochen auf See dabei. Was war das Beeindruckendste für Sie auf dieser Reise? Michael Wiedicke: Das Beeindruckendste war der Tropensturm "Polo", dem wir begegnet sind. Er hat uns dazu gezwungen unsere Arbeiten kurzzeitig zu unterbrechen und zu flüchten. DW-TV: Sie waren sieben Wochen auf See mit Kollegen und Besatzung auf engstem Raum zusammen, wie ist das? Michael Wiedicke: Das ist durchaus eine Herausforderung, da kommt es auch schon mal zu Schiffskoller. Man muss sich darauf einstellen, dass man mit sehr unterschiedlichen Naturellen zusammen ist und lernt damit gelassen umzugehen. DW-TV: Zum Beispiel auch mit Manganknollen, die Sie gesucht haben und die Sie erforschen wollen. Wie viele haben Sie in den sieben Wochen gefunden? Michael Wiedicke: Wir haben jetzt Explorations-, Erkundungsarbeiten gemacht und wir haben etwa vierhundert Kilogramm geborgen für weitere Untersuchungen. DW-TV: Was macht die Manganknolle so wertvoll, was ist da alles drin? Welche Metallen enthalten Sie zum Beispiel? Michael Wiedicke: Besonders wertvoll ist ein kleiner Anteil aus Metallen, nämlich Kobalt, Kupfer und Nickel, die zusammen drei Prozent ausmachen. Und sie haben einen großen ökonomischen Wert. Das ist es, was die wirtschaftlichen Interessen dabei treibt. DW-TV: Was macht das Hochholen so schwierig? Michael Wiedicke: Das Hochholen ist deswegen so schwierig, weil wir einmal in einer sehr entlegenen Weltgegend sind. Wir müssen also lange Anfahrtzeiten in Kauf nehmen. Und zum anderen ist die Wassertiefe dort zwischen vier und fünf Kilometer tief. Das heißt, alle Aktivitäten, die Boot bezogen sind, brauchen einfach sehr lange und müssen gut geplant werden. DW-TV: Naturschützer sagen, dass die Ernte dieser Knollen das Leben in der Tiefsee auf lange Sicht zerstören würde. Was sagen Sie denen? Michael Wiedicke: Ich möchte schon zugestehen, dass menschlicher Einfluss eine gewisse Auswirkung auf das marine Leben hat. Aber es kommt eben jetzt darauf an, auch zu erreichen, das möglichst wenig Schaden angerichtet wird. Am Ende aller Untersuchungen ist zum Beispiel auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu bestehen. Und wenn die nicht bestanden wird, wird es auch keinen Abbau geben. DW-TV: Wann wird man denn die Rohstoffe haben und verwenden können? Wie ist da in etwa der Zeitrahmen? Michael Wiedicke: Generell muss man mit einem Zeitrahmen von zehn, fünfzehn Jahren vom Beginn einer Aktivität bis zu einer möglichen Nutzung rechnen. Momentan gibt es noch keine marine Gewinnung von mineralischen Rohstoffen vom Meeresboden. DW-TV: Würden Sie denn auch sagen, dass diese Manganknollen der Rohstoff der Zukunft sind, das sagen ja einige Forscher, einige ihrer Kollegen? Michael Wiedicke: Ich denke es ist ein möglicher. Und es ist deswegen auch ein möglicher, weil er praktisch ein unkonventioneller Rohstoff ist. Er kommt aus dem marinen Bereich, wo bisher wenig Aktivität zu verzeichnen ist. Und Sie müssen bedenken, dass die Erde zu zweidrittel von Meer bedeckt ist. Eine ständig wachsende Menschheit kann sich kaum erlauben, diesen Bereich aus der Betrachtung völlig außen vor zu lassen. DW-TV: Das Meer ist ja weniger erforscht als der Mond? Michael Wiedicke: Ja, für die Tiefsee gilt das glaube ich noch. Interview: Daniela Levy
Expedition zum Meeresgrund (5) - Schwarze Raucher, Heiße Quellen
Läuft geradeNeue FolgeDie Erforschung der Tiefsee gilt als eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen der Zukunft. Das Gebiet ist riesig, zwei Drittel der Erdoberfläche liegen unter Wasser. Gerade mal ein Prozent dieses Lebensraums ist erforscht. PROJEKT ZUKUNFT gibt faszinierende Einblicke in die Arbeit der Meeresforscher - eine fünfteilige Serie in Zusammenarbeit mit dem Bremer Forschungszentrum MARUM. Der MARUM-Wissenschaftler Wolfgang Bach erforscht die sogenannten "Schwarzen Raucher," das sind Heißwasserquellen auf dem Meeresgrund. Sie entstehen zum Beispiel in der Mitte des Atlantik, im sogenannten Logatchev-Feld, wo die Erdplatten sich auseinanderbewegen und permanent neuer Meeresboden aus der Tiefe nachquillt. "Schwarze Raucher" gehören zu den faszinierendsten Gebilden der Tiefsee. Der Professor an der Universität Bremen untersucht, wie sie entstehen und wieso in dieser aggressiven chemischen Umgebung Muscheln, Garnelen und Krebse existieren können. In unserem Beitrag zeigt er den Zuschauern von PROJEKT ZUKUNFT Bilder von beeindruckender Schönheit, Bilder, wie er sagt, "aus den Oasen in der Wüste des Meeresbodens".
Läuft geradeNeue FolgeDr. Henry Jäger forscht am Institut für Lebensmitteltechnologie an der Technischen Universität in Berlin. Wir sprechen über das Thema: "Neue Technologien für neue Lebensmittel?" DW-TV: Fleisch aus dem Labor: Ist das Science-Fiction? Henry Jäger: Es ist wissenschaftlich sicher sehr interessant, wie die Entwicklung weiter verlaufen wird. Wenn man die wesentliche Probleme, als Wachstum, Form oder Lebensdauer lösen kann, dann ist es sicherlich möglich. DW-TV: Es gibt ja heute schon Fleischersatz. Zum Beispiel aus Soja. Warum müssen wir noch Fleisch aus dem Labor haben, wenn wir doch schon pflanzliches Fleisch haben? Henry Jäger: Nun, dass entscheidet der Verbrauchers: Was möchte er gern essen? Welchen Geschmackseindruck möchte er haben? Welche Textur soll das Lebensmittel haben, was er verzehren möchte? Und natürlich können wir Fleischproteine ersetzen durch Pflanzenproteine, können auch in der Form und Beschaffenheit diese anderen herkömmlichen Würstchen durchaus nachahmen. Das wird gemacht und vom Verbraucher auch akzeptiert. DW-TV: Sie arbeiten ja auch an Ersatzstoffen. Was kann man außer Sojabohnen noch nehmen? Henry Jäger: Die Quellen pflanzlicher Proteine sind im Prinzip unerschöpflich. Soja ist sehr weit verbreitet. Wir forschen auch in neuen Proteinquellen, zum Beispiel Raps. Wir wollen im Prinzip den Rohstoff, den wir haben, möglichst vollständig auszunutzen, alle wertgebenden Inhaltsstoffe daraus gewinnen und auch in der Lebensmittelproduktion verwerten. DW-TV: Wenn wir noch mal zum Laborfleisch kommen: Glauben Sie wirklich, dass wir das mal essen werden? Henry Jäger: Eine Frage ist auf jeden Fall der Preis. Eine Frage ist die Verbraucherakzeptanz an sich. Wir sehen jetzt mehr und mehr den Trend, dass der Verbraucher zu naturbelassenen Lebensmitteln greift. Diese Faktoren werden über den Erfolg entscheiden. DW-TV: Müssen wir denn überhaupt Fleisch essen, um Inhaltsstoffe zu bekommen? Kann man die nicht auch pflanzlich ersetzen? Henry Jäger: Ersetzen ist möglich, und wenn wir die zukünftige Entwicklung betrachten, sprechen wir mehr und mehr von sogenannten personalisierten Nahrungsmitteln. Es geht dabei um eine ganz gezielte Ergänzung, durch den Zusatz entsprechender Nährstoffe und Mineralien bei jedem einzelnen. DW-TV: Herr Jäger, herzlichen Dank für Ihren Besuch. Interview: Daniela Levy
Eiskalt kalkuliert oder tollkühn riskiert - was Geld im Kopf anrichtet. Von Andreas Neuhaus.
Läuft geradeNeue FolgeWer ist schuld an der Finanzkrise? Bauherren, die Immobilien auf Pump gekauft haben, ohne zu wissen, wie sie die Schulden wieder abbezahlen können? Oder Banker, die faule Kredite skrupellos weiterverkauft haben? Oder Aufsichtsräte und Politiker, die die Krise haben kommen sehen, aber gedacht haben "Augen zu und durch"?Warum haben sich die Beteiligten so unvernünftig verhalten, wie sie es getan haben? Wissenschaftler der noch jungen Forschungsdisziplin Neuroökonomie nehmen den homo oeconomicus unter die Lupe. Dabei arbeiten Wirtschaftswissenschaftler und Neurowissenschaftler zusammen. An der Uni Bonn zum Beispiel schauen der Hirnforscher Christian Elger und seine Mitarbeiter dem Gehirn bei ökonomischen Entscheidungsprozessen zu: Zwei Testpersonen lösen ein Problem, werden jedoch unterschiedlich dafür belohnt. Im Belohnungszentrum des Gehirns wird diese ungleiche Bezahlung sichtbar, es springt bei der Person, die weniger entlohnt wurde, kaum an. Ein Ergebnis der Untersuchungen: Der Mensch reagiert weit weniger rational als er meint. ________________________________ Je höher der Einsatz, desto spannender das Spiel. Doch was passiert dabei im Gehirn: Setzt beim Streben nach Geld irgendwann der Verstand aus? Und wie wichtig ist es, am Ende mehr zu haben als der andere? Nicht nur beim Glücksspiel, auch in der Finanzwelt sind Entscheidungen oftmals sehr emotional. Der Hirnforscher Christian Elger möchte genau wissen, was Geld im Kopf anrichtet. Er hat geholfen, in Deutschland eine neue Fachrichtung zu etablieren: die Neuroökonomie. Dabei schaut er Menschen bei Finanzaktionen ins Gehirn. Und er hat bereits erste Ergebnisse: "Geld ist wohl der kritischste Punkt. Wir haben ein Belohnungszentrum, dessen Aktivierung uns ein so positives Gefühl vermittelt, dass wir das durch nichts anderes toppen können. Geld aktiviert dieses System massiv. Das heißt, der permanente Umgang mit Geld und auch der Umgang im Sinne einer Gewinnsituation noch mal zusätzlich führt zu einem suchtähnlichen Verhalten." Zu einem Duell der anderen Art treffen sich die beiden Probanden wieder. Doch hier sollen sie nicht gegeneinander würfeln, sondern jeder für sich eine Aufgabe lösen. Das geschieht, europaweit einmalig parallel in zwei Gehirnscannern. Denn während sie die Aufgaben lösen und anschließend jeder einen Geldbetrag als Belohnung erhält, werden die Signale aus ihren Gehirnen aufgezeichnet. Der Trick: trotz gleicher Leistung fällt die Belohnung immer unterschiedlich aus. Aufgabe ist es, die Anzahl der Punkte richtig zu schätzen, Sind es mehr oder weniger als angegeben? Wer welchen Lohn dafür erhält, sehen die Probanden anschließend. Auf die Frage "Was hat Sie gestört bei dem Experiment? Haben Sie da etwas bemerkt?", antwortet der Proband: "Ja, immer wenn ich gedrückt habe und der andere auch, hatte er plötzlich doppelt so viele Punkte wie ich. Also, ich glaube wir waren beide richtig, aber er hatte doppelt so viele Punkte wie ich. Also das habe ich nicht verstanden. Das finde ich ein bisschen, ja nicht gut, eigentlich gar nicht gut." Diese Enttäuschung spiegelt sich sofort in der Gehirnaktivität wieder. Das können die Forscher in ihren Aufnahmen ablesen. Klaus Fließbach, Diplom-Psychologe, Life&Brain-Center Bonn, der die Untersuchung durchgeführt hat, sagt dazu: "Sie sehen hier ganz stark aktiv einen Teil des Gehirns, den nennt man ventrales Striatum. Das ist im Prinzip das Kerngebiet des so genannten Belohnungssystems. In diesem System tritt zunächst einmal Aktivierung auf, wenn ich überhaupt etwas bekommen im Vergleich zu der Situation, wo ich ganz leer ausgehe. In diesem Areal sieht man aber auch eine Abhängigkeit der Stärke der Aktivierung davon, was der andere erhält. Und zwar wenn der andere mehr als ich bekomme, dann habe ich dort eine schwächere Aktivierung als wenn ich derjenige bin, der mehr bekommt." Die Hirnforscher haben damit die ökonomische Theorie widerlegt, nach der die gleiche Belohnungssumme immer die gleiche Wirkung hat, egal, was der andere verdient. Das Gegenteil ist der Fall: der Vergleich mit anderen ist wichtiger als die absolute Summe. Dazu kommt: je stärker das Belohnungszentrum aktiv ist, desto schwächer das vernunftgemäße Denken. Auf die Frage. Ob man man daraufhin in Zukunft auch Manager untersuchen könne, antwortet Christian Elger: "Meine persönliche Vision ist so, dass Unternehmensleiter in 10 Jahren ihr genetisches Profil abliefern müssen, vielleicht auch noch eine Untersuchung im Scanner durchlaufen müssen und dass aus der Kombination der Daten dann ein Risikoprofil erstellt wird für diesen bestimmten Manager. Sagt: Du bist zwar gut, aber Du hast ein hohes Risiko. Also setzen wir Dir einen Kontrolleur oder einen Partner an die Seite, der versucht, dieses Risiko zu minimieren. Dann bist Du der Richtige für uns." Die Neuroökonomie steht noch ganz am Anfang. Doch sie kann vielleicht helfen, dass die Finanzmärkte in Zukunft wieder sicherer werden. Und Geldanlagen nicht mehr so riskant ablaufen wie beim Würfelspiel.
Zu Gast im Studio: Prof. Dr. Bernd Ronacher
Läuft geradeNeue FolgeProf. Dr. Ronacher vom Institut für Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin ist Ameisenforscher. Er war auch daran beteiligt, den kleinen Wüstenameisen Stelzen zu verpassen. DW-TV: Herr Ronacher, was machen Sie denn sonst noch für Experimente mit den Wüstenanmeisen? Bernhard Ronacher: Wir versuchen zu verstehen, wie die ihre Orientierungsleistungen vollbringen können. Das tolle an den Ameisen ist, dass die für ihre Körperlänge riesige Exkursionen unternehmen von bis zu hunderttausenden Körperlängen. DW-TV: Was wäre das dann auf den Menschen übertragen? Bernhard Ronacher: Wir müssten etwa 80 km weit laufen, in einem völlig wirren Zickzack- Lauf. Die Ameisen schaffen es, wenn sie dann ein Stück Beute finden, auf geradlinigem Weg wieder zum Nest zurück zu finden. Die finden ihr Nest mit einer tollen Präzision, immer wieder. Wenn sie es nicht finden, dann sterben sie an der Hitze, die dort ziemlich massiv ist. DW-TV: Jede Wette, wir Menschen würden an so einer Aufgabe scheitern. Dabei sind wir doch die Krone der Schöpfung, haben ein so fantastisch großes Allround- Gehirn. Wie kann die Ameise das schaffen mit ihrem kleinen Gehirn? Bernhard Ronacher: Ameisen haben ein Gehirn von ungefähr einem Zehntel Milligramm Gewicht, was also schon deutlich weniger ist, als bei uns. Man fragt sich manchmal, wenn man mit den Tieren arbeitet, warum wir eigentlich so viel Ballast mit uns herumschleppen. DW-TV: Es kann ja nicht ausreichen, nur die Schritte zu zählen. Das macht Cataglyphis auf jeden Fall. Aber wenn es jetzt im Gelände hoch und runter geht und die Ameise in verschiedene Richtungen wandert, dann muss das Tier noch mehr können, als Schritte zählen. Was ist das? Bernhard Ronacher: Es muss für jedes Wegstück, das es läuft, auch die Richtung messen. Das machen die Ameisen mit Hilfe eines Himmelskompasses, sie messen entweder den Stand der Sonne oder die Verteilung des polarisierten Lichtes. Am Himmel ist ein relativ kompliziertes Muster, das wir selber nicht sehen können. Aber für Insekten ist da ein Muster am Himmel, das ganz deutlich ist und danach können sie den Sonnenstand bestimmen und können sich also dann die Richtung, in die sie laufen, merken. Das schwierige aber ist, dass die Ameisen ständig Richtung und gelaufene Entfernung miteinander verrechnen müssen und das irgendwie aufsummieren müssen zu einer Heimkehr-Richtung. DW-TV: Das heißt, die müssen ja Mathematik, die müssen eigentlich Geometrie in ihrem Köpfchen betreiben. Bernhard Ronacher: Ja, hat man auch gedacht, aber so richtige Trigonometrie machen sie nicht, sondern sie machen wohl so ein Näherungsverfahren und das spannende eigentlich an den Ameisen ist, wie sie eigentlich mit so einem ungenauen Näherungsverfahren die erforderliche Genauigkeit hinbekommen. Für die geht es ja um die Wurst, wenn die ihr Nest verfehlen, wenn sie sich nur um fünf Grad in der Richtung vertun, dann sind sie so weit weg vom Nest, dass sie es wahrscheinlich nicht mehr finden würden. Und dann sterben sie. DW-TV: Es gibt noch viele Geheimnisse da zu lüften. Haben sie vielen Dank für das Gespräch, Herr Ronacher. Interview: Ingolf Baur
Studiogast: Prof. Dr. Dorothea Kübler, Wirtschaftswissenschaftlerin, Technische Universität Berlin
Läuft geradeNeue FolgeKann die Neuroökonomie helfen, die Wirtschaftskrise zu überwinden? Kann es etwas nützen, Manager in Zukunft von Hirnforschern untersuchen zu lassen? PROJEKT ZUKUNFT redet darüber mit Dorothea Kübler. DW-TV: Ist die Welt-Wirtschaft nur ein gigantisches Würfelspiel? Sollten denn Manager wirklich erst mal in den Scanner oder sogar ein Genprofil abgeben, bevor sie dann was zu sagen haben? Dorothea Kübler: Das ist natürlich eine lustige Idee und es wäre schön, wenn man damit die Probleme lösen könnte. Die Risikoneigung ist sozusagen im Hirn feststellbar, das ist natürlich eine neue und schöne Errungenschaft. Die Frage ist, ob das was hilft? In der Krise jetzt hat man gesehen, dass es nicht die Risikoneigung ist, also die Risikofreude der Manager, sondern eher die falsche Überzeugung, dass man die Risiken alle abgesichert hat - durch neue Finanzinstrumente. Also, die Welt ist sozusagen sicher geworden. Es gibt keine Krisen mehr, weil der Markt sich so stark entwickelt hat und es eben diese Futures und Optionen - also verrückte Wertpapiere – gibt, mit denen man sich gegen alle Risiken absichern kann. Also, insofern würde ich sagen, es war eher eine Selbstüberschätzung der Manager und dafür glaube ich, hat man nichts gefunden, wo man im Gehirn sieht, was da korreliert oder was da aufleuchtet, wenn jemand sich selbst überschätzt. Insofern würde ich sagen, da ist noch viel zu forschen! DW-TV: Es ist eigentlich erschreckend, dass toppbezahlte Leute sich selbst überschätzen. Und wenn man sich mit der Neuroökonomie so ein bisschen beschäftigt, hat man das Gefühl, dass die Manager im Grunde funktionieren wie Kinder im Buddelkasten: Meine Sandburg ist höher als Deine. Ist das wirklich so? Dorothea Kübler: Also, die Mechanismen sind die selben, würde ich sagen. Und man hat in Experimenten mit Kindern festgestellt, dass junge Kinder mehr ihr Eigeninteresse verfolgen als ältere Kinder, die dann sozialisiert sind. Und ich würde sagen, Manager sind in gewisser Hinsicht da vergleichbar, die haben sozusagen sehr stark das Interesse der Firma und vielleicht auch das eigene Interesse im Auge, was auch gut sein kann, was aber kanalisiert werden muss durch die richtigen Institute, Regulierungen, damit es nicht wie jetzt passiert und in die Krise führt. Also, insofern sind die Manager nicht allein Schuld, sondern da gibt es auch ein System, was um sie herum ist und was das ermöglicht hat. DW-TV: Die Krise ist nicht eine Krise verursacht durch Einzelne, sondern eine systemische, würden Sie sagen? Dorothea Kübler: Genau, Alan Greenspan, der frühere Notenbankchef der USA, hat gesagt: Er hat selbst die Fähigkeit der Märkte überschätzt, sich selbst zu regulieren. Und er hat eben darauf vertraut, dass diese neuen Wertpapiere zum Beispiel nur dann auf dem Markt ankommen, wenn die wirklich sinnvoll und nützlich sind. Und da hat er selber gesagt, das hat er völlig überschätzt. Und insofern sind da viele dran beteiligt und viele sind diesen Irrtümern aufgesessen, nicht nur Manager. DW-TV: Kommen wir noch mal auf die Neuroökonomie zurück. Es gibt ja schon lange psychologische Experimente in der Wirtschaft. Was bringt es denn dann überhaupt, den Leuten auch noch ins Hirn zu schauen? Dorothea Kübler: Das ist eine gute Frage. Wir können jetzt sehen, ob Leute sich ärgern, wenn sie weniger bekommen als jemand anders. Also spielt nicht die absolute Höhe der Bezahlung eine Rolle, sondern die relative. Das weiß man aber schon lange aus psychologischen Verhaltensexperimenten, wo man einfach nur beobachtet und schaut, wie die Leute zum Beispiel reagieren, wenn sie weniger haben. Das kann man am Verhalten ablesen, da braucht man nicht unbedingt ins Gehirn schauen. Es gibt aber auch Momente, da kann man auch sagen: Okay, wie haben hier auch im Gehirn gesehen, dass das hier so ist, man hat noch mal zusätzliche Evidenz dafür. Aber es gibt natürlich auch Fragen, wo man das nicht direkt aus dem Verhalten schließen kann. Und das sind dann für mich die interessanten Fragen, wo die Neuroökonomie neue Beiträge für die Ökonomie liefern kann. Also wo man sehen kann, es gibt verschiedene rivalisierende, also konkurrierende Theorien und welche von denen ist jetzt richtig, warum verhält sich jemand so? Was passiert da jetzt im Gehirn? Da ist die Neuroökonomie dann wichtig, würde ich sagen! DW-TV: Könnte die Neuroökonomie helfen Krisen, wie diese zu verhindern? Ja oder Nein? Dorothea Kübler: Ich glaube nein! Soweit ist die noch nicht! Vielleicht irgendwann mal! Interview: Daniela Levy
Zu Gast im Studio: Dr. Daniel Besser, Stammzellforscher, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
Läuft geradeNeue FolgeWird die Forschung mit den umstrittenen menschlichen embryonalen Stammzellen irgendwann überflüssig? Und hat die Entscheidung des Präsidenten Obama, die Forschung mit embryonalen Stammzellen in den USA wieder staatlich zu fördern, Auswirkungen auf die deutsche Wissenschaft?DW-TV: Daniel Besser, Diabetes heilen, Parkinson, Alzheimer – sind Sie da genauso zuversichtlich wie die Kollegen aus Tübingen? Daniel Besser: Ich denke, wir werden mit Stammzellen weiterhin Anwendungen entwickeln können. Das gilt für verschiedene Stammzellpopulationen, wobei sicherlich auch diese frühen undifferenzierten Stammzellen der Tübinger Kollegen bei gewissen Krankheitsbildern eine Rolle spielen. DW-TV: Kann man denn nach dem Erfolg in Tübingen auf embryonale Stammzellen verzichten? Daniel Besser: Im Moment wissen wir über diese Zellen aus Tübingen noch recht wenig, d.h. sie müssen in verschiedenen Laboren der Welt auch sicherlich erst mal genau analysiert werden, dass sie eben auch diese Potentiale haben. DW-TV: Sie arbeiten ja an embryonalen Stammzellen. Warum reichen Ihnen nicht adulte, die zurückentwickelt wurden in, wie Sie sagen, pluripotente Zellen, also Zellen, die alles können – was ja schon geschafft wurde? Daniel Besser: Die adulten Zellen haben eine limitierte, eine begrenzte Kapazität, sich in Sachen zu entwickeln. Das ist ja in dem Beitrag auch schon erwähnt worden. Dieses Zurückversetzen, das ist eine der interessanten spannenden Fragestellungen, die sich im Moment ergeben. Seit zwei, drei Jahren hat man Wege gefunden, über die Expression von bestimmten Faktoren, über den Ausdruck von bestimmten Faktoren in den Zellen, diese Zellen in diesen frühen Zustand zurückzuversetzen. Und das sind sicherlich sehr spannende Zelltypen, die weiter untersucht werden. DW-TV: Forscher wie Sie dürfen ja in Deutschland nur an menschlichen embryonalen Stammzellen forschen, die aus dem Ausland stammen und vor einem bestimmten Stichtag gewonnen wurden. Was bedeutet das für Ihre Arbeit? Daniel Besser: Für unsere direkte Arbeit in der Grundlagenforschung - wir wollen ja verstehen, was etabliert diesen pluripotenten undifferenzierten Zustand der Zellen - stehen wir eigentlich mit den Zellen, die wir verwenden können, relativ gut da. Das heißt, wir können unsere Forschung machen und wir können diese Fragestellung bearbeiten. In dem Moment, wo es näher an die Therapieanwendungen geht und auch die Untersuchung von ganz bestimmten Krankheitsbildern an diesen embryonalen Stammzellen, gibt es Begrenzungen in Deutschland, die sicherlich die Forschung gerade in diesem Grenzbereich hin zur regenerativen Medizin beeinträchtigen. Da wäre es natürlich günstiger, wenn man eben halt auch neuere embryonale Stammzellen aus dem Ausland oder selbst eventuell in Deutschland gewonnene verwenden dürfte. DW-TV: Jetzt hat US-Präsident Obama das in den USA etwas geöffnet und hat gesagt: "Ja, wir fördern das wieder staatlich." Was bedeutet das für Sie hier in Deutschland? Glauben Sie, da wird sich in der deutschen Politik auch was tun? Daniel Besser: Ich glaube nicht, dass der deutsche Gesetzgeber jetzt - basierend auf dieser Entscheidung von Obama, die öffentlichen Gelder wieder freizugeben für neuere Stammzellenforschung - direkt Auswirkungen hat. Dafür ist der Souverän in Deutschland nicht abhängig davon, was in Amerika entschieden wird. Das gilt ja für den Rest Europas genauso: England hat eine viel freiere Gesetzgebung, ohne dass das jetzt in Deutschland eine direkte Auswirkung hat. Insgesamt ist es natürlich ein sehr positives Signal. International könnte eben diese Forschung an den menschlichen embryonalen Stammzellen ein bisschen aus diesem geächteten Raum rauskommen. Das ist natürlich durchaus ein positives Signal, was wir auch begrüßen. Aber ich glaube nicht, dass es direkt jetzt politische Veränderungen in Deutschland nach sich ziehen wird. DW-TV: Daniel Besser. Herzlichen Dank für das Gespräch! Interview: Daniela Levy
Läuft geradeNeue FolgeForscher an der Uni Tübingen haben es geschafft, aus dem Hoden erwachsener Männer Stammzellen zu gewinnen. Aus ihnen können sich viele Körperzellen entwickeln – Knochen, Muskeln, Nerven, Haut. Weil die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen aus ethischen Gründen in Deutschland umstritten ist, könnten adulte Hodenstammzellen eine echte Alternative sein. Mit bloßem Auge nicht sichtbar: In diesem Glas wächst menschliches Gewebe. Tübinger Forscher um Thomas Skutella züchten darin ein Blutgefäß. Dafür fügen sie Stammzellen übereinander. Noch ist das Grundlagenforschung. Solch maßgeschneidertes Ersatzgewebe soll später Patienten zum Beispiel mit Parkinson oder Diabetes helfen. O-Ton: Prof. Thomas Skutella, Uni Tübingen: "Wir hoffen, auch komplexere Organe wie die Leber oder auch einen ganzen defekten Herzmuskel wieder erneuern zu können." Dieser Vision ist er nun mit seinem Team ein Stück näher gekommen. Aus dem Körper erwachsener Männer haben die Wissenschaftler Stammzellen aus dem Hoden gewonnen. Eine Alternative zu den menschlichen embryonalen Stammzellen? Adulte Stammzellen unterliegen keinen Reglementierungen Die gelten als Alleskönner. Sie können sich unbegrenzt vermehren und in jedes Gewebe verwandeln - Nerven, Knochen, Muskeln, Blut. Allerdings müssen dafür Embryonen, die etwa bei künstlichen Befruchtungen übrig bleiben, zerstört werden. Deshalb ist die Forschung damit in Deutschland streng reglementiert. Problemlos: Sogenannte adulte Stammzellen. Zum Beispiel aus der Haut. Sie sind von Natur aus keine Alleskönner, weil sie aus einem bereits entwickelten Gewebetyp stammen. Aber Forscher arbeiten daran, dass adulte Stammzellen mehr können, als sich zum Beispiel nur in Hautgewebe zu entwickeln. Die von den Tübinger Forschern entdeckten Hoden-Stammzellen scheinen ein dritter Typ zu sein. Sie sind Alleskönner wie die embryonalen und noch langlebiger als adulte. Frauen ausgeschlossen? Stammzellen aus dem Hoden – bedeutet das, dass mögliche spätere Therapien nur für Männer möglich sind? O-Ton Prof. Thomas Skutella, Uni Tübingen: "Es handelt sich ja hier um die Ursprungszellen, aus denen später dann die Spermien entstehen. So was gibt es auch bei Frauen. Ursprungszellen, aus denen später Eizellen hergestellt werden. Und die kann man auch bei der erwachsenen Frau entnehmen." An Labormäusen testen die Tübinger Forscher ihre neu entdeckten Zellen. Nur so können sie feststellen, wie wandlungsfähig diese tatsächlich sind. Dazu impfen sie die Tiere mit den menschlichen Hodenstammzellen. Die injizierten Zellen bilden eine Geschwulst. Und in der haben die Forscher alle Gewebearten gefunden – Haut, Nerven, Knorpel- und Knochenzellen. O-Ton Prof. Thomas Skutella, Uni Tübingen: "Wir haben nix großartig manipuliert. Wir haben Zusätze in unseren Zellkultur-Medien verwendet, die zugelassen sind für klinische Forschung. So dass wir eigentlich sehr nahe an einer klinischen Austestung dieser Zellen wären." Bis zu klinischen Tests mit Menschen wird es noch dauern. In den kommenden drei Jahren wollen die Tübinger die Verwandlungskünste der Hodenstammzellen noch genauer untersuchen. Und ganz gezielt Gewebe daraus züchten, bspw. Zellen, die Insulin produzieren. Grundlagenforschung für neuartige Therapien. Cornelia Borrmann
Zu Gast im Studio: Prof. Dr. Josef Köhrle
Läuft geradeNeue FolgeHormonforscher am Endokrinologischen Forschungszentrum der Charité, Berlin DWTV: Ich freue mich sehr, Ihnen bei uns im Studio Herrn Prof. Dr. Josef Köhrle vorstellen zu dürfen vom Institut für Experimentelle Endokrinologie - ein Hormonforscher. Herr Köhrle, das ist ja eine ungeheure Sache, die da beschrieben wird. Schichtarbeiter, die nachts nicht schlafen dürfen, sondern nachts arbeiten müssen, tagsüber schlafen, die also ihren Rhythmus verändern, bekommen mehr Krebs. Ist das heute von der Forschung tatsächlich schon so belegt? Josef Köhrle: Es gibt sehr starke Hinweise aus verschiedenen Studien, die noch nicht langfristig in die Zukunft angelegt sind, aber für einige Krebsformen, Prostatakrebs, Brustkrebs ist schon einigermaßen nachgewiesen, dass da Zusammenhänge bestehen. DWTV: Aber das bedeutet, das Melatonin in unserem Körper und das Fehlen bei Nacht, müssen einen gewaltigen Einfluss haben. Kann man verstehen, was das Melatonin genau macht? Josef Köhrle: Melatonin ist eigentlich im Körper das Hormon, was vom dritten Auge - der Epiphyse auf dem alten Wege ausgedrückt - freigesetzt wird. Und Melatonin ist eigentlich die Hormonsubstanz, die die Körperzellen in einen Rhythmus, einen Tagesrhythmus synchronisiert. Sozusagen der Schrittmacher, der Koordinator für die Uhren in den einzelnen Zellen, in den einzelnen Organen. DWTV: Und dass da jetzt plötzlich die Krebsentstehung begünstigt wird, wie kann man sich das erklären, gibt es da ein Modell? Josef Köhrle: Für Melatonin gibt es einige Untersuchungen aus Tierexperimenten, die man unbedingt für solche Forschungen auch braucht, und aus Zellkulturen. Die sprechen dafür, dass Melatonin mehrere biologische oder molekulare Wirkungen hat. Der Zelltod wird von Melatonin begünstigt, damit können sich Tumormassen, Tumorzellen anhäufen. Melatonin ist auch beteiligt an der Regulation des Zellenergiestoffwechsels im Sinne einer antioxidativen Wirkung – also wenn Sauerstoff-Radikale die schädlichen Substanzen in einer Zelle sozusagen killen. Das ist aber nur ein kleiner Teilaspekt des Ganzen und Melatonin ist auch - und ich glaube, das ist relativ wichtig für die Tumorfrage – es ist auch daran beteiligt, andere Hormonrezeptoren in ihrer Wirkung zu beeinflussen. Das trifft nicht für alle Hormonrezeptoren zu, sondern wahrscheinlich spezifisch eben für die Sexualsteorid- Hormonrezeptoren, die beim Prostatakrebs oder beim Brustkrebs eine Rolle spielen. DWTV:Herr Köhrle, wir greifen ja an ganz vielen Stellen in unser Hormonsystem ein: Frauen nehmen Antibabypillen, Melatonin beispielsweise wird ja in den USA auch frei verkauft. Was passiert, wenn wir von außen herkommen und sagen: Dieses System, was so alt ist und sich im Körper so lange schon fest gebildet hat, wird von uns nun verändert. Ist das zu empfehlen? Josef Köhrle: Es ist sicher nicht zu empfehlen, da sind sich die Forscher sehr einig, Melatonin in den täglichen Verbrauch zu bringen, weil Melatonin eben wirklich eine hormonaktive Substanz ist. Es ist trotzdem frei verkäuflich, es gibt dafür keine Patente. Wir sollten aber auch berücksichtigen, wozu man Melatonin wirklich nutzbringend einsetzen kann: Das ist bei schweren Schlafstörungen, wenn man da Melatonin zu bestimmten Zeiten gibt, dann kann man im Prinzip Wirkungen hervorrufen. DWTV:Haben Sie vielen Dank für das Gespräch, Herr Köhrle. Interview: Ingolf Baur
Studiogespräch mit Prof. Kristof Graf, Kardiologe - Teil 1
Läuft geradeNeue FolgeProf. Kristof Graf vom Deutschen Herzzentrum Berlin spricht mit PROJEKT ZUKUNFT über die Gefahr des Cholesterins für den Menschen. DW-TV: Zuviel Fett im Blut schädigt die Gefäße, lässt die Adern verkalken. Der Übeltäter scheint das "LDL"-Cholesterin zu sein, aber der Gegenspieler, das "HDL"-Cholesterin schafft das Fett wieder aus den Adern heraus. Wenn die Balance zwischen "gutem" und "schlechtem" Cholesterin nicht mehr stimmt, dann verstopfen die Versorgungsadern und im schlimmsten Fall kann es sogar zum Herzinfarkt kommen. Was steckt dahinter? Kristof Graf: Das ist eigentlich ein neuzeitliches Problem. Wir haben heute eine Situation, wo Ernährung für uns kein Problem mehr ist. Wir haben die Situation der Überernährung, oder des Überangebots. Und wir können essen wann und wo immer wir wollen. Dadurch kommen wir in die Situation, dass wir erst einmal zuviel essen und dann möglicherweise auch zuviel von den Sachen, die ungesund sind. Das zweite Problem ist die Einschränkung der Beweglichkeit. Wir sind eine immobile Gesellschaft geworden. Das heißt, wir nehmen Kalorien zu uns, darunter natürlich viele Fette, aber wir verbrauchen sie nicht mehr. Und dadurch bekommen wir in ein großes Problem. DW-TV: Wenn man sich die Ernährung anguckt, hat man früher natürlich immer mit dem Finger auf das Fett gezeigt. Glaubt man heute immer noch, das es das Fett ist, das die Probleme macht? Kristof Graf: Es gibt gute Hinweise dafür, das es nicht nur die Fette sind, sondern, dass es vor allen Dingen auch die Kohlenhydrate sind. Die Häufigkeit des Diabetes nimmt erheblich zu. Und dann verändern sich auch massiv die Fettspiegel im Blut. Man weiß, dass man hier nicht nur allein auf das Fett gucken muss, sondern man muss auch auf die Kohlenhydrate achten, auf die Ernährung und auf die körperliche Bewegung. (Interview: Ingolf Baur)
Auf in die Zukunft: das James Webb Weltraumteleskop
Läuft geradeNeue FolgeHubble bekommt seine letzte Wartung, der Nachfolger ist schon erkoren: Voraussichtlich 2013 soll das James Webb Weltraumteleskop, JWST, an den Start gehen. Es gehört zu den größten Wissenschaftsprojekten weltweit. NASA, ESA und die kanadische Weltraumagentur CSA bauen es gemeinsam. JWST soll in der Lage sein, bis zur Geburt der ersten Sterne zurückzublicken.Während Hubble das Licht von Sternen auffängt, das etwa eine Milliarde nach dem Urknall ausgesandt worden war, soll JWST also aus der Frühzeit des Universums berichten. Um Sterne und Galaxien aus der Frühzeit zu beobachten, ist es notwendig, Messungen im Infrarot-Bereich durchzuführen. Dazu muss JWST aber extrem kalt sein, allein die Wärme von Sonne und Erde würde ausreichen, um das Teleskop erblinden zu lassen. Wie können die Wissenschaftler das verhindern? Cornelia Borrmann
Keine Tags vorhanden.
Anzeige
sevenload 2005-2009
Partner: t-online.de | focus.de | playboy.de | mp3.de | chip.de | blog.de | tvspielfilm.de | cinema.de | itravel.de
Video/Clip/Film Eiskalt kalkuliert oder tollkühn riskiert - was Geld im Kopf anrichtet. Von Andreas Neuhaus. - Skrupellos, Finanzmärkte, Finanzwelt, Uni Bonn, Pump.
repuhan
Barbar…
Christ…
Cervez…
Fritze…
Doroli…
chilla…
Cerdita
crizcroz
Kommentare für Eiskalt kalkuliert oder tollkühn riskiert - was Geld im Kopf anrichtet. Von Andreas Neuhaus. (0)